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Aktueller Sonntagsausflug / Dank „Leader+“ erwacht das Weserbergland aus dem Dornröschenschlaf

Auf neu beschilderten Wanderwegen in den Süntel

Von Ingeborg Müller

Am Kammweg trifft man immer wieder auf Wanderer. Fotos: i-r

Erfreut und hoffnungsvoll berichtete ich in der Einführung zur Neuauflage des 2. Bandes der Buchserie „Unser Sonntagsausflug“, dessen Vorschläge alle zwei Wochen in dieser Zeitung veröffentlicht werden, über die Aktionen des großzügigen Förderprogramms der Europäischen Gemeinschaft „Leader+“. Mit diesem Programm zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft werde in unserem Raum die anscheinend im Dornröschenschlaf schlummernde Wanderregion des Weserberglandes wie von einem Märchenprinzen wach geküsst, schrieb ich darin. Abweichend von den Veröffentlichungen der Buch-Vorschläge biete ich nun Ihnen, liebe Leser, liebe Wanderer, heute eine neue Süntelwanderung an, bei der wir beispielhaft die Erfolge der auch von Kommunen und Institutionen finanzierten Förderung speziell des Wandertourismus bestätigt fanden.

Anlass gerade zu dieser Wanderung war eine von den Städten Hessisch Oldendorf und Rinteln neu herausgegebene Wanderkarte mit Tipps zu zahlreichen Routen im Gebiet des Naturparks Weserbergland. Schon beim Aufklappen und ersten Betrachten dieser hervorragend gestalteten, sehr informativen und ebenfalls von der EU geförderten Karte einschließlich der reich bebilderten Rückseite schlägt das Herz eines jeden begeisterten Wanderers höher und er beherzigt gern die Aufforderung „Also einfach mal die Schuhe schnüren, den Rucksack auf und sich verzaubern lassen“. (Die Faltkarte ist kostenlos bei den Tourist-Informationen Hessisch Oldendorf und Rinteln, aber auch bei der Hamelner Tourist-Information an der Deisterstraße 1 zu bekommen.)

Ich habe mich für die mit HO 9 markierte „Roter-Stein“-Route entschieden, die etwa 8,6 Kilometer lang ist bei 220 Meter Höhenunterschied und laut Karte zweieinviertel Stunden dauern soll. Einer der beiden Startplätze ist der Wanderparkplatz Forsthaus Bensen am Rand des Süntelwaldes oberhalb des Ortes. Wir fahren dazu von Hameln auf der Bundesstraße 83 bis zur Abfahrt Fischbeck und durch das Stiftsdorf und später durch Höfingen, wo wir am Ende des Ortes nach rechts abbiegen und bergwärts bis zum Parkplatz fahren. Dort können wir uns auf einer der einheitlich gestalteten Starttafeln gründlich informieren.

Die Wege sind vorbildlich beschildert.
  • Die Wege sind vorbildlich beschildert.
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Auf gut markierten Wegen steigen wir nun bequem nach rechts an auf das Bergmassiv des Roten Steins zu. Dort erwartet uns bei den Bakeder Eichen ein „Historischer Punkt“. Es wird uns berichtet, dass auf diesem Wege viele Dorfbewohner den Süntelkamm überschreiten mussten, um an sechs Wochentagen in unterschiedlichen Werken jenseits des Gebirges zu arbeiten. (Auf der Bakeder Seite gibt es übrigens entsprechend die Benser Eichen.) Aus einer S-Kurve biegt dann ein Weg nach rechts ab, wir bleiben jedoch auf dem Hauptweg und steigen weiter an bis zu einer weiteren, diesmal sehr markanten S-Kurve. Dort folgen wir der 9 nach rechts, jetzt fast eben bis zum Kammweg, auf dem mehrere Fernwanderwege verlaufen und der entsprechend genutzt wird. Wir wandern nach links auf diesem Kammweg, der sehr bald, der Topografie des Gebirgskamms folgend, fast rechtwinklig nach links abbiegt.

Hier auf dem 339 Meter hohen Brunshagen erwartet eine Schutzhütte mit Sitzgruppe Wanderer, Walker und Radfahrer. Später erinnert uns eine Tafel an die Tragödie der Panitzkinder. Drei- und sechsjährig waren sie im Oktober 1871 ihrer Mutter in den Wald gefolgt und wurden trotz verzweifelter Suche der Dorfbewohner nach Tagen tot aufgefunden.

Hatte uns beim Aufstieg neben unserer 9 die 11 begleitet, so steigen wir jetzt auf dem mit 9 und 8 markierten, durch kleine Steinbrüche und Blumen belebten Weg nach links ab, lassen den als Ausgangspunkt zum Hohenstein viel genutzten Parkplatz Kreuzsteinquelle rechts liegen und gehen am Bach entlang zur beliebten Ausflugs-Gaststätte „Pappmühle“, in deren Biergarten wir, so versprach es die Starttafel in Bensen, „die Seele baumeln lassen“ können. Mit uns machten viele Besucher davon Gebrauch…

Wenn wir jenseits der Fahrstraße den Rückweg antreten und ansteigen, können wir zum ersten Mal einen Weitblick genießen. Während er nach Westen weit in das Land schweift, schauen wir nach Norden zum Süntel mit dem Felsen des Hohensteins. Der Weg ist jetzt nicht mehr befestigt, was viele Wanderer erfreut, aber auch nicht mehr ganz so „idiotensicher“ beschildert wie beim Anstieg. Bei einer Schutzhütte hinter der uralten Kuckucksbuche – neben ihr wächst eine junge Eiche ihrem großen Auftritt entgegen – weist uns unsere Markierung auf einen schmalen Weg nach links. Er führt uns hinunter zum Waldrand zu einer besonders schönen Sitzgruppe mit einem steinernen Tisch unter von Efeu bewachsenen Eichen und dann am südlichen Waldrand des Westerbergs entlang zur Fahrstraße, die uns nach links zurück zum Ausgangspunkt bringt.

Länge und Höhenunterschied unseres Wanderweges haben wir der Wandertafel entnommen. Die dort und in der Karte angegebene Dauer muss jeder mit dem eigenen Tempo vergleichen und möglicherweise etwas korrigieren. Auf alle Fälle macht dieser Ausflug Lust auf mehr!

Der Wanderparkplatz in Bensen ist sehr ansprechend gestaltet.

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