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Leo-Club Schaumburg lädt Flüchtlinge zum Grillen ein

Auf Deutsch statt mit Händen und Füßen

Obernkirchen. Es wird gegrillt, erzählt, gelacht und nach dem gemeinsamen Essen im Garten ein bisschen Federball auf dem Rasen gespielt. Auch ein Volleyball wird hervorgeholt, um sich damit in lockerer Runde die Zeit zu vertreiben. Im Grunde ist es ein ganz normales, kleines Gartenfest, zu dem Joana Harmening und andere Mitglieder des Leo-Club Schaumburg (jugendlicher Ableger des Lions-Clubs Schaumburg) eingeladen haben. Und doch ist es mehr als das. Die „Leos“ haben dieses Fest nämlich eigens für einige ihnen bis dahin noch nicht bekannte Flüchtlinge ausgerichtet, die bereits seit rund zwei Jahren im Landkreis leben.

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Autor:

Michael Werk

„Das Thema Flüchtlinge ist zurzeit ja das aktuelle Brennpunkt-Thema“, erklärt die Wiedensahlerin Stefanie Auel (21) als Präsidentin des Leo-Clubs. Und da habe man innerhalb des Vereins überlegt, was man zugunsten von jugendlichen Flüchtlingen tun könne. Letztlich sei dann die Idee mit dem Grillfest geboren worden. „Denn die haben vielleicht mehr davon, wenn wir etwas mit ihnen zusammen machen als wenn wir einfach nur Spenden für Flüchtlinge sammeln.“ Zumal man vom Alter her nicht allzu weit auseinander sei und es ja auch wichtig sei, dass sie sich hier integriert fühlen.

„Außerdem ist so ein gemeinsames Grillen leicht zu realisieren“, ergänzt Joana Harmening (24). Wobei sich den „Leos“ im Vorfeld durchaus die Frage gestellt hatte, wie sie mit den jugendlichen Flüchtlingen in Kontakt kommen könnten. Statt jedoch selbst auf die Suche nach potenziellen Gästen zu gehen, hatten sie sich an die Arbeiterwohlfahrt in Stadthagen gewandt. Seitens der wurden einige von dieser Beratungsstelle betreuten junge Leute gefragt, ob sie Lust hätten, an solch einem Gartenfest teilzunehmen. Angemeldet hatten sich schließlich neun Jugendliche. Zum vereinbarten Treffpunkt in der Kreisstadt, von dem aus sie von den „Leos“ mit dem Auto abgeholt wurden, gekommen waren letztlich allerdings nur sechs Jugendliche.

„Vorher hatten wir noch gedacht, dass wir uns auf Englisch, notfalls aber mit Händen und Füßen mit ihnen verständigen müssen, aber das klappt ganz gut auf Deutsch“, verrät die Obernkirchenerin. Und Stefanie Auel ergänzt, dass nach ihrem Empfinden die drei Mädchen sehr aufgeschlossen seien, während „die Jungs eher noch zurückhaltend“ wirken würden. So oder so habe sie jedoch den Eindruck, dass es seitens der Flüchtlinge „auf jeden Fall ein Bedürfnis nach Kontakten“ gebe.

Die 15-jährige Feben, die seinerzeit mit ihrer Mutter und ihren drei Geschwistern aus Eritrea geflohen war, bestätigt diese Vermutung. „Ich möchte gerne viele Leute kennenlernen“, sagt sie, wobei sie bereits recht gut Deutsch spricht. Nicht zuletzt durch den Besuch der Integrierten Gesamtschule Schaumburg (IGS) in Stadthagen habe sie jedenfalls schon gute Kontakte knüpfen können. Zu den Umständen ihrer Flucht möchte sie indes nicht allzu viel berichten, da sie dies noch als belastend empfindet. Nur soviel: Über den Sudan, wo sie sich zwei Jahre lang aufhielten, und Libyen waren sie aus Eritrea geflohen, um dann in einem mit rund 300 Flüchtlingen überfüllten Boot über das Mittelmeer nach Italien überzusetzen. Zwei Tage lang hatte die Fahrt mit dem maroden Boot, in das aufgrund eines oder mehrerer Lecks im Rumpf sogar Wasser eindrang, gedauert. Erste Station in Europa war die italienische Insel Lampedusa, von wo aus sie schließlich ihren Weg nach Deutschland fortsetzten. Gelohnt haben sich die Strapazen und die Angst offenbar: „Ich bin glücklich, in Deutschland bleiben zu können“, betont Feben, die nach der Schule eine Berufsausbildung zur Krankenschwester absolvieren möchte.

Konkrete Vorstellungen für die Zukunft hat auch ihre zwölf Jahre alte Schwester, Meri, die sie zu dem Grillfest mitgebracht hat und die derzeit ebenfalls die IGS besucht. Sie möchte später gerne Sprachlehrerin im Bereich der Erwachsenenbildung respektive für Flüchtlinge werden.

„Hier in Deutschland ist für mich alles gut“, resümiert Semir (18) aus Bosnien. Sein Berufswunsch: Automechaniker. Bevor er jedoch in Deutschland regulär zur Schule gehen beziehungsweise eine entsprechende Ausbildung absolvieren könne, benötige er erst eine behördliche Aufenthaltsgenehmigung, auf die er derzeit noch warte, verrät er.

Gute Laune herrschte bei dem kleinen Grillfest, zu dem der Leo-Club Schaumburg einige Jugendliche eingeladen hatte, die vor rund zwei Jahren als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen waren.

wk

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