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Überraschende Relikte aus der Vergangenheit nähren die Hoffnung auf einen sensationellen Fund

Auf der Suche nach dem historischen Brunnen

Hameln (kar). „Sieht aus wie ein Brunnen!“ Die Menschen, die sich derzeit hinter den Gittern der Baugrube am Bäckerscharren den Kopf darüber zerbrechen, was da ausgebuddelt wird, sind sichtlich fasziniert von dem Anblick, der sich ihnen bietet – und spekulieren wild drauflos. Was hat es mit den Steinen, die sich zu einem Rund gruppieren, mit den Mauerresten und dem Brandschutt auf sich, der hier zutage befördert wird? Hamelns Untergrund ist so spannend, dass Passanten staunend stehen bleiben und die Archäologen mit Fragen bestürmen. „Alle sind hochinteressiert, neugierig und machen sich Gedanken“, sagt Joachim Schween, der zusammen mit Kay Suchowa und Fabian Wais der Vergangenheit auf den Grund geht. Dort, wo bald eine Trafostation installiert wird, gibt Hameln wieder ein Stück Geschichte preis. Seit Beginn der Arbeiten für die Sanierung der Fußgängerzone stößt Archäologe Schween immer wieder auf überraschende Relikte aus der Vergangenheit. Diesmal hofft er Überreste jenes Brunnens zu entdecken, der als Wasserkunst auf einem Flugblatt von 1622 auftaucht und in Sprengers Stadtgeschichte erwähnt ist. Das wäre eine echte Sensation.

Auf Relikte eines Brunnens ist Archäologe Joachim Schween und se

„Die Örtlichkeit stimmt“, sagt Schween. Der Brunnen befand sich einst an der Schnittstelle von Oster- und Bäckerstraße, in unmittelbarer Nachbarschaft des alten Rathauses. Das, was Schween und sein Team schon freigelegt haben, könnte „von der Kontur her ein Brunnen sein, aber kein Tief- oder Schöpfbrunnen“, so der Archäologe. Die Verfüllung mit Material, das aus der Barock- oder Renaissance-Zeit stammt, dokumentiere, dass der Brunnen bis dahin genutzt wurde. Ob es der historische ist? Schween zuckt mit den Schultern. Er vermutet den „opulenten öffentlichen Marktbrunnen“ von einst eher ein Stückchen weiter: „Im Westprofil, dort, wo diese Baugrube zu Ende ist, steckt noch ein mächtiges Fundament. Dort könnte der Brunnen liegen.“ Und dort, außerhalb der Baugrube für die Trafostation, dort hätte er vielleicht auch eine klitzekleine Chance, konserviert zu werden...

Eine Mauer, auf die Schweens Team gestoßen ist, hat ihr Geheimnis bereits preisgegeben: „Das dazugehörige Haus brannte am 19. Oktober 1560 ab.“ Das lässt sich anhand des Bandschutts exakt datieren. Denn damals wütete in der Altstadt eine Feuersbrunst, der 44 Häuser zum Opfer fielen. „Und als Folge davon gab es die erste Brandschutzverordnung in Hameln“, weiß Schween: „Statt mit Reet wurden Dächer dann mit Ziegeln gedeckt.“

Bis in den Abend hinein buddelt das Archäologen-Team weiter, hofft noch auf die Überreste jenes mittelalterlichen Pflasters zu stoßen, das rund 1,80 Meter unter dem heutigen Straßenniveau lag und dessen darüberliegende, ungleichmäßig ausgeprägte Sedimentschichten den Schluss zulassen, dass die Menschen damals, um sich vor Hochwasser und Überschwemmungen zu schützen, immer wieder Schicht auf Schicht getragen und sich so – quasi Schritt für Schritt – ins Trockene gewohnt haben.

Dieses Fragment von einem farbigen Kachelofen hat Schween bei se
  • Dieses Fragment von einem farbigen Kachelofen hat Schween bei seinen Grabungen entdeckt. Es stammt aus der Zeit vor 1560.
Der historische Marktbrunnen auf einem Flugblatt von 1622. Links
  • Der historische Marktbrunnen auf einem Flugblatt von 1622. Links: das alte Rathaus und Teile vom Hochzeitshaus. Quelle: Stadtarchiv
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