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Rintelner Abendgespräche thematisieren "die Unterscheidung der Geister"

Auf dem Markt der Religionen...

Rinteln (ur). Zum zweiten Rintelner Abendgespräch dieses Jahres hatte es die Nikolai-Gemeinde für die Ökumene übernommen, Gastgeber zu sein.

Pastor Jürgen Schnare wollte eine Orientierung auf dem aktuellen "Markt der Religionen und Weltanschauungen" geben, um Antworten auf die Frage zu ermöglichen: "Was hilft mir, die Geister zu unterscheiden?" Schnare beschäftigt sich mit dieser Thematik als "Leiter der Arbeitsstelle Weltanschauungsfragen" bei der Landeskirche Hannover, eine Funktion, die auch mit dem Begriff "Sektenbeauftragter" verbunden wird. Als Ausgangspunkt markierte der Referent in seinemüber einstündigen Vortrag die gegenwärtige quantitative Situation: Danach verteilen sich nahezu 95 Prozent der Bevölkerung immer noch auf die drei nahezu gleich großen Blöcke Evangelisch, Katholisch und Konfessionslos. Zunehmende Bedeutung gewinnt der Anteil der Muslime, der Rest verteilt sich auf kleine und kleinste Gemeinschaften,überwiegend asiatischer Herkunft. So wie es aber innerhalb der etablierten christlichen Kirchen Menschen gibt, die sich nicht mehr als gläubig empfinden oder als "auf der Suche" verstehen, so gibt es bei Konfessionslosen viele, die für weltanschauliche oder religiös geprägte Angebote zugänglich sind: Dies können die schon seit langem bekannten Sekten und Sondergemeinschaften wie Mormonen oder Zeugen Jehovas sein, die sich in ihren Ursprüngen auf die christliche Kirche beziehen, aber auch esoterische Gruppierungen, Psychokulte wie etwa Scientology und Strukturen, die sich auf charismatische Führer, Meister oder Gurus beziehen. Zu nennen seien auch okkulte Gemeinschaften und der weltanschauliche Atheismus. "Zunehmendes Interesse finden esoterische Angebote wie Tarot, Feng-Shui und Chakra-Meditation, die in der Nähe zu fernöstlichen Religionen stehen, doch eher als Lebenshilfe begriffen werden denn als Religion." Hier könne man beobachten, dass Elemente aus verschiedenen Traditionen vom Einzelnen miteinander verbunden werden. Der religiöse Wandel mache sich fest an Tendenzen wie Individualisierung und Aufgabe von Traditionen sowie an Subjektivierung und Privatisierung: "Man sucht sich das zusammen, was man gebrauchen kann." Problematisch werden derartige Tendenzen dann, wenn sie sich mit Gruppen verbinden, die einen alleinigen Wahrheitsanspruch anmelden, absolute Verheißungen bieten und ihre Anhänger enttäuscht auf die Differenz von Anspruch und innerer Substanz stoßen lassen: "Das kann zu erheblichen Konflikten bei den Betroffenen führen, die sich an solche Gruppen gebunden haben." Genauüber diese Probleme und Konflikte hätte man aus der Beratungspraxis von Schnare gern mehr erfahren, doch blieb er bei seinen Darlegungen betont auf der beschreibenden Ebene von Strukturen und Zusammenhängen. Fragen nach dem Verhältnis zur Menschenwürde, zu Menschenrechten und zu einem Welt-Ethos als gemeinsamer Aufgabe der Religionen blieben damit eher der Diskussion vorbehalten, die an der etwas frontalen Darstellung der Thematik krankte. Mitunter sollte die Moderation vielleicht stärker betonen, dass es in dieser Veranstaltungsreihe nicht um Seminare, sondern um Gespräche geht...

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