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Der Ton wird rauer: "Energiepreise-runter-Schaumburg" beklagt Mahnschreiben mit massiven Drohungen / "Wir suchen und wollen unser Recht"

Auch Preissenkungen besänftigen die Energie-Rebellen nicht

Obernkirchen (rnk). Eindringlich, so schildert es Robert Laack, sei er im letzten Monat in einem Mahnschreiben von E.on gebeten worden, die von ihm seit 2005 nicht gezahlten Preiserhöhungen bei Erdgas und Strom mit insgesamt 945 Euro zu begleichen. Der Vorsitzende der Bürgerinitiative "Energiepreise-runter-Schaumburg" hat auch diesen Brief ungerührt zu den Akten gelegt und mit einem Schreiben, dessen Inhalt mit den Rechtsanwälten des Bundes der Energieverbraucher e. V. in Bonn abgestimmt wurde, geantwortet: Natürlich wird er nicht zahlen. Dieses Formschreiben wurde allen Mitgliedern zur Verfügung gestellt.

Robert Laack

Der Ton ist spürbar rauer geworden zwischen den Energierebellen und den Energieversorgern. Und der lokale Widerstand bröckelt etwas, gab Laack auf der jüngsten Versammlung der Mitglieder zu. Als Ursache nannte er besagte Mahnschreiben mit massiven Drohungen. "Die Energiekonzerne fischen hiermit noch einmal ab, bevor die Verjährungsfrist wirksam wird", beschrieb der Obernkirchener Maßnahmen und Stimmung. Viele ältere und wirtschaftlich schwache Verweigerer hätten schlicht nicht mehr die Kraft - und gäben nach. Mit Blick auf die eingegangenen Mahnschreiben von E.on und anderen Energieversorgungsunternehmen rät der Bund der Energieverbraucher seinen Mitgliedern, sich auf juristische Debatten nicht einzulassen; es reiche ein kurzes Schreiben, dass man an der bisherigen Auffassung festhält. Auch bei künftigen Preissenkungen sollte das bisherige Vorgehen praktiziert werden, da diese Preissenkungen in keinem Verhältnis zu den vorhergegangenen Erhöhungen stehen. "Wir suchen und wollen unser Recht" - Laack gab sich durchaus kämpferisch. Nach Aussage der Bundesnetzagentur, betont Laack, ist immer noch kein ausreichender Wettbewerb auf dem Energiemarkt zu beobachten: "Die großen Anbieter wie E.on versuchen mit Tricks und Marktpräsenz die Preise hoch zu halten." Aber es gibt Gegenwehr. In Bad Oeynhausen, Minden und Herford gebe es mittlerweile - wie auch bundesweit - ebenfalls Bürgerinitiativen, allein in Paderborn habe man über 4000 Mitglieder. Laack sprach in der Versammlung von "einer Welle rechtlichen Unsinns", mit der die Konzerne den Verbraucher einschüchtern wollten. Dazu gebe es aber keinen realen Grund. Rechtlichen Ausführungen der Energieversorger, so Laack,sollte man keinen Glauben schenken. Was in den Schreiben der Versorger und ihrer Anwälte steht, sei mehr als fragwürdig - und falsch. Der diesjährigen Mitgliederversammlung war eine dreitägige Informationsveranstaltung des Bundes der Energieverbraucher im November in Bonn vorausgegangen. An dieser Tagung nahmen Vertreter der Verbraucherzentralen, sieben Rechtsanwälte und viele Sprecher - wie auch Laack - von Bürgerinitiativen, die bundesweit existieren, teil. In der Versammlung berichtete Laack auch über die wichtigsten Ergebnisse dieser Tagung. Aktueller Hintergrund der vorweihnachtlichen Versammlung: Bei den Stadtwerken Schaumburg-Lippe steigt der Strompreis ab Januar um 2,6 Cent pro Kilowattstunde. Auf jeden Fall sollte man seiner Stromkostenabrechnung widersprechen, wenn eine Preiserhöhung vorgenommen wird, erklärte Oliver Keller, der auf der Versammlung als ein die Bürgerinitiative beratender Rechtsanwalt vorgestellt wurde: "Damit kann man nichts falsch machen." Entweder man zahle die erhöhten Preise unter Vorbehalt oder man reduziere auf die Kosten, die man bisher zahlt, so Keller. Man sollte sich keine Sorgen machen, sagte der Rechtsanwalt, denn wenn der Energieversorger die Preise durchsetzen wolle, müsse zunächst dessen Kostenkalkulation offengelegt werden. Keller: "Das ist und bleibt die Rechtslage."

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