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Christel Fahrenhorst lebt ohne Armbanduhr – ist aber selbst bei Termindruck immer pünktlich

Auch ohne Uhr hat sie ein Gespür für die Zeit

Ein Leben ohne Uhr? Unvorstellbar in einer Gesellschaft, wo der Termindruck schon von klein auf den Lebensrhythmus bestimmt und Uhrzeiten oft minutengenau den Tagesablauf diktieren. Auch wenn heute in jedem Handy eine Uhr steckt, uns Computer und Telefonanzeigen über Datum und Zeit ständig auf dem Laufenden halten – bei der Frage „Wie spät ist es?“ folgt bei den meisten instinktiv der Blick aufs Handgelenk, auf die Armbanduhr. Ohne die Sicherheit dieses schmucken Chronometers würden viele gar nicht erst das Haus verlassen. Für Christel Fahrenhorst kein Thema: Sie lebt ohne Armbanduhr.

Ein Leben ohne Armbanduhr: Für Christel Fahrenhorst ist das selbstverständlich. Auch als sie noch als Galeristin unter ständigem

Autor:

Karin Rohr

„Ich habe nicht gern etwas am Handgelenk“, sagt die ehemalige Hamelner Galeristin. Die Entscheidung, ohne Uhr zu leben, hat sie bewusst gefällt – allerdings aus ganz pragmatischen Gründen. „Als die Kinder klein waren, habe ich beim Baden meine Uhr regelrecht ertränkt“, erinnert sie sich. Sie beschloss, ohne Armbanduhr auszukommen. Und kam erstaunlich gut klar: „Ich wusste immer, wo eine Uhr war, an der ich mich orientieren konnte.“ Sie entwickelte einen Blick für öffentliche Uhren, weiß heute noch, wo sich diese in der Stadt befanden. Und hatte schon bald ein Gespür für die Zeit. Zwar gab es daheim einen Wecker, aber: „Ich fing an, Arbeitsgänge zeitlich einzuordnen“, erinnert sich Christel Fahrenhorst. Dafür habe sie damals sogar mit Kurzzeituhr gearbeitet. So legte sie für bestimmte Tätigkeiten eine Zeit fest und strukturierte ihre Tagesabläufe bald auch ohne Uhr akkurat. „Zu wissen, wie spät es ist, kann man schulen“, sagt sie. Morgens und abends sei die Sonne immer ein verlässliches Instrument für die Bestimmung der Zeit gewesen: „Das klappt trotz Zeitverschiebung.“

In ihrer Zeit als Galeristin, als sich neben der täglichen Arbeit zu Hause auch die beruflichen Termine häuften und ständig etwas für Ausstellungen organisiert werden musste, machte sie sich oft Sorgen, zu spät zu kommen: „Das hat dazu geführt, dass ich immer geschaut habe, ob ich etwas finde, das mir die Zeit signalisiert und dass ich überpünktlich wurde“, sagt Christel Fahrenhorst. Auch bei vollem Terminkalender sei sie wunderbar ohne Uhr klargekommen und habe nie eine Verabredung platzen lassen: „Das ist alles eine Frage der Organisation.“ Der Zeitrahmen stehe auch ohne Uhr: „Man ist in die Zeit eingebunden.“ Auch heute noch arbeite sie strikt nach Terminkalender: „Die Gliederung des Tages hilft bei einem Leben ohne Uhr.“

Auch wenn die Zeit jetzt eine andere Dimension für die ehemalige Galeristin hat. Damals, als sie noch berufstätig war, habe die Zeit etwas Drängendes gehabt: „Doch die Zeiten, dass ich unter Termindruck stehe, sind vorbei. Heute möchte ich die Zeit lieber halten“, meint die 70-Jährige: „Dieses ,Das-Mach-ich-später’ ist nicht mehr da. Man ist sich bewusst, dass die Lebenszeit begrenzt ist und die Dringlichkeit von vielen Dingen nicht mehr da ist.“ Sie sortiere jetzt viel stärker und empfinde dies als große Freiheit.

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Grundsätzlich gegen Uhren ist Christel Fahrenhorst nicht: „Ich habe durchaus ein Faible für schöne Uhren“, sagt sie. Dazu gehöre auch eine alte Standuhr. Allerdings habe sie sich an das Geräusch des Schlagens nie gewöhnen können: „Da habe ich die Pendel einfach abgestellt.“ Dass sie neben der Uhr in der Küche jetzt auch zwangsläufig über präzise Zeitangaben am Computer und am Telefon verfügt, ist der Lauf der Zeit. Darauf angewiesen ist Christel Fahrenhorst nicht. Gewöhnt hat sie sich auch noch nicht daran. Allerdings besitzt sie inzwischen eine Armbanduhr, die sie aber nur zu bestimmten Gelegenheiten anlegt: „Der Grund ist mein Enkel Theo“, sagt sie: „Ich trage die Uhr, wenn wir zusammen Zug fahren.“ Und danach wird der ungewohnte Chronometer am Handgelenk sofort abgelegt.

Christel Fahrenhorsts Leben ohne Uhr hat Schule gemacht: Weder ihre Tochter Edda noch ihr Sohn Axel tragen Armbanduhren.

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