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Mündersche Kripobeamte erkennen im Fernseh-Krimi aber nur wenige Parallelen zu ihrer Arbeit

Auch für den Polizisten-Feierabend: der Tatort

Bad Münder (jhr). 40 Jahre nach seiner Premiere ist der Kult-Krimi aus deutschen Haushalten nicht mehr wegzudenken: Die TV-Nation schaltet eben gerne ein, wenn zwischen Nordsee und Bodensee gemordet, gemeuchelt und gerätselt wird. Der „Tatort“, dessen Jubiläumsfolge morgen gesendet wird, gehört für viele fest zum Sonntagabend – und dann sitzen in Bad Münder auch echte Kommissare vor dem Bildschirm.

Aus deutschen Haushalten nicht mehr wegzudenken: der Vorspann zum Kult-Krimi Tatort.

„Das ist aber ganz klar eine Unterhaltungssendung und hat wenig mit der Realität zu tun“, macht Hauptkommissar Michael Rohde schnell deutlich. Kein Polizist würde erwarten, dass tatsächliche Polizeiarbeit abgebildet wird, wenn die Kommissare Thiel, Leitmayr, Schenk oder Ballauf ihre Ermittlungen beginnen. Tatsächliche Polizeiarbeit sei für gute 90-Minuten-Unterhaltung nämlich kaum geeignet: „Schreibtischarbeit, Aktenstudium, alles wird genau und minutiös dokumentiert – im Tatort sind die Kommissare ständig draußen und ermitteln vor sich hin, schreiben aber nie etwas auf“, schmunzelt Rohde.

Für den Leiter des münderschen Kriminalermittlungsdienstes, Jürgen Keller, sticht beim gelegentlichen Tatort-Schauen ein anderer Umstand heraus: „Da geht ein Kommissar los und löst einen Fall, vielleicht noch mal zusammen mit einem Kollegen – in der Realität besteht eine Mordkommission aber aus einem großen Team und entsprechender Teamarbeit. Da kommen schnell 20 oder 30, manchmal sogar 100 Kollegen zusammen und arbeiten gemeinsam an einem Fall.“

Ganz besonders weit von der tatsächlichen Ermittlungsarbeit entfernt präsentiert sich nach Ansicht der Kommissare ausgerechnet der Niedersachsen-Tatort: Als Kommissarin Charlotte Lindholm reist Maria Furtwängler im Auftrag des Landeskriminalamtes durchs Land und löst – quasi im Alleingang – Fall für Fall. „Das LKA wird durchaus in Ermittlungen einbezogen – allerdings geht es da meistens um kriminaltechnische Unterstützung und Sachverständigenwissen“, erklärt Keller. Im Fall eines Tötungsdeliktes werde vom Ersten Fachkommissariat des Zentralen Kriminaldienstes der Polizeiinspektion eine Mordkommission gebildet, der dann zumeist auch Kollegen aus den Kommissariaten angehörten – „schließlich ist Ortskenntnis und Wissen um das Umfeld von Opfer und Täter für die Ermittlung immens wichtig. In einer Vielzahl der Fälle stammt der Täter aus dem Umfeld des Opfers“, macht Keller deutlich.

Jürgen Keller
  • Jürgen Keller
Michael Rohde
  • Michael Rohde

Mit Schulterzucken reagieren Keller und Rohde auch auf die Frage nach ihrem Lieblings-Tatortermittler. Sympathiepunkte sammelt auch Jahre nach seiner Dienstzeit allerdings Horst Schimanski. „Das ist so weit von der Realität entfernt, dass es schon wieder richtig unterhaltsam ist. Der begeht in einer Sendung so viele Straftaten, dass es für ein ganzes Leben reicht“, lautet Rohdes Fazit.

Etwas Realitätsnahes finden die Ermittler dann aber doch am Tatort. „In letzter Zeit sind die Fernseh-Kommissare dazu übergegangen, nicht mehr den gesamten Tatort mit eigenen Spuren zu kontaminieren. Da werden jetzt auch schon mal Handschuhe getragen“, lacht Keller. Und noch ein anderer Aspekt deckt sich mit der Erfahrung der beiden Kommissare: Ein Tötungsdelikt hält sich nicht an Bürozeiten: Auch wenn mitten in der Nacht das Telefon klingelt, wird die Ermittlungs-Maschinerie in Gang gesetzt. Und dann sei an geregelten Feierabend häufig für lange Zeit nicht zu denken. „In einer Mordkommission arbeiten die Kollegen in der heißen Phase oft bis zu Erschöpfung.“

Und noch eine Parallele zwischen Tatort und realer Mordermittlung zieht Keller: „Im Krimi steht am Ende meistens der Täter fest – und so ist es auch bei uns. Die Aufklärungsquote bei Tötungsdelikten liegt fast bei hundert Prozent.“

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