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Schlager-Ikone Dieter Thomas Kuhn begeistert 5000 Schlagerfans auf der Gilde Parkbühne

Auch bei leichten Regenschauern sitzt die Föhnwelle

„Barfuß im Regen tanzen wir zu zweit und wir tanzen und tanzen und tanzen“ – wobei das Schwofen, Schunkeln und Singen bei einem Dieter-Thomas-Kuhn-Konzert natürlich auch nicht zu kurz kommt.

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20 Uhr, Kuhns Begleitmannschaft formiert sich auf der Bühne, der Countdown läuft – „Sechs, fünf, vier, drei, zwei, eins“ – der Opener „Musik ist Trumpf“ kündigt den feucht-fröhlichen Auftritt des Gute-Laune-Sängers an.

Noch sitzt bei leichtem Nieselregen die „Föhnwelle“ – und das wird sich auch den ganzen Abend nicht ändern, denn nur in regenfreien Zeiten betritt die Schlager-Ikone vorsichtig den Catwalk. Bunte Kostüme, schrille Perücken und ein Meer von Sonnenblumen bilden eine prächtige Kulisse für die Wiederbelebung des deutschen Schlagers, der mit „Sag mir quando, sag mir wann“, gefolgt von „Amigo Charlie Brown“ beginnt – Hannover im Schlager-Himmel.

Dann der Schock: „Es ist zwar schon etwas her, aber loswerden muss ich es einfach. Das Konzert stand ganz schön auf der Kippe. Ein Klappfahrrad und Flipflops – das geht irgendwie nicht zusammen. Einmal nicht aufgepasst und der Zeh war gebrochen. Glaubt mir, das tut sehr weh“, erklärt der 47-Jährige und erntet vom fassungslosen Publikum ein lang gezogenes Mitleids-Ooooh. „Dazu kam noch, dass ich mich heute mit meinem Manager gestritten habe – aber wir haben uns wieder vertragen“, flachst Kuhn und wünscht mit gleichem Atemzug den Fans einen Sonnabend „Voller Leidenschaft, Lust und Liebe“.

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Ja, Dieter, „Schön ist es, auf der Welt zu sein“ – wenn man dazu bei „Griechischer Wein“ noch ein Mädel im Arm hat, lässt es sich gut singen. Nein, das Keyboard hat keinen Totalausfall – dennoch halten viele Konzertbesucher mit offenem Mund inne, als Kuhns Tastendrücker beim Intro von „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ einen Ton fast eine Minute in die Länge zieht.

Die ersten Kuhn’schen Liebesbeweise fliegen in Form von Sonnenblumen und Plüschtieren auf die Bühne – ob sich darunter auch ein reiches Sortiment an Damenunterwäsche befindet entzieht, sich leider unserer Kenntnis.

„Du hast die Haare schön, du hast die Haare schön“, singen die Fans, während sich Kuhn mit verschmitztem Blick die „Matte“ glättet. Wie ein Paradiesvogel stolziert der Schlagersänger in seinem bunten Anzug über die Bühne, stimmt einen Evergreen nach dem anderen an.

„Die Sonne brannte so, als hätte sie’s gewusst – die Luft war flirrend heiß und um allein zu sein...“ – nun ja, so richtig passt der Text von „Es war Sommer“ nicht an diesem regnerischen Abend, denn „Unter den Wolken“ scheint halt nicht immer die Sonne.

Volle Kraft voraus heißt es, als der Massendompteur seine aktuelle Single „Das Model“ anstimmt. Mit Schlagermucke hat das eigentlich nichts mehr zu tun, denn die Gruppe Kraftwerk ist in den Siebzigern vor allem durch ihre Pionierarbeit auf dem Gebiet des Elektropop bekannt geworden. Ob die „Beatles der elektronischen Tanzmusik“ mit dieser Version anfreunden können, ist eher fraglich. „Auch von den anderen Originalinterpreten kommt kaum Feedback“, betont Kuhn immer wieder in Interviews. Schade eigentlich, denn dass man Kuhn mangelnden Einfallsreichtum vorwirft, stört ihn nicht. Sich an fremdem Liedergut bereichern, das tun viele, aber keiner mit so viel Hingabe und Humor wie er. Also, lieber Udo Jürgens, Reinhard Mey oder Jürgen Marcus – „take it easy“.

Kuhn dreht auf, der Regen leider auch – „Wunder gibt es immer wieder“ – wenn sie mit so viel musikalischen Überraschungen verbunden sind, freuen wir uns gerne über sie.

„Bad Münder olé“ – Hartmut (von links), „Paule“, Angelika und Bettina sind Stammgäste bei Dieter-Thomas-Kuhn-Konzerten in Hannover. Hintere Reihe: Jürgen und Birgit.

Einfach „Schlager-göttlich“ dieser Dieter Thomas Kuhn.

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