weather-image
17°
239 Mitarbeiter müssen gehen / Erste von drei Transfergesellschaften startet am 1. Mai

Ardagh-Glass: Die Kündigungen sind raus

Bad Münder (jhr). „Die ziehen uns einfach den Stecker raus. Das versteht keiner, das kann keiner verstehen.“ Wer derzeit Ardagh-Mitarbeiter nach der Stimmung in der münderschen Glashütte fragt, stößt auf Frust, Enttäuschung und Unsicherheit. In den vergangenen Tagen erhielten die Beschäftigten von Meistern und Abteilungsleitern Briefe in die Hand – in 239 Fällen die Mitteilung der betriebsbedingten Kündigung.

Keine Nachfrage: Selbst im Außenbereich des Ardagh-Geländes stap

Zuvor hatten Unternehmensführung und Betriebsrat über einen Interessenausgleich und die Liste der zu kündigenden Mitarbeiter verhandelt. Der bereits beim Übergang von Rexam auf Ardagh Glass im vergangenen Jahr verhandelte Rahmensozialplan bildet die Grundlage für das, was Gesamtbetriebsratsvorsitzender Hans-Georg Diekmann angesichts der abgewendeten Entwicklung noch als Erfolg sieht. Auch wenn, so Diekmann, „die Härte des Arbeitsplatzverlustes durch den besten Sozialplan nicht ausgeglichen werden kann.“ Der Betriebsratschef spricht von „besonders schmerzlichen Einschnitten in die Lebensplanung“, die durch die vom Konzern entschiedenen Maßnahmen für die Kollegen anstehen – sowohl für den Betriebsrat als auch die mündersche Werksleitung sei die Verhandlung des Interessensausgleichs und der Namensliste eine große Belastung gewesen.

Noch Anfang des Jahres habe die Ardagh-Konzernleitung den Standort Bad Münder insgesamt schließen wollen – alle 422 Mitarbeiter hätten ihre Jobs verloren, die Stadt ihren größten Arbeitgeber. Verhandelt wurde jetzt, dass 239 Mitarbeitern betriebsbedingt gekündigt wird, 165 nach der „Restrukturierung“ am Standort Bad Münder bleiben. Die zwölf Auszubildenden sollen ihre Ausbildung beenden können, 18 Mitarbeiter haben auslaufende Verträge oder gehen in Altersteilzeit.

Die erste Transfergesellschaft, in die die gekündigten Mitarbeiter überführt werden, soll am 1. Mai starten, weitere am 1. Juli und am 1. Oktober. Für jeweils zwölf Monate werden die Mitarbeiter dort qualifiziert, offene Stellen in anderen Unternehmensbereichen werden ihnen bereits jetzt angeboten. „Wer in die Gesellschaft eintritt, bekommt 100 Prozent seines letzten Gehalts, wobei alle tariflichen und übertariflichen Standteile, die regelmäßig gezahlten Zuschläge, Weihnachts- und Urlaubsgeld prozentual oder anteilig zur monatlichen Berechnungsgrundlage erklärt werden“, erläutert Diekmann. Nach dem Ausscheiden aus der Transfergesellschaft oder nach Beendigung der Kündigungsschutzfrist erhalten die Mitarbeiter eine Abfindungszahlung, die sich nach der Dauer der Betriebszugehörigkeit richtet.

Mit dem unterschiedlichen Beginn der Transfergesellschaften soll sichergestellt werden, dass die geplante Umstrukturierung am Standort Bad Münder auch geleistet werden kann. Schmelzwanne 4 ist bereits stillgelegt worden, Wanne 1 soll am 30. April folgen. Voraussichtlich im Juni wird – nach dem Umbau von Wanne 3 und den technischen Gegebenheiten – auch Wanne 2 stillgelegt. Wanne 3 soll mit drei Produktionslinien künftig als „Pharma-Wanne“ Behälter für die Pharma-Industrie erzeugen. Auch in Zukunft soll im Fünf-Schicht-System gearbeitet werden, kündigte Diekmann an.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare