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Akt mit Symbolcharakter: Keine Produktion mehr an Schmelzwanne vier / Nächste Schließung im April

Ardagh: Die erste Wanne wird abgelassen

Bad Münder (jhr). Das Ende von Wanne vier wurde gestern eingeläutet – unspektakulär, und doch ein Akt mit Symbolcharakter und gravierenden Folgen: In den kommenden Tagen wird das flüssige Glas kontrolliert aus der Wanne abfließen. Produziert wird nicht mehr, das Glas soll abkühlen.

Wilhelm Riebe

Reiner Brand, Geschäftsführer Ardagh Deutschland, bestätigte gestern auf NDZ-Nachfrage die Schließung der Schmelzwanne. Das Glas werde kontrolliert abgelassen. Damit besteht zumindest theoretisch die Möglichkeit, die Wanne bei Bedarf wieder anfahren zu können. „Rein technisch ist es möglich, die Anlage in fünf oder sieben Jahren wieder anzufahren. Wer kann schon so weit in die Zukunft sehen“, erklärt Brand. Hoffnungen will er jedoch nicht wecken. Zurzeit sei die Wiederinbetriebnahme aber nicht geplant, macht er deutlich. Die Anlage werde auch nicht grundsätzlich demontiert, lediglich Teile wie Prüfgerätschaften würden abgebaut, könnten aber bei Bedarf leicht wieder angebaut werden.

Ursprünglich war das Aus für die erste Schmelzwanne nach Bekanntwerden der dramatischen Einschnitte für die Glasproduktion in Bad Münder für Ende April angekündigt worden – dass der Schritt nun vorgezogen wurde, wird mit deutlichen Überkapazitäten am Standort Bad Münder begründet: Die Lager sind voll, insbesondere für Bierflaschen ist der Markt deutlich eingebrochen. Spürbare Auswirkungen der Wirtschaftskrise, die Verpackungsindustrie leidet unter den teilweise gravierenden Schwierigkeiten der großen Premium-Biermarken des Inbev-Konzerns (Beck’s, Hasseröder, Franziskaner) – besonders auf dem amerikanischen Markt.

Weitere Wannenschließungen sind nach Angaben Brands für April vorgesehen. Im Juni steht der Übergang zur weiteren Produktion im Pharma-Bereich an, dort soll mit einer Wanne und drei Produktionslinien gearbeitet werden.

Vermutlich noch in dieser Woche soll das Ergebnis der Interessenausgleichsverhandlungen zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung mitgeteilt werden – die Beschäftigten warten mit wachsender Unruhe: „Von uns weiß derzeit niemand, wie es weitergeht. Sollen wir uns bewerben? Wer hat eine Chance, weiter hier arbeiten zu können?“, fragt ein Ardagh-Mitarbeiter – namentlich will er nicht genannt werden.

Seine Kollegen nahmen gestern auf ihre Weise Abschied von Wanne vier: Sie trugen sie symbolisch zu Grabe. „In stiller Trauer nehmen wir Abschied von Dir. Du hast uns anfangs zur Weißglut gebracht, später gingen wir mit dir durch die grüne Hölle“, notierten sie auf einem Schild.

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