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Arbeitskreis Denkmalschutz sichtet Ergebnisse / Lob für Neubau in der Engen Straße: "Sehr gelungen"

Architektur als großes Thema im Abitur 2007

Rinteln (who). Für die zehn Ernestinum-Schüler des Leistungskurses Kunst ist Architektur ein Abiturthema. Über ein halbes Jahr lang haben sie sich darauf vorbereitet und sich neben avantgardistischen Gebäuden auch mit Bauten im Rintelner Altstadtbereich beschäftigt. Der Rintelner Arbeitskreis für Denkmalschutz hat sich bei seiner letzten Zusammenkunft in der Eulenburg über die Ergebnisse informiert.

"Auf Alt mach Neu": Auf dem alten Postgebäude an der Klosterstra

"Diesmal ist Architektur ein ganz großer Brocken im Zentralabitur", erklärte Theo Feldmann. Der Kunsterzieher und Obmann für Kunst und Werken hat den Kurs geleitet, zu dem Denkmalpfleger Dirk Eggers und Baudezernent Reinhold Koch von der Stadtverwaltung beratende Unterstützung zur Arbeitsaufgabe "Bauen im Bestand der Stadt Rinteln" geleistet hatten. Feldmann hatte die von ihm während der Herbstferien erstellte Präsentation bereits im historischen Saal des Rathauses gezeigt. Ein großer Teil des Kurses war auf die Betrachtung ausgefallener und auffälliger architektonischer Kreationen gerichtet, darunter die dekorativ-funktionalen Gebäude von Vertretern der Bauhaus-Schule in Weimar wie zum Beispiel der Deutsche Pavillon bei der Weltausstellung in Barcelona von 1929. Allein daran sei zu erkennen, so Feldmann: "Architektur lebt vom Inneren und Äußeren." Auch Umsetzungen der gewagten Werke des Architekten Frank O. Gehry mit ihren asymmetrischen Formen zählten zu den Betrachtungsobjekten der Abiturienten. Die Beispiele des "Gehry Tower" in Hannover und des Museums "MARTa" in Herford zeigen, dass moderne Architektur auch im deutschen Binnenland ihren Platz hat. Eine der Aufgaben der Abiturienten war es in diesem Zusammenhang, mit Materialien wie Ton und Karton anhand der Fotovorlagen oder nach eigener Phantasie die Anregungen selber in Formen umzusetzen. Theo Feldmann dazu: "Wenn ich die Natur nur noch per Mausklick am Computer regiere, nützt mir das nichts, die Schüler sollten die Objekte auch mal anfassen können und unter anderem spüren, Ton lässt sich riechen." Auch habe die Beschäftigung mit zeitgenössischen Architekten der Moderne gezeigt, wie sich heute auch die gewagtesten Planungen mit Hilfe neuartiger Baustoffe und Konstruktionsmöglichkeiten umsetzen ließen. Als ein Verbindungsglied der internationalen Architektur zur Altstadtbebauung im Weserstädtchen Rinteln dürfte das Stoffsche Haus auf dem Dingelstedtwall 43 gelten können. Der streng geometrisch-schlichte und doch ausgefallene Bau steht dazu in direkter Blickrichtung zum mittelalterlichen Stadtkern als reizvoller Kontrast. Die gewachsenen Häuserzeilen von Enger Straße, Brenner- und Bäckerstraße mit ihrer aneinander gereihten Vielfalt waren an sich schon eine wahre Fundgrube für weitere Betrachtungen. Die Kriterien dabei unter anderem: Wie harmonieren die einzelnen Häuser farblich und baulich miteinander und wie vertragen sich Neu- oder Umbauten mit den Forderungen des Denkmalschutzes? Dass sich Vorstellungen der heutigen Eigentümer durchaus mit dem Erhalt geschützter Objekte verbinden lassen, konnten die Abiturienten an dem Beispiel der altehrwürdigen Eulenburg mit dem ergänzenden modernen Neubau eines Treppenhauses erkennen, ebenso an dem aufgesetzten Glasdach mit seiner Stahlkonstruktion auf dem alten Postgebäude an der Klosterstraße. Manchmal ist nicht alt, was auf den ersten Blick so erscheint - das war eine andere Entdeckung der Gymnasiasten. Beispiel: Das Haus Nummer 32 in der Engen Straße. Das ursprüngliche Fachwerkhaus an dieser Stelle war nach einem Brand nicht mehr zu retten gewesen und ist inzwischen durch einen Neubau mit Fachwerkoptik in klassischer Zimmermannsarbeit ersetzt worden. Rintelns Denkmalpfleger Dirk Eggers dazu: "Der Eigentümer hätte eigentlich auch einen Bau mit völlig schlichter Fassade errichten können, wir haben ihm in dieser Hinsicht gar keine Vorgaben gemacht, da das alte Haus sowieso zerstört gewesen ist." Der Neubau an gleicher Stelle ist als "sehr gelungen" anzusehen, so das zufriedene Echo aus der Runde des Arbeitskreises Denkmalschutz, die interessiert der Präsentation des Lehrers gefolgt war.

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