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Schuldnerberatung: 189 Fälle in 2005 - Tendenz steigend

Arbeitslose tappen besonders häufig in die Schuldenfalle

Landkreis (wil). Eine deutlich ansteigende Tendenz privater Verschuldung im Schaumburger Land registriert die kreisweite Schuldnerberatungsstelle des Diakonischen Werks in Stadthagen. Arbeitslosigkeit sei dabei die häufigste Ursache, wenn Menschen in die Schuldenfalle geraten. Das hat Diakonie-Geschäftsführerin Marion Neuper-Horst anlässlich eines Besuches des CDU-Landtagsabgeordneten Friedel Pörtner bei der Schuldnerberatung mitgeteilt.

"Ich bin gerade in den vergangenen Tagen sehr aufgeschrecktüber die aktuelle Zahl von mehr als drei Millionen Verschuldeten bundesweit", erklärte Pörtner den Grund seines Besuchs. "Jedes siebte Kind in Niedersachsen wächst an der Armutsgrenze auf", fügte Neuper-Horst hinzu. Die Jahresstatistik der Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes in Stadthagen für das Jahr 2005 zeigt, dass auch Schaumburg betroffen ist. 189 Beratungsfälle verzeichnete die Beratung im Jahr 2005. Wahrscheinlich wird in diesem Jahr die 200er-Grenze erreicht. Das Klientel der Verschuldeten reicht von Jugendlichen bis Rentnern. Gläubiger sind meistens Banken, Versandhäuser, Dienstleister, aber auch Telekommunikationsanbieter. "Wir liegen hier in Schaumburg genau im Durchschnitt. Acht Prozent der Menschen sind verschuldet", sagte Pörtner. Seit 1990 wird die Schuldnerberatung der Diakonie kostenfrei angeboten. Heute sind die Mitarbeiter in den Feldern soziale Schuldnerberatung, Sozialberatung und Insolvenzberatung tätig. "Arbeitslosigkeit ist in der Hälfte der Fälle Grund für die Verschuldung, aber auch Scheidungen, Unterhaltsverpflichtungen, Krankheit und Unfälle", sagte Diplomsozialarbeiter Jürgen Edling, der nach mehr als 20-jähriger Tätigkeit aus dem aktiven Dienst im diakonischen Werk ausscheidet. Seine Arbeit in der Schuldnerberatung übernimmt die Diplom-Sozialarbeiterin Wiebke Peltzer. In der Beratung gehe es zunächst darum, wie die Schulden entstanden seien und um was für Schulden es sich handele, erklärte Peltzer. Dann wird ein Haushaltsplan erstellt und die Entschuldung ausgearbeitet. Wesentliches Ziel ist außerdem die Vorbeugung vor erneuter Verschuldung. Soziale Aspekte spielen in der Schuldnerberatung eine große Rolle. "Wir können schon beobachten, dass die Verschuldung psychische Auswirkungen hat", erklärte Peltzer. Häufig würden sich die Menschen am Rand des Existenzminimums befinden, sagte Neuper-Horst. "Deshalb ist die Beratung für uns auch eine ethische Frage." Die Unterstützungbei der Überwindung der sozialen und psychischen Folgen sei ein besonders wichtiger Punkt. Ein wichtiger Aspekt sei auch, so Edling, dass sich durch das Verbraucherinsolvenzverfahren einiges verbessert habe. "Da ist einiges für die Situation der Schuldner getan worden", sagte er. Die Nachfrage nach Beratung steigt dennoch. Inzwischen gibt es eine Warteliste. "Wir sind in der glücklichen Situation, integrierte Beratung in unserem Haus anbieten zu können", sagte die Leiterin und verwies auf das Angebot des Hauses (siehe "Fakten"). "Trotzdem können wir der Lage nicht Herr werden. Um das zu gewährleisten, müssten die Schuldnerberatungsstellen ausgebaut werden." Wünschenswert sei auch Prävention an Schulen, um junge Menschen, die sich durch Handy-Kosten immer früher verschuldeten, aufzuklären, so Neuper-Horst.

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