weather-image
22°
Ermittlungsgruppe der Krankenkassen vermutet Abrechnungsbetrügereien auch in Bad Münder

AOK spricht von „konkreten Verdachtsfällen“

Bad Münder (mf). Durch Falschabrechnungen im Gesundheitswesen entsteht den Krankenkassen jährlich ein Millionenschaden – die AOK Niedersachsen untersucht nach eigenen Angaben derzeit auch „mehrere konkrete Verdachtsfälle“ im Raum Bad Münder.


Wie Unternehmenssprecher Klaus Altmann gegenüber der Neuen Deister-Zeitung mitteilte, dauern die Ermittlungen noch an. Es handele sich aber keinesfalls um einen Einzelfall. Vielmehr sei eine Reihe sogenannter Leistungserbringer in Bad Münder und auch im benachbarten Springe betroffen. Konkrete Angaben wollte Altmann nicht machen – auch nicht, ob Krankenhäuser, Ärzte oder aber Vertreter anderer Heilberufe betroffen sind.

Ein Teil der Untersuchungen ist bereits abgeschlossen. Altmann zufolge sind in den Vorjahren bereits verschiedene Betrügereien am Deister aufgedeckt worden.

Um ihnen auf die Spur zu kommen, hatte die AOK gemeinsam mit anderen Krankenkassen eine eigene Untersuchungsgruppe ins Leben gerufen. Landesweit habe diese allein im Zeitraum 2008/09 871 Fälle von Leistungsmissbrauch festgestellt. „In 93 Fällen lagen nach den Erkenntnissen der Ermittler derart gravierende Verstöße gegen das Sozial-, Straf-, Berufs- oder sonstiges Recht vor, dass sie gleich Strafanzeige erstattet haben“, berichtet Altmann.

Teilweise hätten die Täter dabei eine nicht unerhebliche kriminelle Energie bewiesen, etwa bei Unterschriften- beziehungsweise Urkundenfälschungen oder dem Umgehen von Zulassungs- und Vertragsbestimmungen.

Deutlich öfter als früher habe man es auch mit vernetzten Strukturen „bis in den Bereich der organisierten Kriminalität“ zu tun, so der Sprecher.

Exemplarisch schildert Altmann einen Fall, bei dem überhöhte Mengen an sogenanntem Sprechstundenbedarf für Arztpraxen abgerechnet wurden. Dabei handelt es sich um Arznei- und Hilfsmittel, die im Praxisalltag für die sofortige Verwendung am Patienten eingesetzt werden. Ein Pharma-Lieferant habe zahlreichen Ärzten angeboten, ihnen im Gegenzug für die Verordnung überhöhter Mengen dieser Artikel teure Therapieliegen zu liefern oder bestimmte Dienstleistungen kostenlos zu erbringen.

In einem anderen Fall hat eine Hebamme der Krankenkasse Hausbesuche in Rechnung gestellt, die nie stattgefunden haben. Besonders krass auch der Fall, bei dem ein Arzt, ein Apotheker und eine Reihe Versicherter aus mehreren Familien Betrügereien verabredet hatten: Der Mediziner stellte Rezepte für Arzneimittel aus, die seine „Patienten“ aber weder benötigten noch bekamen. Stattdessen tauschte ein Mittelsmann die Verordnungen in der Apotheke gegen Geld und Waren. Erst der Hinweis eines unbeteiligten Familienmitglieds führte zur Aufklärung der Straftaten, die nach Angaben Altmanns allein hier zu einem Schaden von schätzungsweise 270 000 Euro geführt haben.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare