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Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Senior und Rechtsanwalt / Schläge mit der Hundeleine ins Gesicht

Anwalt gegen Rentner: Wer hat wen gepeitscht ?

Bückeburg/Eilsen. Am Morgen des 9. Oktober treffen sich Rentner Dieter P. und Rechtsanwalt Dietrich S. mit ihren Hunden im Englischen Garten in Bad Eilsen. Darüber ist man sich einig. Was dann geschieht, passt kaum in eine Welt: Beide behaupten, der andere habe grundlos zugeschlagen und sie mit der Hundeleine malträtiert. Beide haben Strafanzeige gestellt, die Staatsanwaltschaft ermittelt in beide Richtungen. Und: Beide haben einen Zeugen.

Autor:

Frank Werner

Der 69-jährige Dieter P. aus Bad Eilsen fühlt sich bisweilen zum Ordnungsdienst berufen, weist Hundehalter schon mal persönlich zurecht, wenn das Häufchen nicht in die dafür vorgesehene Tüte wandert. So auch am Morgen des 9. Oktober, als Dietrich S. mit seinem Riesenschnauzer unterwegs war. Es sei eine "Sauerei", wenn die Hinterlassenschaft nicht entsorgt werde, schnauzte P. den Anwalt an. Aber der habe ihn nicht ausreden lassen, sondern durch einen Faustschlag ins Gesicht unterbrochen, sagt P. Am Boden liegend, habe der Anwalt auf ihn eingetreten und ihn mit der Hundeleine mehrfach ins Gesicht geschlagen, so dass er wochenlang entstellt gewesen sei. "Leg Dich auf den Bauch, Du Schwein", habe S. gebrüllt und auch seinen Hund angespornt. Auf "Fass" reagierte der allerdings eher passiv. P. erhielt schließlich Hilfe eines Unbeteiligten, der den Vorfall vom Auto aus beobachtete und jetzt als Zeuge die Darstellung des Rentners stützen soll. Der Senior verfügt zudem über ein ärztliches Attest, das unter anderem Hautabschürfungen im gesamten Gesicht und Schwellungen an der Oberlippe bezeugt. Bei der Polizei hat P. sofort Strafanzeige gestellt. Wie später auch der Anwalt, der eine andere Geschichte erzählt. Sie handelt von körperlicher Misshandlung durch den Rentner. P. habe ihn ohne zu grüßen angesprochen und ihm dann unvermittelt die Hundeleine samt Karabinerhaken an den Kopf geschlagen, ihn bedroht, am Hemd festgehalten, gewürgt und fast gebissen. "Fletschende Zähne" hätten sich seiner linken Gesichtshälfte genähert und sie berührt. Er habe dem auf ihm liegenden Angreifer gerade noch entrinnen können. Als "nicht normal" im Kopf beschreibt S. den vermeintlich bissigen Rentner. Der Bückeburger Rechtsanwalt Stefan Diekmann indes, der den Senior vertritt und 1500 Euro Schmerzensgeld von S. fordert, hat die Einlassung der Gegenseite zunächst anders gelesen: "Bei den fletschenden Zähnen dachte ich, er meint seinen Hund." Dass der nicht sonderlich kräftige 69-Jährige den Anwalt in dieser Form angegangen haben soll, hält Diekmann für frei erfunden und verweist auf den "einzigen neutralen Zeugen". Nachdem der Anwalt dessen Anwesenheit bemerkt habe, sei er geflüchtet. Gegen seinen Berufskollegen erhebt Diekmann schwere Vorwürfe: "Für sein Verhalten fehlt mir jedes Verständnis, es diskreditiert den gesamten Berufsstand." Dietrich S. indes kann ebenfalls ein Attest vorweisen, und eine Zeugin: seine Ehefrau. Sie schildert gegenüber unserer Zeitung, wie sie vom Fenster ihrer Bad Eilser Wohnung aus gesehen habe, wie P. mit der Hundeleine ausgeholt und ihren Mann geschlagen habe. Der sei in der Folgezeit arbeitsunfähig gewesen. Überhaupt sei P. ein eher unverträglicher Zeitgenosse: Auch sie selbst sei von ihm im Sommer vorigen Jahres "unflätig" auf das Thema Hundekot angesprochen worden. Jetzt allerdings, nach dem Zwischenfall, habe sich dieses Problem erledigt.

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