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Emotionale außerordentliche Hauptversammlung der Neschen AG / VVG kündet Klage an

An Rolf W. Zinn entzündet sich die Kritik

Bückeburg / Hannover. Es wogte hin und her auf der außerordentlichen Hauptversammlung der Neschen AG im Congress-Zentrum in Hannover: Auf der einen Seite standen Aufsichtsrat, Vorstand, wichtige Groß- sowie einige Kleinaktionäre; auf der anderen Seite die Vermögensverwaltung Erben Dr. Karl Goldschmidt GmbH (VVG), die für ihren Antrag auf Einsetzung eines Sonderprüfers Unterstützung von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapiere und anderen Kleinaktionären erhielt.

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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite

Am Ende nutzten alle Argumente nichts: Lediglich 37,65 Prozent der Stimmrechtshalter folgten dem Antrag, der damit abgelehnt war. Es nutzte auch nichts, dass Rolf W. Zinn, Ex-Vorstand und derzeitig Aufsichtsratsmitglied auf die Ausübung seines Stimmrechtsanteils auf seine Aktienpaket von 9,8 Prozent verzichtet hatte, seine Ehefrau mit ihrem 13,23-prozentigen Anteil an der Neschen AG übrigens nicht. An der Person Rolf W. Zinns hatte sich gleich zu Beginn der Versammlung die Kritik entzündet. Er war nicht anwesend, sondern aus "dringenden terminlichen Gründen" verhindert, wie der neue Aufsichtsratsvorsitzende Hanswerner Feusser verkündete: Buh-Rufe in der gut besuchten Versammlung. Wenig später stand Zinn senior erneut im Mittelpunkt, als es um Beraterverträge ging, die ihm - als Aufsichtsrat - zusätzlich bis zu 37 000 Euro jährlich Geld aufs Konto gespült haben. Alles rechtens, die Verträge seien eingehend kontrolliert und abgesegnet worden, die ausgeführte Tätigkeit mehrfach schriftlich und mündlich berichtet worden, so der Aufsichtsratsvorsitzende. Auch mit der Bemängelung ungeplanter Aufwendungen und ihrer Bilanzierung, der Abschreibungen auf Maschinen, Entwicklungsprojekten oder Vorratsvermögen, zu denen die VVG einen umfangreichen Fragenkatalog vorgelegt hatte, biss der Großaktionär auf Granit. Einzeln listete Vorstandssprecher Stefan Zinn die dahinter stehenden Geschäftsvorgänge auf, stellte die unternehmerischen Entscheidungen dar. "Das Unternehmen steht nicht am Abgrund", konterte er entsprechende Vorwürfe auch im Hinblick auf die Kritik einzelner Aktionäre, dass das Unternehmen seit Jahren immer wieder gute Ergebnisse ankündige, und dann rote Zahlen präsentiere. Mehrfach wurde der VVG vorgehalten, dass sie die Sonderprüfung nur beantragt habe, um Kenntnisse über das Unternehmen für einen schwelenden Rechtsstreit zwischen der "Privatperson" Rolf W. Zinn und ihr zu erhalten. Beim Einstieg der VVG bei der Neschen AG im Februar 2004 waren ihr von Zinn Garantien für die Übertretung von Aktien gewährt worden, die dieser nun nach Auslaufen von Verträgen zurückfordert, die die VVG aber nicht zurückgeben will, wie es am Rande der Versammlung hieß. "Das hat alles nichts mit dem Unternehmen zu tun und schadet unserem Image", stellten Vorstand und Aufsichtsrat klar. Erstmals trat auch ein Sprecher der neuen Investoren ans Rednerpult, Senior Managing Direktor Joachim Koolmann von der US-Investmentbank "Bear Stearns", der sich als "Heuschrecke" titulieren lassen musste. "Die Neschen AG ist restrukturierungsfähig und -würdig, wir glauben an das Unternehmen", gab er zu Protokoll. Es gebe "Baustellen" wie die USA, England oder die Auslastung der Maschinen. "Wir haben uns vorgenommen, dass Unternehmen intensiv zu begleiten und zu unterstützen." Das Thema Sonderprüfung dürfte für die Neschen AG noch nicht ausgestanden sein. Am Abend kündigte die VVG in einer Pressemeldung an, dass sie sich durch das Stimmverhalten der Aktionäre in ihrer Überzeugung der Notwendigkeit einer Sonderprüfung bestärkt sehe und nun den Rechtsweg beschreiten wird.

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