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Alle Festtagsschichten der Telefonseelsorge Ostwestfalen sind mit ausreichend Mitarbeitern besetzt

An den Feiertagen ein offenes Ohr - am Telefon

Bückeburg/Minden. Kurz vor Weihnachten: "Driving home for Christmas" oder "Süßer die Glocken nie klingen" - so tönt es je nach Sender aus dem Radio. Doch längst nicht alle sind schon weihnachtlich gestimmt. Das erfahren zumindest die Mitarbeitenden der Telefonseelsorge Ostwestfalen. Viele Anrufende, die jetzt die Nummer der Telefonseelsorge wählen, gehen mit Sorge aufdie Weihnachtstage zu.

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Zum Beispiel eineältere Anruferin, die Angst hat vor dem Fest. Sie ist seit einigen Jahren Witwe. Sie hätte gern alle Kinder und Enkel um sich. Aber die haben ihre eigenen Pläne. Die einen wollen verreisen. Die anderen müssen arbeiten und können auch erst am zweiten Feiertag kommen. Und auch eine jüngere Anruferin fürchtet sich vor dem Fest. Dieses Jahr ist sie zum ersten Mal ohne den Mann und Vater der Kinder. Im September haben sie sich getrennt. Für Pfarrerin Petra Henning, Leiterin der Telefonseelsorge, sind diese Sorgen nicht neu: "An den Feiertagen spüren viele Menschen ihre Einsamkeit besonders deutlich. Viele der Anrufenden sind auch sonst oft allein, aber an den Feiertagen wird dies noch fühlbarer. Dann haben auch die Freunde oft keine Zeit, die üblichen Aktivitäten ruhen." Da ist es gut, dass die Telefonseelsorge - wie auch sonst - rund um die Uhr erreichbar ist. "Manchmal hilft ein kurzes Erzählen vom Tag, dass jemand sich nicht mehr so allein fühlt, in anderen Gesprächen geht es auch schon mal um die Gestaltung der Feiertage", berichtet Pfarrerin Petra Ottensmeyer, hauptamtliche Mitarbeiterin in der Telefonseelsorge Ostwestfalen. Zusammen mit den Anrufenden wird überlegt, wie die Tage gestaltet werden können. Ein anderes Mal hilft die Veränderung des Blickwinkels: Nicht nur zu denken "Ich bin allein", sondern "Ich bin mit mir." Nicht nur das Alleinsein beschäftigt die Anrufenden. Auch die Menschen melden sich, denen alles zu viel wird. "Ich weiß gar nicht, wie ich das alles schaffen soll. Das Haus schön herrichten, die Einkäufe, das Essen vorbereiten ... Am Heiligabend kommen die Kinder, und ich muss selbst noch bis 14 Uhr arbeiten." So oder ähnlich hören es die Telefonseelsorgerinnen. "Manchmal sind zu den Feiertagen die Erwartungen einfach zu hoch, die Sehnsucht ist zu groß", berichtet Frau Ottensmeyer. "Alles soll perfekt sein. Harmonisch. Das führt schnell zu Überforderung oder Erschöpfung." "Wichtig kann es sein, frühzeitig die unterschiedlichen Bedürfnisse abzustimmen. Auch wenn Weihnachten ist, müssen nicht alle alles gemeinsam machen", regen die Mitarbeitenden schon vor dem Fest an. Natürlich verschwinden die Sorgen durch die telefonische Begleitung nicht einfach. Den Streit kann die Telefonseelsorge nicht ungeschehen machen und auch nicht die Einsamkeit wegnehmen. Aber oft hilft es schon, mit den Sorgen nicht ganz allein zu sein, sie mitteilen zu können. Und manchmal kann auchein erster Schritt gefunden werden auf dem Weg, der aus der Not herausführt. Für die unterschiedlichen Anliegen und Nöte nehmen sich die Telefonseelsorger auch an den Feiertagen Zeit. Pfarrerin Ottensmeyer, die für den Dienstplan zuständig ist, freut sich, dass die Festtagsschichten auch in diesem Jahr alle belegt sind. "Mit Engagement setzten sich die Ehrenamtlichen ein. Das ist schon enorm", sagt sie. 14 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben sich in den Dienstplan über Weihnachten eingetragen. Wie viele Anrufe es in diesem Jahr geben wird, lässt sich natürlich nicht im Vorhinein sagen. Der Telefonseelsorge ist es wichtig, das Angebot bereitzuhalten - auch zu den Feiertagen, ist es doch eine grundlegende Aufgabe von Seelsorge, Menschen in ihren Nöten zu begleiten, gerade an Weihnachten. Kontakt: Die Telefonseelsorge ist Tag und Nacht - auch an allen Weihnachtsfeiertagen und zum Jahreswechsel - für Anrufer kostenfrei zu erreichen unter der Rufnummer (08 00) 111 0 111

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