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Werkschau in Warber zeigt große Bandbreite / Von Eisen bis Papier

Amboss, Pinsel und Computer: Künstlern ist jedes Werkzeug recht

Warber (mig). Trotz der Hitze ließen sich etliche Schaumburger am Wochenende einen kulturellen Leckerbissen nicht entgehen: Das zweite Künstlerfest in Warber bot regionalen Kunstschaffenden die Möglichkeit ihre Werke an den Mann - und die Frau - zu bringen.

Metallgestalter Dieter Stahlhut, auf dessen Grundstück das Fest

Aus der verräucherten alten Schmiede ist lautes Hämmern zu hören. Metallgestalter Dieter Stahlhut, auf dessen Grund und Boden das Fest stattfindet, biegt das Eisen in gewundene Formen. Obwohl das Thermometer draußen knapp 35 Grad Celsius misst, hat er für die Besucher das Schmiedefeuer entfacht. Die Kinder bestaunen derweil die filigranen Eidechsen und Spinnen, die der Künstler geformt hat. Andere Arbeiten - schmiedeeiserne Tore, Lampen - erinnern an Jugenstil, sind sehr ornamental. Seine sechsjährige Tochter Linn aber ist im Augenblick viel zu beschäftigt, um ihrem Vater bei der Arbeit des Kunst-Schaffens zuzuschauen. Sie hat selbst einen kleinen "Stand" auf der "Kunstmesse". Ihre schönen Bilder mit Titeln wie "Muhhh" verkaufen sich nach ihrer Aussage gut. Neben naiver Malerei findet sich in Warber auch fast jede andere Form der Kunst-Produktion. Fotografie, Installationen, Kohlezeichnungen - die Bandbreite ist groß. Für jeden Geldbeutel und jeden Kunst-Geschmack ist etwas dabei. "Das ganze hier soll für die Künstler auch Werbung sein," erläutert Dieter Stahlhut. "Außerdem kann man so zeigen, was man gemacht hat," ergänzt Anka Knechtel. Im Vergleich zu 2005 sind einige Aussteller neu hinzugekommen. Knechtel: "Das ergibt eine größere Vielfalt." Die Bandbreite ist wirklich erstaunlich. Eher kunsthandwerklich arbeitet beispielsweise Alex Bellendir aus Obernkirchen. Alle Stücke sind Unikate, seine Philosophie: "Die Form steckt schon im Holz." Auch die Keramik-Stücke von Detlev Bonorden aus Stadthagen gehen in diese Richtung. Seine Tee-Services scheinen inspiriert von fernöstlicher Töpfer-Kunst. Die Bückeburgerin Melanie Thiem, die auch für die Werbung verantwortlich war, stellt Layout-Beispiele aus. Die computerbearbeiteten Abzüge von Herbert Busch sind ein gutes Beispiel für das künstlerische Potential der digitalen Fotografie. Busch hat mehrere Bildbausteine übereinander gelegt, ineinander montiert. Klaus Kinski oder Keith Richards sehen aus wie Waldgeister, ihre Köpfe verschwimmen mit der Rinde von Bäumen. Das Zerknitterte von Haut und Rinde unterstreicht die gelebte Erfahrung der beiden. Ebenfalls mit Fotografien vertreten ist Heiko Knechtel aus Meinsen. Seine Fotos, unterstützt von Lyrik, zeigen beispielsweise viele Füße, die auf einem lang gezogenen Piedestal in einer Reihe stehen. Geheimnisvoll: Wie sehen die Leute aus, deren untere Extremitäten man hier sieht? Sein Bruder Björn Knechtel ist eher avantgardistisch: Aufgezogen auf Pappe sind Fotos zu sehen, die verstören, aufschrecken sollen. Eine Auswahl Sexspielzeug, der abgetrennte Kopf einer Barbiepuppe, ein Mann im Halbdunkel mit Engelsflügeln. Die Bilder erzählen vom Großstadtalltag des Berliners. Eine andere Form wählt Anka Knechtel. Von der Meinserin sind Bilder, Skulpturen und eine Installation zu sehen. Auch sie legt ihr Augenmerk auf Fundstücke. Beispielsweise ein Eichenbruchstück aus dem Schaumburger Wald. Knechtel fand dieses merkwürdig geschliffen und gedrechselt aussehende Stück nach einem Sturm. Stärken konnten sich die Besucher nach dem Kunst-Genuss bei der "Feuerküche". Heiko Knechtel rührte über einem Dreifuß scharf Gewürztes zusammen. Außerdem gab es Bio-Wein von Bernhard Sinn.

Auch Linn, die Tochter von Dieter Stahlhut, stellte ihre Bilder
  • Auch Linn, die Tochter von Dieter Stahlhut, stellte ihre Bilder aus. Fotos: mig
Drechsler Alex Bellendir arbeitet mit Holz in jeder Form und Far
  • Drechsler Alex Bellendir arbeitet mit Holz in jeder Form und Farbe.
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