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Öffis kappen Busverbindung: Ab Freitagabend sind Nienstedter ohne Auto aufgeschmissen

„Am Wochenende kommt man hier nicht weg“

Nienstedt (mf). „Die Perle am Deister“ – das idyllisch gelegene Nienstedt ist für seine traumhafte Wohnlage bekannt. Doch wer kein eigenes Auto hat oder aus anderen Gründen auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, bekommt zunehmend Probleme. An den Wochenenden gibt es keine einzige Busverbindung mehr. Im Dorf sorgt das für Verärgerung.

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Ann-Christine und Ann-Kathrin Pöhler besuchen die zwölfte Klasse der Elisabeth-Selbert-Schule in Hameln. Demnächst stehen Klausuren an – und zwar ausnahmsweise an einem Sonnabend. Unter der Woche nehmen die beiden Schwestern für die knapp 30 Kilometer lange Strecke täglich den Bus. Doch am Wochenende ist das nicht möglich. Denn seit Kurzem wird ihr Heimatort sonnabends von den Öffis gar nicht mehr angefahren.

Ein Anrecht auf Schülerbeförderung durch den Landkreis Hameln-Pyrmont haben Jungen und Mädchen nur bis zur zehnten Klasse. „Andererseits besteht für meine Töchter eine Schulpflicht“, ereifert sich Andreas Pöhler, der Vater von Ann-Christine und Ann-Kathrin.

In einem Brief an den Landkreis haben er und seine Frau Eileen ihren Unmut zum Ausdruck gebracht. Die Busanbindung sei in den vergangenen Jahren immer schlechter geworden, beklagt die Familie aus Nienstedt. Im Winter vor zwei Jahren habe eine ganze Woche der Schulbus nicht verkehrt. Weil es zudem regelmäßig zu Verspätungen komme, würden ihre drei Kinder häufig die Anschlussverbindung ab Eimbeckhausen verpassen, weil die Fahrer nicht warteten.

Öffi-Sprecherin Astrid Reinbach bestätigte auf Anfrage, dass das kreiseigene Unternehmen mit dem Fahrplanwechsel am 1. September die Sonnabend-Verbindung nach Nienstedt eingestellt hat. Zu unwirtschaftlich sei die Linie gewesen. „Maximal zwei Fahrgäste“ habe eine Zählung ergeben, „und ganz oft saß niemand im Bus“, sagt Reinbach.

„Natürlich haben wir Verständnis für wirtschaftliche Aspekte“, entgegnet Eileen Pöhler. „Aber wir stehen auf verlorenem Posten – man kommt hier am Wochenende einfach nicht mehr weg.“ Ein Problem sei dies nicht nur für Familien mit Kindern, sondern vor allem auch für die vielen älteren Einwohner. Wer nicht mehr mobil ist, sei ab Freitagabend von der Außenwelt praktisch abgeschnitten – zumal dann auch in Richtung Barsinghausen kein Bus mehr fahre.

Geärgert hat Familie Pöhler nach eigenen Worten auch die Reaktion eines Landkreis-Mitarbeiters. Die Kinder könnten ja das Fahrrad nehmen, habe der geraten. „Völlig absurd bei der Strecke, gerade im Winterhalbjahr“, meint Eileen Pöhler kopfschüttelnd.

Ortsbürgermeister Karl-Wilhelm Baule hat großes Verständnis für die Sorgen. Natürlich müssten der Landkreis beziehungsweise die Öffis kaufmännisch agieren. „Doch der Ort darf auch nicht abgeschnitten werden.“ In den vergangenen Jahren habe man erfolgreich neue Familien in Nienstedt angesiedelt. „Da ist das mit den Bussen nun absolut kontraproduktiv“, sagt Baule. Nachdem vor Kurzem der kleine Lebensmittelladen dicht gemacht habe, drohe Nienstedt an Attraktivität zu verlieren. „Möglicherweise lässt sich die Idee des Anruf-Sammeltaxis wieder beleben“, hofft Baule. In jedem Fall müsse eine Lösung her.

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