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Jan-Frederic Wömpner macht Wiesen-Wallach wettkampftauglich / Erfolge zum Anfang einer Karriere im Springsport

Alter "Zosse" und junger Mann starten Erfolgsgeschichte

Evesen (bus). Man könnte meinen, hier würde ein Märchen erzählt: Ein - perdono, Signore Palazzo - "Zosse", dem neun Jahre seines Lebens kein Reitsattel aufgelegt wurde, weckt Interesse und Vertrauen eines jungen Mannes und trägt diesen forthin zu großen Erfolgen. Indes ist die Geschichte wahr: Bei "Palazzo" handelt es sich um einen heute elfjährigen Wallach der Gattung "Westfale", der junge Mann ist Jan-Frederic Wömpner (heute 21 Jahre alt), der gemeinsam mit seinem Lieblingspferd zu großen Sprüngen ansetzt.

Der (nochmals pardon) "Gaul" war im November 2004 eigentlich als Schulpferd von den Vorgesetzten des im münsterländischen Warendorf seinen Zivildienst ableistenden geborenen Meinsers gekauft worden. Der hatte schnell erkannt, dass der Braune "viel zu mächtig für die Arbeit mit Kindern" war. 1,81 Meter Stockmaß sind selbst unter groß gewachsenen Pferden kein Pappenstiel. Der Primero-Sohn stellte unterdessen bereits beim ersten Anreiten auffallendes Geschick unter Beweis. "Viel Talent, viel Vermögen und viel Herz", fasst Wömpner die herausragenden Eigenschaften seines Sportkameraden in Worte. Ohne Frage sei Palazzo das beste Pferd in seinem Stall. Wömpner, der sich im Anschluss an den Zivildienst selbstständig gemacht hat und gegenwärtig neun Pferde betreut, ist Mitglied der Turniergemeinschaft Schaumburg (TGS). Deren Vorstandsmitglieder Dörte Begenat und Elfi-Elke Scheffler sind von dem jung/alten Paar rundweg begeistert. Bemerkenswerte Platzierungen beim S-Springen des Euro-Regio-Turniers in Isterberg und während der niedersächsischen Landesmeisterschaften im Reiterstadion Hannover-Vahrenheide hätten auch die Fachwelt aufhorchen lassen. "Jan-Frederic und Palazzo werden durchstarten", zeigt sich das Führungsduo des unter Eveser Postadresse firmierenden Vereins überzeugt. "Ohne den Wechsel ins Mekka des Reitsports wäre mir der Fortschritt wohl nicht gelungen", schätzt Wömpner, in dessen Erfolgsstatistik für das Jahr 2001 eine Europameisterschaftsqualifikation im Modernen Fünfkampf vermerkt ist. Der Vielseitigkeit hat der Abiturient des Bückeburger Adolfinums, der in jungen Jahren für den Reiterverein Ahnsen an den Start ging, und zukünftige Student der Landwirtschaft (Schwerpunkt Pferdemanagement) mittlerweile völlig Adieu gesagt. "Ich konzentriere mich voll auf das Springreiten und versuche, in diesem Metier selbstständig mein Auskommen zu erwirtschaften", sagt der ehrgeizige junge Mann. Sich diesen Sport ohne Sponsoren zu ermöglichen, sei nur durch viel Fleiß und enormen Aufwand möglich, erläutern die TGS-Vorstandsfrauen. Dem demnächst anstehenden Sprung in den Seniorenbereich sehen alle drei dank Senior Palazzo relativ gelassen entgegen. Der Primero-Sohn stelle ohne Frage einen Glücksfall dar, gesteht Wömpner ein. Mit den Erfolgen ginge indes auch eine Steigerung der Bekanntheit und der Kontaktmöglichkeiten einher. Dennoch bleibt er auf dem Teppich und beantwortet die Frage nach "Träumen" mit "eigentlich konkret keine". Das müsse sich "Stück für Stück" entwickeln und könne von zahlreichen Unwägbarkeiten über den Haufen geworfen werden. Nicht unwägbar ist jedoch, dass Palazzo unverkäuflich ist.. Und hinsichtlich "Stück für Stück" kommt der junge Springreiter auf eine siebenjährige Stute zu sprechen, deren mutmaßlicher Erfolgsgeschichte der Satz "Man könnte meinen, hier würde ein Märchen erzählt" voranzustellen wäre.

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