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Stadthagen: 650 bei Wiedersehens-Party zu Weihnachten / Schulabgänger "fliehen" aus Schaumburg

Alte Freunde feiern in der "Alten Polizei"

Landkreis (jf). Ausgelassen haben am ersten Weihnachtsfeiertag mehr als 600 Gäste bei der "Alle-Jahre-Wieder-(sehens)"-Party in der "Alten Polizei" in Stadthagen gefeiert. Bis vier Uhr tanzten die jungen Menschen bei der inzwischen traditionelle n Feier.

Verena Müller (18).

Viele Jugendliche, die ihre Ausbildung abgeschlossen haben, verlassen den Landkreis. Manche gehen ins Ausland, andere zumindest in größere Städte. Gute Musik vom DJ-Team und eine schöne Stimmung luden nicht nur die "Weihnachtsheimkehrer" zum Feiern und zu Begegnungen mit alten Freunden ein. Laut Veranstalter besuchten rund 650 Menschen die Party in den Räumen der "Alten Polizei". Wie jedes Jahr waren die Karten nach kurzer Zeit ausverkauft. Das Wiedersehen am ersten Weihnachtsfeiertag ist seit 1990 zum festen Bestandteil im Terminkalender derer geworden, die aus Schaumburg "ausgewandert" sind. Viele junge Schaumburger zieht es in die Metropolen -nicht nur wegen den vermeintlich besseren Partys. Julia Markowski (21) studierte Medizin in Polen. Die ehemalige Wendthägerin zieht es nicht zurück nach Schaumburg. "Hier ist einfach zu wenig los." Zudem seien die beruflichen Chancen in ihrer alten Heimat nicht gegeben, so die ehemalige Schülerin des Wilhelm-Busch-Gymnasiums. Verena Müller (18) aus Stadthagen studiert seit anderthalb Jahren in Hannover Modedesign. Auch sie zieht es von hier weg, denn sie sehnt sich nach einer größeren und vor allem kulturell interessanteren Stadt. Vor allem negative berufliche Aussichten erleichtern vielen die Entscheidung, nicht in den Landkreis zurückzukehren. Julian Fließ (22) studiert zurzeit in Osnabrück Betriebswirtschaft und Management. Ihm mangelt es in Schaumburg an Unternehmen. "Ich bin ausgewandert", sagt Julian Lindhorst (21), der in Amsterdam Soziologie studiert. "Ich wüsste nicht, was mich nach Deutschland ziehen sollte", sagt der ehemalige Hagenburger, der 2006 sein Abitur in Stadthagen bestanden hat. Gegen Schaumburg als Wohnort hat der junge Mann nichts einzuwenden, doch die Studien-Situation in den Niederlanden sei unschlagbar. Es sei sehr leicht mit der Sprache in den Niederlanden zurechtzukommen, die Arbeits- sowie die Studienbedingungen seien besser. Auch Thomas Abel (18) aus Wiedensahl möchte Schaumburg den Rücken kehren. Nach seiner Ausbildung zum Industriemechaniker will er umziehen. Auch der ehemalige Probsthäger Stefan Mensching (24) möchte von Schaumburg nichts mehr wissen. Er studiert Kunst und Philosophie in Münster und plant keine Rückkehr. Lola Klenke (21) zog zum Studieren nach Erlangen. Die ehemalige Sülbeckerin plant keine Rückkehr. Außer Weihnachten zur Familie möchte sie nicht mehr zurück. Auch Daniel Kaller (21) möchte nach seinem Studium in Berlin nicht zurück nach Stadthagen. Als Entwicklungshelfer sieht er in Schaumburg keine Zukunft - so zurückgeblieben sei der Kreis nun auch nicht, meint er lächelnd. Der ehemalige Stadthäger Paul Busse (21) studiert in Osnabrück Jura und hat nicht vor, zurück nach Schaumburg zu kommen. Hier fehle es an Industrie. Als "Dorfkind" sieht sich hingegen Bettina Müller (25) aus Pollhagen. Sie arbeitet im Kindergarten in Helpsen nach der Ausbildung zur Erzieherin in Rinteln und fühlt eine gewisse Verbundenheit mit ihrer Heimat. Eleonora Bargenda (22) aus Rinteln steckt mitten in ihrer Ausbildung zur Ergotherapeutin in Rinteln. Wenn sie eine Stelle findet, möchte sie ebenfalls im Landkreis bleiben. Auch Markus Reh (23), der im Außendienst arbeitet und momentan ein Fernstudium absolviert, und möchte fürs Erste hier bleiben.

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