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Als Frau in die „Chefetage“ der Fatih Moschee gerückt

Moschee

Hameln (amg). Vor 19 Jahren kam Gürsel Ansal nach Hameln, und genauso lange engagiert sich die gebürtige Türkin in der Türkisch Islamischen Gemeinde am Thiewall. Bislang allerdings agierten Frauen dort nur im Hintergrund und ohne offizielles Mitspracherecht – nun aber liegen Entscheidungen nicht mehr allein in Männerhand: Denn mit der 49-Jährigen wurde erstmals in der Geschichte der 1988 in Hameln eröffneten Fatih Moschee eine Frau in den Vorstand gewählt.
Frauen, an verantwortlicher Stelle in Moschee-Vereinen tätig – das ist durchaus etwas Besonderes, und eine noch größere Seltenheit ist es, wenn diese an der Spitze stehen: Nach Auskunft von Yasin Akbas, Dialogbeauftragter der Hamelner Fatih Moschee, gibt es bundesweit überhaupt erst seit vergangenem Jahr nur eine Frau als erste Vorsitzende. Doch der Trend sei eindeutig: Die weiblichen Gemeindemitglieder dringen zunehmend in die „Chefetage“ vor – nicht zuletzt wohl auch auf Empfehlung des Dachverbandes der DITIB (Dachverband Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religionen e.V.), dem die Fatih Moschee angehört.
Auch Gürsel Ansal zählt sich zu diesen Frauen, die mitentscheiden wollen, die aktiv mitarbeiten und in der Gesellschaft Verantwortung übernehmen wollen. „Ich setze mich sehr dafür ein, dass Frauen in den Vorstand kommen, und gerne hätte ich Gürsel Ansal als erste Vorsitzende gesehen“, sagt Yasin Akbas, räumt jedoch ein, dass dieser Schritt vielleicht doch ein Sprung ins kalte Wasser gewesen wäre. „Es ist sinnvoll, dass sie erst einmal die notwendige Erfahrung in der Vereinsarbeit sammelt“, erklärt Akbas, während Gürsel Ansal zuhört. Nicht, dass sie nichts zu sagen hätte, ganz im Gegenteil. Sie erzählt über sich und ihre ehrenamtliche Arbeit im Moscheeverein, über ihr Bemühen, gerade der jüngeren Generation die Wurzeln, die Kultur und die Religion ihres Herkunftslandes nahezubringen, über Veranstaltungen innerhalb der Gemeinde, die auch nach außen getragen würden. Stolz sei sie darauf, dass sie so viel Vertrauen in der Gemeinde genieße, sagt die Frau mit der getönten Brille und dem Kopftuch. Dann aber, und das passiert immer wieder im Laufe des Gesprächs, fehlen ihr die Worte – die deutschen Worte – um sich mitzuteilen: Nahtlos geht sie ins Türkische über, Yasin Akbas übersetzt.
Als Sprachrohr der Frauengruppen stelle Gürsel Ansal jetzt den direkten Draht zu dem Vorstand her. Neben dem Dialog untereinander solle auch die Kommunikation mit der Öffentlichkeit verstärkt werden. Gürsel Ansal, fügt Yasin Akbas ein, sei nicht einfach so hineingerutscht in diesen Vorstands-Job. Vielmehr sei es eine bewusste Entscheidung gewesen, eine Frau mit ins Boot zu holen. Und an der Quote lasse sich eine liberale Einstellung geradezu ablesen: Insgesamt 14 Kandidaten haben sich aufstellen lassen, wobei mehr als die Hälfte der 120 Stimmen auf die einzige Frau unter den Bewerbern gefallen ist.

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