weather-image
Landwirte konkurrieren zunehmend mit Investoren aus anderen Bereichen

Ackerpreise im Höhenflug

Bad Münder. Eurokrise, historisch niedrige Zinsen, Angst vor Geldentwertung – solche Beweggründe treiben Anleger zu Grund und Boden und damit gleichzeitig die Preise. Gerade erst beschäftigten sich Wirtschaftsministerium und Landwirtschaftsministerium mit den „explodierenden“ Bodenpreisen im Land, heimische Landwirte beobachten die Entwicklung bereits seit längerer Zeit skeptisch.

270_008_7771007_Preise_Ackerland_120_4.jpg
Jens

Autor

Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

„Es gibt mit zunehmend Interessenten aus dem nichtlandwirtschaftlichen Bereich“, hat Kreislandwirt Karl-Friedrich Meyer festgestellt. Und bei den Interessenten handele es sich keineswegs nur um Spekulanten, sondern um Bieter, die in Ackerland höhere Ertragschancen für ihr Erspartes sehen als bei der Anlageform Sparbuch. Auch wegen Sorge vor einer Geldentwertung gewinne die Geldanlage in Sachwerte erheblich an Bedeutung. „Wir Landwirte sehen diese Entwicklung kritisch, denn die Fläche wird immer knapper“, sagt der Kreislandwirt. Und teurer. Denn Privatleute, die ihr Erspartes in etwas investieren wollen, könnten oft andere Preise zahlen als Landwirte, die mit dem Zukauf von gepachtetem Land zumeist ihre betriebliche Existenz sichern wollen. „Das geht aber nur, wenn die Preise sich in einem Bereich bewegen, den man noch aus Landwirtschaft erwirtschaften kann. Und das wird zunehmend schwierig“, sagt Meyer.

Ein Betrieb, der morgen noch dabei sein wolle, müsse expandieren – entweder bei der Tierhaltung oder über die Fläche. Im nordwestlichen Bereich Niedersachsens treibt diese Entwicklung extreme Blüten: Spitzenpreise von bis zu 90 000 Euro pro Hektar werden verlangt und auch gezahlt. Der Durchschnitt in Niedersachsen betrug im vergangenen Jahr 26 400 pro Hektar. Im Landkreis Hameln-Pyrmont gilt ein Hektarpreis von 36 000 Euro als Spitzenwert.

Eine Entwicklung, die auch Uwe Nötzel vom Kirchenkreisamt aufmerksam beobachtet. Viele Jahre war er für die Ländereien der Kirchengemeinden in Bereich Bad Münder zuständig, er kennt die maßgeblichen Gründe für die extreme Verteuerung in den Bereichen mit intensiver Tierhaltung: Um Genehmigungen zu erhalten, müssen Flächen zum Ausbringen der anfallenden Gülle nachgewiesen werden. Und die werden, stehen sie nicht zur Verfügung, auch in weiter entfernt liegenden Gegenden gekauft. „Selbst Flächen mit einer Bewertung von 30 Bodenpunkten werden da auf einmal attraktiv“, sagt Nötzel. Die Bodenwertzahl mit dem Spitzenwert 100 wird zur Bewertung der Ertragsfähigkeit landwirtschaftlicher Böden genutzt.

Im Landkreis Hameln-Pyrmont sind die Preise für landwirtschaftliche Grundstücke im letzten Jahr um sechs Prozent gestiegen. So steht es im Marktbericht des Gutachterausschusses für Grundstückswerte Hameln Hannover (GAG). Um 30 Prozent erhöhten sie sich von 2008 bis heute insgesamt. Und um 80 Prozent sind die Kaufpreise für landwirtschaftliche Flächen von 2000 bis 2013 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bundesweit gestiegen.

Eine Entwicklung, die auch die evangelische Kirche und die Stadt Bad Münder aufmerksam verfolgen. Im Raum Bad Münder gehören die Kirchengemeinden zu den größeren Anbietern, die ihre Flächen an Landwirte verpachten. Für sie sind, wie auch die Stadt, die für die Stiftung St. Annen- und St. Bartholomäi-Lehen rund 60 Hektar landwirtschaftliche Fläche verpachtet, Flächenverkäufe bis auf wenige Ausnahmen tabu. Landwirte, die sich vergrößern wollen, sind also auf frei werdende Flächen angewiesen. 15 landwirtschaftliche Betriebe geben im Schnitt im Landkreis jährlich auf. Nur ganz wenige kommen dazu. Das Ackerland, das dann zum Verkauf stehe, gehöre oft zu Betrieben, zu denen die Kinder keine Bindung hätten und die sich beruflich anderweitig orientierten, erklärt Meyer. Ein anderer Grund für die Landverknappung liegt in der gesteigerten Investitionsbereitschaft in Flächen, die zur Energiegewinnung zur Verfügung gestellt werden. Windenergie wird da auch im Landkreis ein immer größeres Thema.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare