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Gesundheitswoche

Abwehr in Not

Ob Heuschnupfen oder Lebensmittelunverträglichkeit: Immer mehr Menschen leiden unter Allergien. Doch woran liegt das eigentlich? Und was hilft gegen die Beschwerden?

Allergie

VON IRENE HABICH
Bald ist es wieder so weit: Das Frühjahr ist Heuschnupfenzeit. Für Pollenallergiker beginnt damit die Qual. Sie plagen Niesattacken, gerötete, juckende Augen und eine laufende Nase. Andere Allergien bereiten das ganze Jahr über Probleme. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung haben Allergien in den letzten Jahren zugenommen. 40 Prozent der Menschen in Deutschland leiden im Laufe des Lebens mindestens einmal an einer allergischen Erkrankung.

Schnupfen ist typische Reaktion
Eine Allergie ist eine Überreaktion des Immunsystems, das uns eigentlich vor Infektionen schützen soll. Harmlose Proteine aus der Umwelt hält es dabei fälschlicherweise für Krankheitserreger. Das können Bestandteile von Gräserpollen sein, tierische Hautschuppen oder Eiweiße in Lebensmitteln. Fast 20 000 allergieauslösende Substanzen sind heute bekannt, man nennt sie auch Allergene. Werden sie eingeatmet oder kommen mit der Haut in Kontakt, produziert das Immunsystem eines Allergikers Antikörper. Zudem schütten Abwehrzellen große Mengen des Botenstoffs Histamin aus, was die allergische Reaktion auslöst. Typisch sind erkältungsähnliche Symptome mit Schnupfen und Kopfweh, oder Hautausschlag mit Quaddeln oder Ekzemen. Auch Magen-Darm-Beschwerden sind möglich. In anderen Fällen kommt es zur Atemnot, bei einer sehr starken Reaktion droht ein allergischer Schock mit Kreislaufversagen, der lebensbedrohlich sein kann.

Erdnüsse in Produkten
Sonja Lämmel vom deutschen Allergie- und Asthmabund nennt gleich mehrere mögliche Ursachen dafür, dass Allergien sich immer stärker ausbreiten. So gehe es heute schon im Umfeld von Kindern extrem hygienisch zu, sagt Lämmel. „Das Immunsystem muss sich so kaum noch mit Keimen in der Umwelt auseinandersetzen, es ist sozusagen unterbeschäftigt. Eine Theorie ist, dass es deshalb dazu neigt, beim Kontakt mit harmlosen Substanzen überzureagieren.“ Ein weiterer möglicher Grund sei die Ausbreitung von Pflanzen und deren Pollen, die früher bei uns noch nicht heimisch waren, wie von Ambrosia oder Olivenbäumen. Beim Essen gelte, dass heute immer mehr verfügbar sei, was früher vielleicht noch als exotisch galt.

Erdnüsse, auf die viele stark allergisch reagieren, seien heute als Zusatz in vielen Produkten enthalten. Und Pollen seien immer öfter durch Umweltgifte verunreinigt, was die allergische Reaktion verschlimmern kann. Auch die Bauweise von Häusern trage ihren Teil bei: „Heute wird immer weniger auf natürliche Weise gelüftet. In Innenräumen können sich so Schimmel und Hausstaubmilben besser ausbreiten.“ Ob jemand im Einzelfall eine Allergie entwickelt, ist zumindest zum Teil auch genetisch bedingt. Eltern, die Allergien bei ihren Kindern vorbeugen wollen, empfiehlt Lämmel, nicht ständig Desinfektionsmittel zu verwenden. Und den Kontakt mit anderen Kindern zu fördern: „Damit das Immunsystem auch mal Krankheiten durchmacht.“ Früher habe man häufig empfohlen, Kindern bestimmte Nahrungsmittel, die Allergien auslösen könnten, wie zum Beispiel Erdnüsse, grundsätzlich nicht zu geben. „Heute aber weiß man: Es ist besser, schon kleinen Kindern möglichst viele verschiedene Lebensmittel anzubieten, um sie daran zu gewöhnen“, sagt Lämmel.

Bio ist nicht zwingend besser
Auch der Einkauf im Bioladen und das Meiden von Zusatzstoffen bringe in der Regel nichts: „Lebensmittelallergien werden vor allem durch natürliche Inhaltsstoffe ausgelöst.“ Die Allergene stecken in Milch, Ei, Früchten oder Nüssen – übrigens ist es dabei egal, ob die Ware als bio gekennzeichnet ist oder nicht. Ob eine echte Allergie vorliegt, kann ohnehin nur der Arzt diagnostizieren, am besten einer mit der Zusatzausbildung zum Allergologen. Erste Hinweise liefert der sogenannte Pricktest, dabei werden Lösungen mit Allergenen auf den Arm getropft und die Haut
wird mit einer Nadel leicht angestochen. Zur Kontrolle werden zusätzlich immer eine wässrige Lösung und eine Lösung mit Histamin aufgetragen. Die erste darf keine, die zweite muss eine Reaktion auslösen. Bestätigen kann die Diagnose eine Blutuntersuchung. Einige Allergien wie der Heuschnupfen lassen sich mit einer sogenannten Hyposensibilisierung behandeln. Dabei spritzt der Arzt kleine Dosen der allergieauslösenden Substanzen unter die Haut und versucht, den Körper so daran zu gewöhnen. Medikamente können zudem die Wirkung von Histamin schwächen oder seine Ausschüttung verhindern. Dadurch lassen sich Allergien nicht heilen, aber schwere allergische Symptome lindern. Zum Teil verschreibt der Arzt auch Kortison, das der überschießenden Immunreaktion des Körpers entgegenwirkt. Bei Lebensmittelallergien ist es die beste Lösung, diese wirklich zu meiden. „In jedem Fall ist es wichtig, Allergien angemessen zu behandeln“, sagt Lämmel. Denn gerade bei ständigen Schnupfensymptomen besteht sonst die Gefahr, dass sich aus der Reizung der Atemwege eine Asthmaerkrankung entwickelt.
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