weather-image
19°

Ab sofort zu dritt in Berlin

Bad Münder. Und dann doch drei Sieger. Bis 2.30 Uhr musste Michael Vietz in der Wahlnacht aushalten, dann stand fest: Die Region wird im künftigen Bundestag gleich mit drei heimischen Abgeordneten vertreten sein.

270_008_6621247_lkbm309_Collagen1.jpg

Gabriele Lösekrug-Möller (SPD) holte das Direktmandat, Jutta Krellmann stand – abgesichert über Platz zwei der Landesliste der Linken – schon früh erneut als Abgeordnete fest. Nur Vietz musste zittern, ob Listenplatz 24 der CDU in Niedersachsen ausreichen würde, um den Diplom-Ökonomen aus einer hannoverschen Bank in den 18. Deutschen Bundestag zu katapultieren. Es reichte – und Vietz freute sich gestern sichtlich über den Erfolg. „Sicher auch ein Gewinn, wenn der Wahlkreis künftig mit drei Abgeordneten in Berlin vertreten ist“, erklärte er – und hofft, dass sich die drei heimischen Vertreter trotz ihrer unterschiedlichen parteipolitischen Ausrichtung „zusammenraufen“ können, um gemeinsam etwas für die Region zu bewegen.

„Zusammen“ war auch das Stichwort, das gestern die Gespräche in Berlin beherrschte. Lösekrug-Möller war noch in der Nacht an die Spree geeilt, um gestern Morgen als Mitglied des SPD-Parteivorstandes das Wahlergebnis zu analysieren und vor allem eine Frage in den Blick zu nehmen: „Wer mit wem?“ Eine Antwort darauf wurde gestern noch nicht gefunden. Der Schock der SPD über das Wahlergebnis sitzt tief, das räumte Lösekrug-Möller ein. Gleich am Nachmittag machte sie sich wieder auf den Weg nach Hannover, um im Landesvorstand das Wahlergebnis zu erörtern und die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, zu diskutieren. „Der Ball liegt im Feld der Bundeskanzlerin“, heißt es bei der SPD – doch die Partei muss sich darauf vorbereiten, wie sie auf mögliche Angebote reagieren will. Und dazu soll breit diskutiert werden. Lösekrug-Möller weist auf eine Online-Plattform der SPD in Niedersachsen hin, will sich vor Freitagabend nicht festlegen lassen. Dann tagt der Parteikonvent – „und dann werden wir sehen.“

Dass sie jetzt mit zwei Kollegen das Weserbergland in Berlin vertritt, sieht die SPD-Abgeordnete positiv: „Ich freue mich drauf.“

Eine Verbindung, die sich Jutta Krellmann gut vorstellen kann, ist die Lösung Rot-Rot-Grün. Dass das gleich am Morgen nach der Wahl von SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles verteufelt wurde, kritisiert sie scharf: „Was treibt die um? Diese Ausschließerei muss beendet werden, wenn die SPD die politische Führung übernehmen will – es kommt doch schließlich aufs Ergebnis an.“

Darüber, wie das am Ende aussehen wird, möchte Vietz keine Wetten abschließen. Klar sei, dass die CDU das „Heft in der Hand“ habe, während die anderen Parteien „ihre Wunden lecken“. „In den Umfragen wird eine große Koalition favorisiert, aber ich bin der Meinung, man kann mit jeder demokratischen Partei reden.“

Während die beiden Damen schon „Berlin-Erfahren“ sind und Krellmann die Herbstferien nutzen möchte, um „die Seele baumeln“ zu lassen, betritt Vietz absolutes Neuland. „Ich muss mich jetzt noch um Nebenkriegsschauplätze kümmern, ein Appartement suchen und mit meinem Arbeitgeber sprechen.“col/jhr

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare