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Tierschutzverein bilanziert "abenteuerliche" Sanierung / Katzenseuche und Sturmschäden zu überstehen

"Überraschungsei" Tierheim übertrifft alle Erwartungen

Bückeburg (mig). "Überraschungsei": Reichlich zu tun hatte der Tierschutzverein Bückeburg-Rinteln und Umgebung mit der im vergangenen Jahr begonnenen Sanierung des Tierheim-Neubaus. Im Rahmen der Jahresversammlung des Vereins berichtete die Vorsitzende Monika Hachmeister von Schimmelpilzen und Feuchtigkeitsschäden am Gebäude.

Die Vorsitzende Monika Hachmeister berichtet von den Baumängeln

Die Vielzahl der aufgetretenen Mängel hatte sich nicht einmal Monika Hachmeister vorstellen können: "Unsere schlimmsten Erwartungen und auch selbst die der Gutachter wurden weit übertroffen", sagte die Vorsitzende in ihrem Tätigkeitsbericht kopfschüttelnd. Im Gebäudeinneren platzten wegen der Nässe schon die Fliesen ab, schließlich musste das gesamte Tierheim "regelrecht ausgegraben" werden. "Was wir dabei fanden, war abenteuerlich", ärgerte sich die Vorsitzende, "es ist kein Wunder, dass sich Schimmelpilze an unseren Wänden besonders wohl fühlten." Inzwischen ist zumindest die Außensanierung so gut wie abgeschlossen, sämtliche Schäden wurden von Mitgliedern mit einer Kamera dokumentiert. Ob der Verein in Zukunft vor weiterenÜberraschungen gefeit ist, weiß aber auch Hachmeister nicht: "Um das Ganze hundertprozentig in Ordnung zu bringen, hätten wir wohl abreißen und neu bauen lassen müssen." Die jetzt zu Tage getretenen Probleme sind im Kern schon lange bekannt. Ursächlich sind vor allem Baumängel und fehlende Bauaufsicht - der Tierschutzverein und die Stadt Bückeburg hatten sich deshalb jahrelang gerichtlich um die Übernahme der Kosten gestritten. Richtig weh tat dem Tierschutzverein im vergangenen Jahr aber etwas ganz anderes. Ein Fundtier hatte die Katzenseuche "Feline Pavovirose" in die Aufnahmestation eingeschleppt; fast 50 Katzen starben. "Unsere Tierarztkosten nahmen dramatische Höhen an, wir haben um alle Katzen gekämpft", berichtete Hachmeister den Mitgliedern. Von der Bevölkerung erfuhr das Tierheim in dieser Zeit viel Unterstützung, von offizieller Seite habe es allerdings keine Reaktion gegeben. "Wir bekamen in all diesen Wochen nicht einmal einen Anruf, geschweigedenn ein Hilfsangebot", ärgerte sich Hachmeister, "das hat uns fassungslos gemacht." Der Vorfall habe ihr gezeigt, welchen Stellenwert der Tierschutz in der Gesellschaft habe. Für dieses Jahr hat sich der Verein einiges vorgenommen. Nachdem das Orkantief "Kyrill" die Überdachung von 17 Hundeboxen, einschließlich des Mauerwerks, einen Teil des festen Daches, den Außenzaun und ein Holzhäuschen zerstört hatte, sollen die Schäden bald beseitigt werden. Hachmeister: "Nun haben wir noch einige Baustellen mehr. Aber wir schaffen das schon. Der Sommer ist lang." Inzwischen eingerichtet ist dagegen eine Fußbodenheizung für die Hundeboxen. Zum Schluss der Versammlung richtete die Vorsitzende einen dringenden Appell an die Bevölkerung. "Wir suchen ehrenamtliche Hilfe für verschiedene Dinge, beispielsweise für Kontrollen von Tieren." In seinem Geschäftsbericht gab Kurt Wiegand dann einen kurzen Überblick über die Belegung des Tierheims. Im vergangenen Jahr wurden 80 Fundhunde sowie 77 Abgabehunde gezählt. Davon konnten 138 Vierbeiner vermittelt werden, drei sind gestorben. Im gleichen Zeitraum wurden 294 (Vorjahr 360) Katzen gefunden und 68 abgegeben. 86 Tiere davon sind gestorben und 192 (Vorjahr: 270) wurden vermittelt. In einem anschließenden Gespräch machte die stellvertretende Tierheimleiterin Branka Wölle deutlich, dass die Zahl der abgegebenen Katzen in diesem Jahr wieder steigt. Bis zum April wurden mehr Tiere abgegeben als im Vorjahreszeitraum. "Da herrscht eine richtige Wegwerfmentalität. Ein Grund dafür ist möglicherweise Geldmangel", so Wölle. Ihr sind sogar Fälle bekannt, in denen Katzen in Glascontainer oder Mülleimer geworfen wurden.

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