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In aller Regel ist trotzdem eine Zusammenveranlagung ratsam / Fristen einhalten

Über 190 000 Scheidungen mit teils großen steuerlichen Konsequenzen

Eine Ehescheidung stellt heutzutage keine Seltenheit dar. Nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes wurden allein im Jahr 2009 mehr als 190 000 Ehen in Deutschland geschieden. Wenn sich Ehepartner trennen, so hat dies nicht nur emotionale Auswirkungen, sondern oft auch erhebliche steuerliche Konsequenzen.

Scheidung vollzogen: Doch die finanziellen Dinge hängen trotzdem

Vor allem ist der Veranlagungsmodus zu beachten. Denn grundsätzlich können steuerpflichtige Ehegatten zwischen der Zusammenveranlagung und der getrennten Veranlagung wählen, wobei die Zusammenveranlagung in aller Regel die günstigere Variante darstellt. Auch im Jahr der Trennung kann noch diese Veranlagungsart gewählt werden.

Aber Achtung, insbesondere vor dem Hintergrund steuerlicher Vorteile beim Verlustabzug, der dann in Betracht kommt, wenn ein Ehegatte negative Einkünfte erzielt, sollte diese Handhabung überprüft werden. Haben beide Ehegatten während ihres Zusammenlebens steuerpflichtige Einkünfte erzielt und bekommen möglicherweise nach ihrer Trennung eine Einkommensteuer-Rückerstattung, dann wird es oft kompliziert, weil zu klären ist, wem der Erstattungsanspruch zusteht. Letztlich kann das Finanzamt die Auszahlung des Erstattungsbetrages an den nicht materiell erstattungsberechtigten Ehegatten leisten, wenn ihm die Trennung nicht bekannt gegeben wurde. Es empfiehlt sich also, das Finanzamt von der veränderten familiären Situation in Kenntnis zu setzen.

Auch bei eventuellen Einkommensteuerschulden ist Vorsicht geboten. Wird ein Ehegatte für Steuerschulden in Anspruch genommen, die auf Einkünfte des anderen zurückzuführen sind, sollte er durch Beantragung eines Aufteilungsbescheides die Vollstreckung auf die Schuld beschränken, die auf seine Einkünfte entfällt.

Art und Umfang der Vermögensaufteilung richten sich nach dem jeweiligen Güterstand. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Gütergemeinschaft, Gütertrennung oder Zugewinngemeinschaft. Am einfachsten dürfte in der Regel eine Einigung im Fall der Gütertrennung sein, weil das Vermögen der Ehegatten in aller Regel bereits während der Ehe dem jeweils Berechtigten zugeordnet ist und bei Beendigung grundsätzlich keine Ausgleichsansprüche bestehen. Im Fall der Gütergemeinschaft wird – grob vereinfacht dargestellt – das Gesamtgut hälftig aufgeteilt.

Dass dieser Vorgang, je nach Art und Umfang der Vermögenswerte, durchaus sehr kompliziert sein kann, versteht sich von selbst. Während Barvermögen unter normalen Umständen am einfachsten zu ermitteln sein dürften, wird es schwierig bei der Aufteilung von Sachwerten. So bedürfen zum Beispiel Immobilien im Privatvermögen je nach Nutzung, Zeitpunkt der Anschaffung und diverser anderer Parameter einer sorgfältigen Prüfung. Grundstücksübertragungen auf den früheren Ehegatten sind zwar in aller Regel von der Grunderwerbsteuer befreit, jedoch nur so lange, wie die Vermögensauseinandersetzung noch nicht beendet ist. Eine Regelung, die zwar keine konkreten Fristen vorschreibt, aber bei Nichtbeachtung fatale steuerliche Folgen haben kann. Im Fall der Zugewinngemeinschaft steht einem Ehegatten ein Zugewinnausgleich zu. Dieser besteht in der hälftigen Differenz zwischen Anfangs- und Endvermögen, bezogen auf den Termin der Hochzeit und den der Rechtswirksamkeit der Scheidungsklage. Weil die Übertragung von Vermögensgegenständen zur Erfüllung der Zugewinnausgleichsforderung einen steuerlich relevanten Tatbestand darstellt, kann neben einer Besteuerung dieser Werte möglicherweise auch neues Abschreibungsvolumen bei Vermietung und Verpachtung entstehen.

Generell richtet sich die Höhe der Unterhaltszahlungen unter anderem nach der Leistungsfähigkeit des Verpflichteten, wobei die Unterhaltsleistungen sowohl als Geld- oder Sachleistungen erfolgen können. So wird bei unentgeltlicher Wohnungsüberlassung beispielsweise der Mietwert in Ansatz gebracht. Derartige Leistungen können unter bestimmten Voraussetzungen bis zu einer Höhe von 13 805 Euro pro Kalenderjahr als Sonderausgaben bei der Einkommensteuer berücksichtigt werden. Im Rahmen des Bürgerentlastungsgesetzes wurde ab 2010 eine Änderung eingeführt. Demnach kann sich dieser Betrag erhöhen um die zur Absicherung des geschiedenen oder getrennt lebenden Ehegatten gezahlten Versicherungsbeiträge.

BStBK

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