weather-image
20°
Museum zeigt, wie der Gletschermann wohl aussah

Ötzi hat ein neues Gesicht

Bozen. Der Gletschermann aus der Kupferzeit, der kurz Ötzi genannt wird, feiert in seinem „zweiten Leben“ in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag: Zwei Jahrzehnte nach dem Fund der Mumie in den Ötztaler Alpen hat das Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen ihm eine Sonderausstellung gewidmet. Ein Höhepunkt der am Dienstag eröffneten Schau „Ötzi2.0 – Life. Science. Fiction. Reality“ ist eine Rekonstruktion des 5300 Jahre alten Ötzi, die auf anatomischen 3-D-Aufnahmen des Schädels basiert.

Adrie Kennis arbeitet an einer Rekonstruktion Ötzis. Fotos: afp

Autor:

Teresa Herlitzius

Sie zeigt den steinzeitlichen Alpenmann, den der Gletscher freigegeben hatte, als einen von Wind, Wetter und den Widrigkeiten seines Lebens tief geprägten Menschen.

Am 19. September 1991 war der „Mann aus dem Eis“ entdeckt worden. Die Weltsensation zog die Menschen in ihren Bann, und die Mumie wurde immer wieder zum Objekt wissenschaftlicher Untersuchungen. Über drei Millionen Menschen haben Ötzi – einen Mann, der bei seinem Tod in den Vierzigern stand – im Bozener Museum besucht. Welches Bild von ihm entstanden ist und welche Rolle die Medien dabei spielten, gehört mit zu den Themen, die von seiner „Geburtstagsausstellung“ (bis 15. Januar 2012) angerissen werden. Und das auf vier Etagen und einer Fläche von 1200 Quadratmetern.

Wie hat Ötzi wohl ursprünglich ausgesehen? Diese Frage wurde immer wieder gestellt und soll durch die neue Rekonstruktion jetzt bestmöglich beantwortet werden. Im Auftrag des Museums haben die niederländischen Zwillinge Alfons und Adrie Kennis, die schon den Neandertaler nachbildeten, Ötzis Antlitz nach wissenschaftlichen Vorlagen naturalistisch neu erschaffen: Zottelig, faltig und leicht grau, aber gut gebaut und muskulös soll er ausgesehen haben. Auffällig sind die großen Hände und die verhältnismäßig langen Arme. Die niederländischen Künstler haben bei ihrer Arbeit den aktuellsten Stand der Ötzi-Forschung berücksichtigt. So sind die Augen des Ötzi-Modells braun – und nicht blau, wie zunächst fälschlicherweise angenommen wurde. Er hatte höchstwahrscheinlich eine Körpergröße von 1,60 Metern und wog 50 Kilo. Würde er heute leben, trüge er Schuhgröße 38.

Bei der Rekonstruktion von Ötzis Gesichts nutzten die Brüder Kennis die sogenannte Stereolithografie und erstellten so eine genaue Nachbildung des Schädels. Dabei wird flüssiger Kunststoff mit einem Laser ausgehärtet. Die Vorlagen dafür lieferten Röntgen- und CT-Bilder der Mumie. Mit ähnlichen Verfahren wird auch in der modernen Gerichtsmedizin gearbeitet.

Im Bozener Museum ist man mächtig stolz auf die neue Ötzi-Darstellung. „Diese gleichermaßen exakte und einfühlsame Darstellung von Ötzi wird die ganze Welt faszinieren und bewegen“, sagte Museumsdirektorin Angelika Fleckinger gegenüber „Spiegel Online“. Als die Mitarbeiter des Museums die neue Figur zum ersten Mal gesehen hätten, „glaubten wir alle, unsere Urgroßväter darin zu erkennen“.

Die Schwerpunkte der Geburtstagsausstellung sind den einzelnen Etagen zugeordnet. An erster Stelle steht dabei das Leben (Life) in der Kupferzeit. Aber auch die neuesten Forschungsergebnisse (Sciene) ebenso wie Kuriositäten (Fiction) und zwei Jahrzehnte Mediengeschehen (Reality) rund um Ötzi werden in dem Archäologiemuseum beleuchtet. Neben der Ausstellung können Ötzi-Begeisterte auch an Veranstaltungen mit Wissenschaftlern und Technikern teilnehmen. Touristischer Höhepunkt wird das „Geburtstagsfest“ am 19. September sein, dem Tag der Entdeckung Ötzis in den Alpen.

Ötzi, der Gletschermann aus der Kupferzeit, feiert in seinem zweiten Leben 20. Geburtstag: Zwei Jahrzehnte nach dem Fund der Mumie in den Ötztaler Alpen hat das Südtiroler Archäologiemuseum ihm eine Sonderausstellung gewidmet.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare