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Ärztenetzwerk informiert über peinliche Krankheiten

BAD MÜNDER. Der Andrang ist groß, das Publikum in der Regel betagt. Es geht um peinliche Krankheiten, über die man nicht so gerne spricht: Schwerhörigkeit, Mundgeruch, Schnarchen, Übergewicht und erschlaffte Manneskraft.

„Let‘s talk about sex“: Die Diabetologin Inga Kläne-Menke mit Reizwäsche. FOTO: HUPPERT

Autor

Christoph Huppert Reporter

Was die Mediziner des „Ärztenetzwerkes Bad Münder“ jedoch an diesem Tag auf die Bühne des Martin-Schmidt-Konzertsaals bringen, das kann locker mithalten mit dem, was TV-Stars der Branche abendfüllend auf die Mattscheibe zaubern.

Darf man über Krankheiten lachen? Durchaus, vor allem wenn deren Beschreibung aufklärende Effekte hat. Lachen befreit – und worüber man gelacht hat, daran erinnert man sich lieber als an den medizinisch erhobenen Zeigefinger.

„Schwerhörigkeit trennt von Dingen und Menschen“, sagt HNO-Ärztin Kerstin Blei, und stellt eindrucksvoll Beethovens Hörhilfen modernen In-Ohr-Implantaten gegenüber. Hörrohr contra Medizin-High-Tech.

Einen „allzeit frischen Atem!“ als Gruß setzt der Zahnarzt Martin Kahlstorf ans Ende seiner Dental-Show zum Thema „Mundgeruch“. „Kennen Sie jemanden mit Mundgeruch?“, fragt er. Und drei Viertel des Saales melden sich. Der Arzt wartet mit vielen Fakten auf: 90 Prozent des Geruchs, der auf übel riechenden Schwefelverbindungen beruht, entsteht im Mundraum. Zahn- Mund- und Zungenpflege sind daher angesagt. Auch Prothesenpflege ist ein Muss. Da man es selbst meist nicht riecht, rät Kahlstorf: „Handrücken anlecken, trocknen lassen, riechen.“

Martin Bergmann von der Abteilung Schlafmedizin der der Deister-Süntel-Klinik ist Schnarch-Experte. „Männer schnarchen häufiger als Frauen“, berichtet er, und zeigt, wie dramatisch Schlaf- und Schnarchverläufe manchmal sein können. Normalschnarcher jedoch brauchen in der Regel weder Gebissschienen noch Beatmungsgeräte, beruhigt Bergmann seine Zuhörer.

Der Kardiologe und Klinikleiter Dr. Peter Mäckel bricht eine Lanze für die „mediterrane Ernährung“. „Statt immer wieder neue sinnlose Diäten empfehle ich eine entsprechende Nahrungsumstellung – und den richtigen Sport“, sagt der Mediziner. „Langfristige Verhaltenstherapie mit Einbeziehung der Familie“, so sein Rat, denn ohne Unterstützung von Freuden und Familie wird der Kampf gegen die Pfunde schwer. Statt Fleisch also Gemüse in den Tellermittelpunkt rücken. Der Lohn: Das Herzinfarktrisiko wird um die Hälfte verringert.

„Let´s talk about sex“, ruft abschließend die Münderaner Diabetologin Inga Kläne-Menke in den Raum und hält Reizwäsche hoch. Ihre Auflistung von Sex-Mythen erheitert das Senioren-Publikum: „Wie die Nase des Mannes…“, „Der gleichzeitige Orgasmus ist der beste“, „Ältere Menschen sind asexuell“, „Auf die Länge kommt es an“ – alles Humbug, meint Kläne-Menke, und geht den Ursachen für Erektionsstörungen und Orgasmusschwierigkeiten genauso unterhaltsam nach wie den Lösungen des Problems. Offene Gespräche statt angeblicher Kopfschmerzen, Entspannungsbäder mit Duft, Reizwäsche oder pflanzliche Mittel wie Sellerie empfiehlt die Ärztin. „Ach, deshalb“ sagt eine Dame halblaut und erntet Lacher. „Na, wenn’s hilft“, sagt ihre Freundin lachend.

Information

... der lauteste Schnarcher laut Guinness-Buch 93 Dezibel entwickelt?

... dass weniger als ein Prozent des Mundgeruchs auf Magen-Darm-Probleme zurückgeht?

... dass sich Ludwig XIV. nach einer misslungenen Zahn-OP wegen des Gestanks täglich Nase und Rachen mit Parfüm ausspülen ließ?

... dass Menschen in Mittelmeerländern aufgrund ihrer Ernährung deutlich länger leben?

... dass der durchschnittliche tägliche Fleischverzehr auf Kreta bei 35, in den USA bei 275 Gramm liegt?

... dass Männer, die essen, was ihre Frau ihnen kocht, länger leben als alleinstehende Männer, die selbst kochen?

... dass nur drei Fälle bekannt sind, in denen Schnarchende vom Ehepartner deshalb umgebracht wurden?

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