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Politiker rüffeln die Verwaltung

Ärger nach dem Theater um den Weihnachtsmarkt

Hameln (ni). „Jedes Jahr von Neuem das gleiche Theater“ – Hamelns Bürgermeisterin Ursula Wehrmann graust es bei dem Gedanken, dass sich Verwaltung und Interessengemeinschaft Weihnachtsmarkt auch künftig regelmäßig in die Haare geraten könnten. Nach dem jüngsten Eklat (wir berichteten) sieht die Fraktionschefin der Grünen die Verwaltung in der Pflicht, bei der Vergabe der begehrten Standplätze auf dem Weihnachtsmarkt „größere Transparenz“ walten zu lassen.

Im Rathaus hat es in der vergangenen Woche zwischen Verwaltungsm

Bei der Bewertung der Stände anhand des von der Verwaltung aufgestellten Kriterienkataloges waren Verwaltung und Interessengemeinschaft im vergangenen Jahr teilweise zu unterschiedlichen Punktzahlen gekommen. Bei dem Versuch der IG, im Gespräch mit der zuständigen Ordnungsbehörde zu klären, wie es zu solchen Abweichungen kommen konnte, knallte es Dienstag im Rathaus. Ein Sachbearbeiter vergriff sich im Ton, bezichtigte die IG der „Stasi-Methoden“ und ließ die versammelte Runde „für ein paar Sekunden regelrecht in Schockstarre verfallen“, so ein Ohrenzeug. Wegen der sprachlichen Entgleisung, aber auch wegen des offenbar höchst unsensiblen Umgangs mit den Vertretern der Interessengemeinschaft soll am Tag nach dem Vorfall regelrecht Feuer unterm Dach des Rathauses geherrscht haben.

Ursula Wehrmann, die bei dem Gespräch nicht zugegen war, hält sich mit einer Kommentierung des Vorfalls zurück. Allerdings schreibt sie der Verwaltung ins Stammbuch, sie müsse wohl gelegentlich daran erinnert werden, „dass sie Dienstleister der Bürger ist“ und sich darum eines entsprechenden Umgangstones zu bedienen habe. Und wenn die IG Weihnachtsmarkt wegen der Punktevergabe Fragen habe, „dann muss sich die Verwaltung dem stellen“, fordert Wehrmann. Der Wunsch nach Klärung seitens der IG sei genau so legitim wie das Festhalten der Stadt an dem von ihr festgeschriebenen Vergabeverfahren. Nur: müsse es eben auch für andere nachvollziehbar gemacht werden.

Seit sich die professionellen Marktbeschicker gegen ablehnende Bescheide zunehmend mit Klagen vor Gericht wehrten, so Wehrmann, müsse die Verwaltung auf der sicheren Seite stehen. Was mit dem Kriterienkatalog und Punktesystem der Fall sei, weil so jedem Bewerber die gleichen Chancen auf einen Standplatz eingeräumt würden und eine Bevorzugung Einzelner ausgeschlossen sei. Das heiße auf der anderen Seite aber nicht, dass die Verwaltung die IG Weihnachtsmarkt durch ungebührliches Verhalten verprellen dürfe. „Wenn wir die IG nicht mehr haben und selbst für Programm und Ausschmückung des Weihnachtsmarktes sorgen müssen, dann kostet uns das eine Menge Geld“, gibt die Ratsfrau zu bedenken. Den freiwilligen Werbegroschen, mit dem die IG das gesamte Drumherum bislang finanziert hat, könnte und dürfte die Stadt den Beschickern nämlich gar nicht abknöpfen.

Wehrmanns Vorschlag für die Zukunft: „Wir sollten eine neutrale Person dafür gewinnen, bei der Bewertung der Bewerbungen mitzuwirken.“ Eine solche Regelung, hofft sie, könnte auch die Interessengemeinschaft zufriedenstellen. Fritz Rieger, Chef der Bürgerliste und Vorsitzender des unter anderem für den Weihnachtsmarkt zuständigen Fachausschusses hat noch eine Idee: Beim kommenden Weihnachtsmarkt sollten Verwaltung und IG-Vertreter gemeinsam losgehen und jeder für sich die Stände laut Punktetabelle benoten. „Wenn dann beide Seiten zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, kann man gleich an Ort und Stelle klären, woran es gelegen hat“, so Rieger. Einig ist sich Rieger mit Wehrmann darin, dass die Verwaltung jetzt schleunigst auf die IG zugehen, das Gespräch mit ihr suchen und die Differenzen bereinigen müsse. Ein Weihnachtsmarkt ohne Beiprogramm und schmückendes Ambiente, fürchtet Rieger „überlebt nicht lange; dann bleiben die Besucher weg und der Imageschaden für Hameln wäre groß“.

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