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Plattdeutscher Nachmittag zum Jubiläum

750 Jahre Ahnsen: "Hewwt nieen frischen Liebensmut!"

Ahnsen (sig). Das Jubiläum der Gemeinde Ahnsen, die 2006 auf ihr 750-jähriges Bestehen zurückblickte, hatte mehrere Höhepunkte. Es war eine gute Idee der Organisatoren um Heinz Grabbe, Jürgen Schmökel und Dieter Gutzeit, sich nicht auf einen Festkommers zu beschränken. Auch die vierte Veranstaltung im Saal des Mehrzweckhauses war ein Volltreffer.

Zwischendurch werden von den Zuhörern im voll besetzten Saal Kir

Den "Plattdeutschen Nachmittag" wird es, wenn auch zu abendlicher Zeit, bald als Angebot des Heimat- und Kulturvereins geben. Es ist erfreulicherweise noch nicht so, dass diese heimatliche Mundart bald ausstirbt. Allerdings: Bei den Heranwachsenden gibt es sprachliche Lücken, weil diejenigen aussterben, die diese regionale Volkssprache weitergeben können. So war es auch kein Wunder, dass der Einladung vor allem "gestandene" Mitbürger gefolgt sind. Man muss ja auch verstehen können, was da auf der Bühne gesprochen wurde. "Wir bieten Ihnen eigens für heute ein theaterfreundliches Ambiente und eine Übertragungsanlage, damit auch auf dem letzten Platz alles gut zu hören ist", erklärte Schmökel zu Beginn. Und er wies daraufhin, dass auf den Tischen Zettel mit plattdeutschen Texten zu Kirchenchorälen lagen. Pastor Lutz Gräber begleitete die Sängerschar in den Pausen am Keyboard. Den Anfang des mundartliche Texte vortragenden Quartetts machte Pastor Hartmut Ahrens aus Sülbeck. "Diese vier da oben in der erhöhten Wohnstube sind schon jetzt von Lampenfieber geschüttelt", hatte Schmökel zu Beginn angekündigt. Davon war aber weder bei dem Seelsorger noch bei seinen Mitstreitern was zu spüren. In seinem ersten Beitrag befasste sich Ahrens mit der Vorgeschichte zur Wahl eines neuen Geistlichen durch den Kirchenvorstand. Nach dieser Episode schilderte Willi Dreves aus Bad Eilsen eine Kontrollveranstaltung im Hotel Lahmann, zu der das Mindener Bezirkskommando alle Reservisten geladen hatte. Unter Leitung von Major Säbelbein und Feldwebel Isegrimm ging es nicht zimperlich zu. Wer nicht parierte, dem wurde eine Nacht auf der Holzpritsche von "Vater Philipp" angedroht. Bürgermeister Heinz Grabbe, der seine mundartlichen Fähigkeiten schon bei "Platt op de Deel" in Ahnsen bewiesen hatte, beschränkte sich auf Dönekens und Witze, mit denen er schallendes Gelächter erntete. Der Landwirt und Reiterchef Friedrich-Wilhelm Lohmann hatte zu dieser Veranstaltung den weißen Trachtenmantel mit der roten Knopfleiste angelegt. Er erzählte aus seiner Kindheit und Jugend und erinnerte an das einst selbständige Dorf Widdensen am Nordharrl, das 1648 bereits urkundlich erwähnt worden sei und das später Ortsteil von Ahnsen wurde. "Alle, die vor dem letzten Krieg geboren wurden, haben damals Plattdeutsch gesprochen, das Hochdeutsch lernten wir erst in der Schule", so Lohmann. Ihn hatte imponiert, dass sein Pastor mit dem Motorrad zum Konfirmandenunterricht kam, an dem über 100 Jungen und Mädchen teilnahmen. Das sei eine schöne Zeit gewesen, denn da habe man beim Kartenspielen in der Dorfkneipe noch für eine Mark drei Biere bekommen, wusste er zu berichten. Nach so manchem Spaß, der erst durch den Dialekt so richtig zur Geltung kam, klang der Vers "Hewwt nieen frischen Liebensmut und fasten Glooben" überzeugend. Dieser Text gehört zum Lied "Geh aus mein Herz", das jeder im Saal von Herzen mitsingen konnte.

Die plattdeutsche Expertenrunde ist voll in ihrem Element. Bei a
  • Die plattdeutsche Expertenrunde ist voll in ihrem Element. Bei aller Ernsthaftigkeit gibt es auch viel zu schmunzeln und zu lachen. Fotos: sig
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