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Vor Gericht: Bewährungsstrafe für Schaumburger / Anklagebehörde besteht auf öffentlichen Prozess

500 Kinderporno-Dateien - drei Monate Haft

Stadthagen (menz). Drei Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung hat ein Schaumburger vom Amtsgericht Stadthagen für den Besitz einer großen Menge Computerdateien mit Kinderpornografie aufgebrummt bekommen. Außerdem muss der Verurteilte sich einer Therapie unterziehen.

Öffentliches Aufsehen im Zusammenhang mit Kinderpornografie möchte sich niemand leisten, und wenn die soziale und gesellschaftliche Ächtung droht, streben Betroffene sehr danach, im Hintergrund zu bleiben. Mit einem Geständnis zum Besitz von 500 kinderpornografischen Computerdateien hat ein Schaumburger zu erreichen versucht, dass das Strafverfahren gegen ihn, wenn nicht eingestellt, so doch im Stillen ohne Aufsehen per Strafbefehl geahndet werden könne. Die Hoffnungen des Mannes, der Peinlichkeit einesöffentlichen Strafverfahrens zu entkommen, haben sich aber nur teilweise erfüllt. Die für die Anklage zuständige Zentralstelle in Hannover besteht grundsätzlich auf eine öffentliche Gerichtsverhandlung. Der persönliche Auftritt vor der Strafrichterin am Amtsgericht Stadthagen blieb dem Schaumburger aber erspart, für ihn wiederholte der Verteidiger das Geständnis und legte den Nachweis über den Beginn einer Therapie vor. Nur wenige Tage lang hatte im Sommer 2005 ein spezieller Link auf einem virtuellen Schwarzen Brett im Internet bestanden, der Zugriff auf kinderpornografische Bilder vermittelte. 12 000 Nutzer in der kurzen Zeit wurden weltweit ermittelt, darunter der Mann aus Schaumburg. 500 verbotene Dateien fanden die Ermittler schließlich bei einer Hausdurchsuchung. Der Verteidiger warf für seinen Mandanten in die Waagschale, dieser sei unbestraft, es sei "nie irgendwas gewesen", der Mann habe "keine Päderastenkarriere hinter sich". Eine Bestrafung unter Vorbehalt, die Rechtsanwalt Ralf Jordan vorschwebte, war aber nicht konsensfähig, zumal Ankläger Dieter Liese die Anzahl der inkriminierten Dateien als "viel, sehr viel" einstufte. Drei Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt zu drei Jahren auf Bewährung wurde schließlich als Strafmaß festgesetzt. Und das mit der wichtigen Auflage, dass der Schaumburger die angefangene Therapie weiterführen muss. Ohne die Zustimmung des Therapeuten darf der Mann die Maßnahme auch nicht beenden. Zudem muss er seine Teilnahme regelmäßig bescheinigen. Zusätzlich wurde ihm auferlegt, einen Geldbetrag in Höhe eines Monatseinkommens an die Landeskasse zu zahlen.

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