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Für Andreas Winkler ist es jedes Mal ein gigantisches Erlebnis, „ein Loch in die Luft zu fallen“

50 Sekunden grenzenloser Freiheit

Von Alda Maria Grüter

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Rohden. Die tänzelnden Punkte werden immer größer. Und dann sieht man sie, die Männer, die vom tiefblauen Himmel fallen. „Ist das geil!“, entfährt es den Party-Gästen, die mit allem gerechnet haben, bloß nicht damit, dass das Geburtstagskind aus den Wolken purzelt. Weitaus abgefahrener ist das Erlebnis allerdings für diejenigen, die am Fallschirm baumelnd, im Affentempo dem Boden entgegenrasen. Vor allem für Uli Herbertz, der, festgezurrt an Tandem-Master Andreas Winkler, zum ersten Mal Fallschirm springt. Das luftige Vergnügen: ein gut zwei CD-langes, das zwischen der Freiheit „Über den Wolken“ und dem „Highway to hell“ schwebt. Für Uli Herbertz jedoch, für den der Sprung aus 4000 Meter Höhe ein Geschenk zum 50. Geburtstag ist, sind die knapp 50 Sekunden freier Fall und das anschließende Gleiten durch die Luft unvergessliche Minuten der Ewigkeit, wie er später, nach der Landung auf dem Sportplatz in Fischbeck, überglücklich sagen wird. Und auch bei dem „alten Hasen der Lüfte“, der an die 3800 Sprünge hinter sich hat, keine Spur von routiniert-cooler Gleichgültigkeit: „Jeder Sprung, egal der wievielte, ist immer wieder ein Kick“, sagt Andreas Winkler. „Ein Loch in die Luft zu fallen“, das sei jedes Mal ein gigantisches Erlebnis. „Es ist einfach cool, einen Sport auszuüben, der nicht gefährlich ist – sofern man alle Sicherheitsvorschriften beherzigt – und der doch so extrem ist, dass er einem das Adrenalin in die Blutbahn drückt.“

Endlose Freiheit, Lebensfreude pur, ein unbeschreibliches Glücksgefühl, überhaupt – es könne ja wohl nichts Schöneres geben, als im Zustand der Schwerelosigkeit den Planeten von oben zu betrachten, oder? Vor 13 Jahren kam der Hessisch Oldendorfer Versicherungsmakler, der in Rohden lebt, zum Fallschirmspringen. Winkler ist ausgebildeter AFF-Lehrer (Acceleratet Freefall), bildet selber jährlich rund 50 Schüler aus und nimmt etwa 400 Tandem-Fallschirmspringer ins Schlepptau. Immer mehr Leute begeistern sich fürs Tandemspringen (Kosten 199 Euro pro Sprung), sagt Winkler. Kürzlich hat sich sogar ein prominenter Gast in seine erfahrenen Hände begeben: Alexander Walzer, bekannt aus Sat1-Dokusoaps und Chef des „Ramba-Zamba“-Marktes. Der Ramschkönig aus Bad Gandersheim – hier haben die „Skydivers“, die vorher in Höxter stationiert waren, übrigens ihren neuen Flugplatz – schlug sich anstatt mit Schnäppchen ausnahmsweise einmal mit Andreas Winkler und mit 230 Stundenkilometern mutig zwischen Himmel und Erde durch.

Wer es noch waghalsiger liebt, der absolviert einen AFF-Schnupperkursus, bei dem man selber springt und während des freien Falls durch zwei Lehrer gesichert wird. Fallschirmspringen könne jeder gesunde Mensch mit einer Mindestgröße von 1,40 Metern und einem Höchstgewicht von 95 Kilogramm, sagt Andreas Winkler. Manchmal gebe es Ausnahmen von der Regel, immer unter Einhaltung der geforderten Sicherheitsvorkehrungen, versteht sich. Die größte und wohl einmalige Herausforderung, die Andreas Winkler gemeistert hat: Einer spastisch gelähmten Frau, die unbedingt Fallschirmspringen wollte, hat der Tandemmaster den Traum vom Fliegen erfüllt. Apropos weibliche Fallschirmspringer: Nicht, dass es keine Frauen gebe, die nicht einen Narren am Fallschirmspringen gefressen hätte – rar seien sie trotzdem in dem männerdominierten Sport: „Die meisten beginnen erst mit Mitte, Ende 20 mit dem Springen, in einem Lebensabschnitt also, wo bei vielen die Familie im Vordergrund steht.“ Offensichtlich verschenken Frauen den ultimativen Kick lieber an ihre Männer, als ihn sich selber zu gönnen...

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Mit einem Tandemsprung hatte es bei Andreas Winkler auch angefangen. Heute lässt ihn das luftige und kostspielige Hobby, das ihm inklusive Ausrüstung jährlich 2500 bis 3000 Euro wert ist, nicht mehr los. Dafür gab er das Motorradfahren auf. „Zu gefährlich“, sagt Winkler. „Tür auf, Exit und Sprung“ – das ist es, worauf er fliegt.

Weitere Informationen unter www.fallschirmspringer.de

„Tür auf, Exit und Sprung“ – das ist es, worauf Andreas Winkler fliegt.

Andreas Winkler: „Es kann ja wohl nichts Schöneres geben, als im Zustand der Schwerelosigkeit den Planeten von oben zu betrachten, oder?“

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