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Nur ein Wochenende Zeit: Der neue Überbau wird eingepasst

400 Tonnen Beton wandern Zentimeter für Zentimeter

Hachmühlen/Hasperde (jhr). Querverschub – ein einfaches Wort für ein großes Vorhaben. So groß, dass dafür die Hauptverkehrsachse Hameln-Hannover von Freitagnacht bis heute Morgen unterbrochen wurde. Für 55 Stunden war die B 217 zwischen Hasperde und Hachmühlen für den Abbruch einer alten Eisenbahnbrücke und den Einschub einer neuen Überfahrung komplett gesperrt. „Es gibt nur einen bescheidenen Zeitkorridor, der zur Verfügung steht und genutzt werden muss“, erklärte Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis.

Heinz Brandt stellt die Presse vor, mit der der Überbau bewegt wird.

Monatelang hatten die Mitarbeiter einer Fachfirma auf das vergangene Wochenende hingearbeitet. Rund zwölf Meter von der alten Überführung entfernt hatten sie einen neuen Überbau erstellt – gleich auf einem Gerüst quer über der viel befahrenen Bundesstraße. Am Freitagabend um 22 Uhr war jedoch der Zeitpunkt gekommen, zu dem der Verkehr ausgesperrt werden musste: In Hasperde und Hachmühlen wurde die Straße dicht gemacht, große Abbruchbagger rückten an. Der zuvor stundenlang herausgesägte Überbau wurde abgebrochen, anschließend zerkleinert und per Lkw abgefahren. „Hier ist einfach nicht genug Platz, um den Überbau mit einem Kran heraus und den neuen hereinzuheben“, machte Christian Kopp, einer von vier Bauleitern, deutlich. Gemeinsam mit seinen Kollegen hatte er dafür gesorgt, dass auch gestern Abend alles reibungslos ablaufen konnte. „Zur Sicherheit hat ein Vermessungstrupp noch einmal alles kontrolliert“, erklärte er.

28 Meter lang ist der neue Überbau, viel Luft zum Einpassen war allerdings nicht. Nur einen Zentimeter Spielraum hatten die Fachleute, um ihn an der Stelle einzubauen, an der vor wenigen Stunden noch der alte Überbau gesessen hatte. „Nur ein ganz leichtes Verkanten beim Einbau – und schon ist das Problem da“, machte Kopp deutlich.

Genau diese Probleme wollten Heinz Brandt, Bauleiter der Spezialfirma RöRo Traggerüstsysteme, und seine Kollegen gar nicht aufkommen lassen. Minutiös bereiteten sie zwei große Hydraulikpressen und das Gerüst vor, mit deren Hilfe der rund 400 Tonnen schwere Überbau auf Teflon-Platten an seinen neuen Platz gedrückt wurde. Mit rund sechs Metern pro Stunde bewegte sich der Koloss. „Das sind Experten, für die ist so etwas eine Fingerübung“, sagte Kopp – Brandt schmunzelte, räumte aber ein: „Wir haben schon eine 8000 Tonnen schwere Oderbrücke bewegt – das war eine andere Hausnummer.“

Während der Vorbereitungen läuft der Bahnverkehr weiter.
  • Während der Vorbereitungen läuft der Bahnverkehr weiter.
Aufbau mächtiger Ständer  – über sie wird später der Überbau verschoben.
  • Aufbau mächtiger Ständer – über sie wird später der Überbau verschoben.

Problematisch war der Querverschub allerdings für viele Autofahrer, die die weiträumige Umleitung nutzen mussten. Lange Staus auf der B 442 von Brullsen Richtung B 217 lösten Beamte des Polizeikommissariats Bad Münder auf, indem sie den Verkehr an einer Ampelkreuzung „von Hand“ regelten.

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