weather-image
20°

365 Tage Leinenzwang: Rechtsanwalt in Rage

Bad Eilsen/Ahnsen/Bückeburg. Hundehalter aufgepasst: Im Harrl herrscht für Vierbeiner ab sofort Leinenzwang – und das nicht nur während der Brut- und Setzzeit, sondern das ganze Jahr. Denn das 380 Hektar große Waldgelände ist Landschaftsschutzgebiet. Das ist er laut Kreistagsbeschluss zwar bereits seit 2005 – aber bislang fehlte es an den Schildern mit den Verboten. Das hat sich seit den jetzt zu Ende gegangenen Herbstferien geändert.
Doch es regt sich Widerstand: „Nach meiner Auffassung gibt es für einen ganzjährigen Leinenzwang keine sachliche Grundlage“, ist Stefan Diekmann überzeugt. Der Bückeburger Rechts- und Fachanwalt (Diekmann & Kollegen), der selbst Halter eines Hundes ist, soll mit dieser Ansicht nicht alleine dastehen, denn: „Andere Gesetzesregelungen wie etwa das Niedersächsische Waldgesetz sehen einen generellen Leinenzwang außerhalb der Brut- und Setzzeit nicht vor“, sagt er. Auch sei nicht erkennbar, warum für den Harrl etwas anderes gelten solle, denn: „Der Harrl unterscheidet sich nicht von anderen Waldgebieten, in denen es keine Anleinpflicht gibt.“

Harrl

Bad Eilsen/Ahnsen/Bückeburg. Hundehalter aufgepasst: Im Harrl herrscht für Vierbeiner ab sofort Leinenzwang – und das nicht nur während der Brut- und Setzzeit, sondern das ganze Jahr. Denn das 380 Hektar große Waldgelände ist Landschaftsschutzgebiet. Das ist er laut Kreistagsbeschluss zwar bereits seit 2005 – aber bislang fehlte es an den Schildern mit den Verboten. Das hat sich seit den jetzt zu Ende gegangenen Herbstferien geändert.
Doch es regt sich Widerstand: „Nach meiner Auffassung gibt es für einen ganzjährigen Leinenzwang keine sachliche Grundlage“, ist Stefan Diekmann überzeugt. Der Bückeburger Rechts- und Fachanwalt (Diekmann & Kollegen), der selbst Halter eines Hundes ist, soll mit dieser Ansicht nicht alleine dastehen, denn: „Andere Gesetzesregelungen wie etwa das Niedersächsische Waldgesetz sehen einen generellen Leinenzwang außerhalb der Brut- und Setzzeit nicht vor“, sagt er. Auch sei nicht erkennbar, warum für den Harrl etwas anderes gelten solle, denn: „Der Harrl unterscheidet sich nicht von anderen Waldgebieten, in denen es keine Anleinpflicht gibt.“
Nach Dafürhalten des Rechtsanwalts ist es zwar einzusehen, dass ein Hund im Harrl zwischen dem 15. April und dem 15. Juli eines jeden Jahres (Brut und Setzzeit) an die Leine muss; das könne aber nicht für das gesamte jahr gelten – schon gar nicht, wenn das Tier „erzogen und gehorsam“ sei. Für Diekmann steht daher fest: „Die vom Landkreis Schaumburg 2005 erlassene satzung dürfte hinsichtlich des Anleinzwangs rechtswidrig sein.“ Denn der Kreis als Satzungsgeber könne nicht willkürlich Vorschriften erlassen. „Beispielsweise“, so der Rechtsanwalt, „kann er nicht reglementieren, dass Erholung suchende Bürger den Wald nur zu bestimmten Tageszeiten betreten dürfen“.
Kommt erschwerend hinzu: „In Bad Eilsen und Bückeburg können Hunde durch den ganzjährigen Leinenzwang nicht mehr artgerecht gehalten werden“, betont Diekmann und sieht auch einen Verstoß gegen Bestimmungen des Tierschutzgesetzes. Den gerade das frei Laufen lassen von Hunden gehöre zu deren artgerechter Haltung.
Mit dem Landkreis Schaumburg liegt er ob des Erlasses bereits quer. Denn für den Juristen hatte das bisherige Fehlen der „Landschaftsschutzgebiet“-Bleche mit dem Zusatz „Hunde sind ganzjährig an der Leine zu führen“, böse Folgen: Er und seine Frau, die Rechts- und Fachanwältin Ute Diekmann, waren im Februar 2010 mit einem Jagdpächter aneinander geraten, als beide ihren Hund im Harrl frei laufen ließen. Damals herrschte schon – seit 2005 – ganzjähriger Leinenzwang. Das wusste zwar der Jagdpächter, der die Juristen zurechtwies – die aber wussten es ebenso wenig wie ungezählte andere Hundehalter, die es ihnen gleich taten. Im Harrl indes kam es im Februar 2010 zum Streit. Ein Wort gab das andere. Am Ende musste sich die Staatsanwaltschaft Bückeburg mit dem Fall befassen.
Der Landkreis blieb derweil nicht untätig, leitete gegen die Diekmanns ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen die Landschaftsschutzverordnung Harrl ein – und drückte ihnen ein Verwarngeld in Höhe von 35 Euro aufs Auge. Denn das freie Laufen lassen von Hunden ist eine Ordnungswidrigkeit, die mit Geldbuße geahndet werden kann – im Extremfall können das bis zu 25 000 Euro sein.

Mehr morgen in der LZ/SZ.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare