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Erstaunenüber "Dame aus dem Frankfurter Raum" mit Biet-Option über eine halbe Million Euro

250 000 Euro für Luthers Papst-Spott erzielt

Hagenburg (jpw). Luthers Papst-Spott aus der Cranach'schen Werkstatt in Wittenberg hat eine Käuferin gefunden. Auktionator Karl-Heinz Frantz hat am Sonnabend - dem zweiten Tag der 43. Auktion im Schloss Hagenburg - einem tags zuvor eingegangenen Gebot einer "Dame aus dem Frankfurter Raum" über 250 000 Euro ohne weitere Versteigerung den Zuschlag gegeben.

Gleich fällt der Hammer: Auktionator Karl-Heinz Frantz mit einem

Spannung lagüber der Auktion - aber der Höhepunkt währte nur wenige Momente. Bereits als Frantz das Gebot von 250 000 Euro verkündet hatte, regte sich im Saal des Schlosses Hagenburg keine Bieterhand mehr. Auch die telefonisch zugeschalteten Interessenten blieben stumm. Überraschung war unter dem zum Teil von weither angereisten Publikaum spürbar. Ursprünglich ausgeschrieben war das Stück mit der Nummer 1053 für 2500Euro. Viele Besucher der Auktion, die eine solche Summe nicht erwartet hatten, reagierten sogar hörbar erstaunt. Die zehn Holzschnitte aus der Cranach'schen Werkstatt mit den Schriften Martin Luthers wechselten somit innerhalb kürzester Zeit den Besitzer. Ohne weitere Gebote konnte Frantz "zum Dritten" den Hammer fallen lassen. "Die Dame hatte bei der Kunstmesse TEFAF in Maastricht von den Drucken gehört und sich mit uns in Verbindung gesetzt", sagte Frantz anschließend auf Anfrage. Sie wollte mit ihrem Gebot verhindern, dass die Drucke - die unter anderem den Papst auf einer Wildsau reitend und mit Eselskopf zeigen - auseinander gerissen und einzeln verkauft würden. Von ihr wurde auch die Vermutung geäußert, dass es sich bei dem Hagenburger Exemplar des "Ortus et Origo Papae" wegen der Zusammenstellung und Kolorierung um das Handexemplar Martin Luthers oder Cranachs gehandelt haben dürfte. "Ich hatte von ihr eine Bietoptionüber 500 000 Euro bekommen", berichtete der Auktionator. Wäre die Summe noch weiter gestiegen, hätte sie telefonisch weiter mitgesteigert, sagte er. Vor der Versteigerung hatten dem Auktionshaus mehrere Gebote zwischen 1300 und 150 000 Euro vorgelegen. Der Kunsthandel sei aber später ausgestiegen. Frantz wird das Büchlein selbst bei der neuen Besitzerin abliefern. Immerhin handelt es sich nach einem Gemälde für 85 000 Euro, das im vergangenen Jahr der russische Staatspräsident Putin in Hagenburg kaufen ließ, um den mit Abstand höchsten Erlös für das Auktionshaus. Aber auch sonst zeigte sich Frantz mit seiner 43. Auktion sehr zufrieden. Insgesamt 2700 Artikel seien angeboten worden. Einige historische Bücher hätten Preise zwischen 7000 und 10 000 Euro erzielt. "Eine japanische Jugendstil-Vase, die im Katalog mit 450 Euro ausgeschrieben war, hat 4000 Euro gebracht", freute sich der Auktionator. "Das Ehepaar aus Asien hat sich bei mir für das sehr gute Geschäft bedankt."

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