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26-jähriger Münderaner fälschte Rechnungen, um Milliardenprojekt im Emdener Hafen zu finanzieren

10 Millionen Euro Steuern hinterzogen

Bad Münder/Osnabrück (mari). Er vertraute ihm blind: Der 26-jährige Münderaner Viktor T. wollte zusammen mit einem Bekannten am Emdener Hafen eine Getreidemühle bauen. Investitionsvolumen: eine Milliarde Euro. Statt eines florierenden Gewerbebetriebs hat der 26-Jährige nun ein massives Problem. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, mehr als 10,2 Millionen Euro Steuern hinterzogen zu haben.


Vor dem Landgericht Osnabrück hat jetzt der Prozess gegen den 26-jährigen Münderaner und seinen 66-jährigen Kumpanen begonnen. Der Münderaner, offizieller Geschäftsführer der Mühlenprojekt-Firma, ist geständig – wälzt die Hauptschuld aber auf den 66-Jährigen ab. Der habe alle Fäden gezogen, er dagegen sei nur sein Handlanger gewesen. Bei dem 66-Jährigen handelt es sich um einen Mann aus Melle, der derzeit in der JVA Oldenburg sitzt.

„Er hat mich offenbar ganz bewusst ausgesucht“, sagte der 26-Jährige laut Neuer Osnabrücker Zeitung am ersten Verhandlungstag über seinen Mitangeklagten. Sein Geschäftspartner habe seine steuerliche und buchhalterische Unerfahrenheit schamlos ausgenutzt und ihm von seinen bisherigen Erfolgen vorgeschwärmt. So glaubwürdig, dass er schließlich von dem Mühlenprojekt im Emdener Hafen „regelrecht infiziert“ gewesen sei. „Es war wie ein Virus.“

In der „Getreideveredelungsanlage“ sollte Weizen gemahlen werden. Der Clou: Aus der anfallenden Kleie wollten die beiden Geschäftspartner in einer thermischen Verbrennungsanlage Strom erzeugen. Eine ausgefallene Idee hatte das Gespann aber auch für die Anschubfinanzierung des Projektes: Die Männer „zogen“ Umsatzsteuer. Dafür fälschte das Duo laut Staatsanwaltschaft in sieben Fällen Rechnungen und reichte sie beim örtlichen Finanzamt ein. Die Männer forderten von der Behörde mehr als 10,2 Millionen Euro, 665 152 Euro wurden ihnen tatsächlich ausgezahlt.

Er habe sich anfangs nicht über die staatliche Finanzhilfe gewundert, so der 26-Jährige laut Neuer Osnabrücker Zeitung. „Ich hatte nie das Gefühl, dass irgendetwas nicht richtig ist“ – schließlich habe das Finanzamt ja die Sachen geprüft. Erst als die Behörde anfing nachzuhaken, sei ihm klar geworden, „dass irgendwas nicht mit rechten Dingen zugeht.“ Er glaube, dass sich der 66-Jährige mit dem Geld ins Ausland absetzen wollte.

Der 66-Jährige schweigt bislang zu den Vorwürfen. Für den Prozess vor der Zweiten großen Strafkammer sind zwölf Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil soll am 27. Januar verkündet werden.

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