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Springerin tanzt zu EM-Gold

SPRINGE. „Ihr seid doch völlig irre!“: Shirley Dörries‘ Begeisterung hielt sich in Grenzen, als ihre neuen Sportkollegen sie zum Start bei den unabhängigen Tanz-Europameisterschaften überreden wollten. Die 42-jährige Springerin ließ sich aber doch überzeugen – es hat sich gelohnt.

Mit Schleppe an den Shorts zum EM-Titel: Shirley Dörries kurz vor ihrem Start in der Umkleidekabine.
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Marita Scheffler Redakteurin zur Autorenseite

Mit einer Gold- und einer Silbermedaille aus ist sie aus Berlin zurückgekehrt. Ein Mal Latein-Europameisterin, ein Mal Vize-Europameisterin, außerdem ein 5. Platz: Shirley Dörries und ihre Tanzpartnerin Minje Afheldt aus Hannover haben bei den etwas anderen Meisterschaften ordentlich abgeräumt. „Und wir hatten auch noch tierisch Spaß“, erzählt die 42-Jährige, die zwar seit ihrer Konfirmationszeit engagiert tanzt („Unser großes Vorbild war Dirty Dancing“), aber eigentlich keine Wettkämpfe bestreiten wollte.

Die Springerin ordnete im vorigen Jahr ihr Leben neu und zog nach Hannover. So ohne Haus und Garten habe sie überlegt: „Was machst Du jetzt eigentlich mit Deiner freien Zeit?“ Sie erinnerte sich an ihr früheres Hobby Tanzen: „Angefangen hatte es mit dem klassischen Paartanz in der damaligen Tanzschule Meyer, später habe ich dann zwölf Jahre Riverdance bei Jendrock gemacht.“

Sie wurde auf eine Tanz-Kooperation vom TK Hannover und dem hannoverschen Verein „Tanzart“ aufmerksam. Die Formation wird – Zufälle gibt’s – von der Springerin Sigrid Dorschky betreut und bringt Rollstuhlfahrer und Fußgänger zusammen. Die reine Frauengruppe eröffnete Dörries, dass sie für die Europameisterschaften trainiert. „So ein Schreck“, erinnert sich Dörries. „Uns blieben nur noch sieben Monate Zeit zum Trainieren.“ Die ersten Probestunden seien so vielversprechend gewesen, dass sie doch zusagte.

Außerdem: Die unabhängigen Meisterschaften sind vor allem bunt statt bierernst. Im Gegensatz zu klassischen Turnieren richten sie sich ausschließen an reine Männer- oder Frauenpaare. „Equality-Tanzsport“ heißt das offiziell.

Zusammen mit der 56-jährigen Minje Afheldt schrieb sich Dörries schließlich auch als Paar ein. Das Ergebnis der ersten Sichtungsrunde in Berlin: Das Duo wurde in der Klasse D eingruppiert, der untersten Klasse. Weil das gemeinsame Alter der beiden Frauen über 90 Jahren liegt, durften sie zusätzlich auch bei den Senioren starten.

In der Latein-Hauptgruppe gelang Dörries/Afheldt in ihrer Kategorie auf Anhieb der Vize-Europatitel. Bei ihrem Start im Seniorenfeld erreichten die beiden Frauen sogar Gold und qualifizierten sich damit auch noch für die C-Gruppe. „Da haben wir uns dann beim Jive ganz böse verhackt, an der eigentlich einfachsten Stelle“, erzählt Dörries lachend. Trotzdem reichte es am Ende für den 5. Platz.

Die Rollstuhlfahrer-Fußgänger-Formation, mit der in Hannover alles anfing, landete auf dem 6. Rang. Sigrid Dorschky kehrte selbst ebenfalls mit einer Silbermedaille (Standard, D-Klasse) und einem sechsten Platz bei den C-Senioren zurück. Dazu gab es noch etliche andere Platzierungen für die Gruppe. „Wir haben ganz ordentlich abgeräumt“, lautet denn auch Dörries Fazit. Jeden Sieg habe die Mannschaft mit Jubelgesängen und Sekt gefeiert: „Die Atmosphäre war so toll. Wir hatten schnell eine ganze Fangemeinde um uns geschart.“

Es werden nicht die letzten Meisterschaften für Dörries gewesen sein: Die offenen Europameisterschaften des Equality-Tanzsports finden im kommenden Jahr in Paris statt. „Da würde ich schon gerne hin.“

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