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Sportabzeichen in Springe vor dem Aus?

SPRINGE. Mehr als 500 Springer machen jeden Sommer das Sportabzeichen. Doch der große Fitnesstest steht vor dem Kollaps: Es gibt keinen neuen Stützpunktleiter, der das Amt zum Jahreswechsel von Marlis Bormann übernehmen möchte.

Seit 2004 die Stützpunktleiterin für das Sportabzeichen: Marlis Bormann. Foto: mari

Der 75-jährigen Bormann ist die Situation erkennbar unangenehm. Um im Januar 2018 in den Ruhestand gehen zu können, hatte sie sich frühzeitig um einen Nachfolger bemüht. „Schon im vergangenen Jahr habe ich mit der Suche begonnen“, erzählt die Frau, die es gerne gut organisiert mag und ihr Ehrenamt mit extrem viel Energie und zeitlichem Einsatz ausübt.

Ein geeigneter neuer Sport-Obmann habe ihr damals fest zusagt, ihr Erbe anzutreten. Doch dann, sagt Bormann, habe er vor sechs Wochen plötzlich vor ihrer Tür gestanden und aus persönlichen Gründen zurückgezogen.

Bormann hat die Zwischenzeit genutzt, um Dutzende neue Kandidaten anzusprechen. „Viele sind zur Hilfe bereit“, fasst sie zusammen, „die Verantwortung übernehmen möchten sie aber nicht“. Lediglich ein Interessent überlege noch. „Wenn sich niemand findet, ist es passé“, macht die 75-Jährige deutlich.

Sie würde künftig das Team der Abnehmer unterstützen, die in der Sportabzeichen-Saison mittwochs und sonntags auf dem Aschenplatz am Schulzentrum Süd stehen und die Zeiten und Weiten der Sportler messen. „Wenn es nach mir geht, würde ich sogar als Leiterin weitermachen“, lässt sie durchblicken, wie sehr ihr das Amt am Herzen liegt. „Aber ich muss definitiv aufhören.“ Nach einem Schlaganfall im Frühjahr musste sie ihrer Familie hoch und heilig versprechen, künftig kürzer zu treten und ihr angekündigtes Ausscheiden in jedem Fall umzusetzen – auch wenn das am Ende bedeute, dass das Kapitel „Aktion Springer Sportabzeichen“ nach 51-jähriger Tradition zugeschlagen wird.

August Warnecke hatte die vergnügliche Sportstunde in den 60er Jahren ins Leben gerufen. Die Boomzeit begann, als Eva Reichelt 1977 eine Hausfrauengruppe ins Leben rief und junge Frauen – zu denen auch Marlis Bormann gehörte – mittwochs um 9 Uhr auf dem Sportplatz begrüßte. Bis dahin hatten fast nur Männer vom TGV (der damals zu den Sportfreunden Springe gehörte) trainiert. „Anfangs waren wir nur fünf Frauen. Dann wurden es von Jahr zu Jahr mehr“, erinnert sich Bormann.

Mittlerweile stellen sich jeden Sommer 150 bis 160 Erwachsene und mehr als 200 Kinder der sportlichen Herausforderung. Dazu kommen weitere aktive Gruppen aus den Ortsteilen. Allein in Gestorf haben in diesem Jahr 65 Kinder und Erwachsene die Anforderungen in den Bereichen Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Koordination geschafft.

Sollte sich noch ein neuer Stützpunktleiter finden, kann der auf ein eingespieltes Team von elf Übungsleitern zurückgreifen. „Damit sind wir gut aufgestellt“, so Bormann. Um den Einstieg zu erleichtern, schlägt sie vor, die Saison zusammenzustreichen. Sowohl die Trainingstermine im Mai als auch die in der zweiten Septemberhälfte seien verzichtbar. Um Kurs auf Gold, Silber und Bronze zu nehmen, würden der Juni, Juli und August ausreichen.

Das Training ist für die Sportler kostenlos. Lediglich für das Ausstellen und Verschicken der Urkunden fällt eine kleine Gebühr an. Die Aufgabe des Obmanns und seiner Helfer sind Ehrenämter im Wortsinn; so, wie sie mittlerweile selten geworden sind: Es gibt keine Aufwandsentschädigung, allein der Spaß am Sport steht im Vordergrund. Die Arbeit sei dennoch eine Bereicherung, sagt Bormann, die die Bewegung seit 2004 anführt – und für ihr Engagement den Ehrenamtspreis der Springer Sportgala 2014 erhielt. Jeder Termin auf dem Sportplatz werde mit „unheimlich netten Begegnungen“ entlohnt: „Am Ende überwiegt immer das Positive. Ich habe die Zeit genossen.“

mari

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