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„Antiterrorkampf“ beim Budo SC verzichtet auf fernöstliche Philosophie und setzt auf Effektivität

Selbstverteidigung – nicht mehr, nicht weniger

Kampfsport (jab). Asiatische Formen der Selbstverteidigung haben malerische Namen: Karate etwa heißt „leere Hand“, Jiu-Jitsu bedeutet „sanfte Kunst“. Die Techniken in den asiatischen Kampfkünsten sehen auch elegant aus. Die deutsche Selbstverteidigungsvariante, die beim Budo SC Springe seit 1980 trainiert wird, trägt weder einen poetischen Namen, noch ist sie filigran. „Antiterrorkampf“ (ATK) ist dafür effektiv.

Gekonntes Fallen gehört wie bei jeder Selbstverteidigung zum Tra

Antiterrorkampf – das klingt wie die Ausbildung von Spezialeinheiten bei der Polizei. „Am Anfang hieß es sogar noch Terrorkampf“, sagt Reinhard Weber, ATK-Pionier und Spartenleiter beim Budo SC. Im „Deutschen Herbst“, als die RAF-Anschläge das Land in Atem hielten, kam das „Anti“ dazu.

Die Grundtechniken des ATK, der vom Deutschen Horst Weiland in den 1960er- Jahren entwickelt wurde, sind den asiatischen Kampfkünsten entliehen. Anders als bei Karate und Co. stecken aber keine Philosophien oder Weltanschauungen dahinter.

Das heißt nicht, dass beim ATK tumbe Schläger ausgebildet werden. Beim Budo SC gehen sie dennoch ganz auf Nummer sicher: „Alle Erwachsenen, die bei uns Mitglied werden, müssen ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen“, sagt Weber. Das sei bei anderen Kampfsportarten erst vor Schwarzgurt-Prüfungen üblich.

Budo-SC-Vorsitzender Henning Haake (l.) demonstriert mit Philipp
  • Budo-SC-Vorsitzender Henning Haake (l.) demonstriert mit Philipp Lambrecht die Abwehr eines Messerangriffs.

Das ATK-Konzept setzt da an, wo es dem Angreifer wirklich wehtut: „Kehle und Haare sind gute Ansatzpunkte“, sagt Weber. Bei Angreifern ohne Haare würden sich auch die Ohren eignen. Schlag-, Reiß- und Wurftechniken gibt es beim ATK. Wichtigstes Element ist aber der Druck auf empfindliche Nervenpunkte, um den Gegner auszuschalten.

Auf verschiedene Angriffsarten, etwa mit Messer, Stock oder Pistole, gibt es vorgeschriebene Abwehren, die in den Gurtprüfungen gezeigt werden müssen. Das Farbsystem funktioniert wie bei anderen Budo-Sportarten: Anfänger tragen weiße, Meister schwarze Gürtel. Wettkämpfe gibt es allerdings nicht: „Die Verletzungsgefahr wäre zu groß“, sagt BSC-Vorsitzender Henning Haake.

Etwa 20 Teilnehmer kommen zum ATK-Training des BSC ins Schulzentrum Nord (mittwochs, 19.45 Uhr). Anwenden musste es noch keiner von ihnen. „Und es ist auch noch keiner gekommen, weil er mal schlechte Erfahrungen gemacht hat“, sagt Weber.

Das gilt auch für Lea Behnsen. „Was mir gefällt ist, dass Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit trainiert werden. Nebenbei hat man auch den Aspekt der Selbstverteidigung.“

Der Budo SC bietet neben ATK auch Jiu-Jitsu an: Anfänger trainieren mittwochs ab 18.30 Uhr, fortgeschrittene Kinder und Erwachsene montags ab 18.15 Uhr.

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