weather-image
Vor dem Derby: Was spricht für den FC Eldagsen, was für den FC Springe? / Eine Analyse

„Mittelloser Dorfklub“ gegen „arrogante Springer“

Fußball (jab). Es ist wieder Derbyzeit. Am Sonnabend, 14 Uhr, empfängt der FC Eldagsen den FC Springe zum Knüller des 14. Spieltags in der Bezirksliga 4. Vor der Saison wäre klar gewesen: Springe ist Favorit. Doch klar ist in dieser Saison gar nichts, Überraschungen gibt es an fast jedem Wochenende. Wer hat also die größeren Siegchancen – eine Analyse.

Im Bezirkspokalspiel trafen der FC Springe und FC Eldagsen (3:5)

Der direkte Vergleich

2008 siegte Eldagsen bei der Stadtmeisterschaft deutlich 4:1. Auch in der ersten Runde des Bezirkspokals der vergangenen Saison waren sie Favorit, ließen sie sich von den Springern aber überrumpeln und gingen 1:4 unter. In dieser Saison gewann Springe beim Stadtpokal knapp und verlor im Bezirkspokal klar mit 3:5 – keine Tendenz erkennbar.

Die nackten Zahlen

Die letzten neun Spiele hat Eldagsen nicht verloren, gewann zuletzt fünf Mal in Folge mit 20:2 Toren. Mit dieser Serie sind sie auf Rang drei geklettert, nur einen Punkt hinter Spitzenreiter Tündern. 32:16 Tore stehen insgesamt zu Buche, mehr Tore hat nur Nienstädt (36) geschossen, weniger nur Tündern (12) und Leveste (15) kassiert. Springe kommt erst in Fahrt, gewann zuletzt drei Mal hintereinander mit 10:2 Toren. Damit hat sich der FCS (24:21 Tore) als Achter im Mittelfeld etabliert – die Zahlen sprechen eindeutig für Eldagsen.

Die Kader

Der des FC Eldagsen ist schmal, aber eingespielt. Der Großteil der Mannschaft spielt seit Jahren zusammen. Manko: Den vielen jungen Spielern fehlt die Routine – die machen sie allerdings durch Leidenschaft wett. Mit André Gehrke hat Eldagsen den überragenden Individualisten der Liga in seinen Reihen, der das Spiel lenkt, vor dem Tor eiskalt und an fast allen Treffern beteiligt ist – und sich darüber hinaus nicht zu schade ist, Drecksarbeit in der Defensive zu übernehmen. Dabei wird er defensiv kongenial abgesichert von den Sechsern Matthias Hüsam und Benjamin Rathe.

Ein Regisseur vom Kaliber Gehrkes fehlt den Springern. Vom Typ her ist Sönke Wyrwoll ihm noch am ähnlichsten. Auch Wyrwoll rackert unermüdlich, der Knoten als Vollstrecker ist allerdings erst in den letzten drei Spielen geplatzt (fünf Treffer). Dafür haben die Springer weit mehr Routine in ihren Reihen, allein fünf Spieler waren vor zwei Jahren noch in der Oberliga aktiv. Besonders in der Abwehr und im defensiven Mittelfeld sind sie bärenstark besetzt und mittlerweile auch eingespielt – das kann dem Gegner, besonders wenn sein Spiel so stark auf eine Person zugeschnitten ist, schon einmal die Spielfreude rauben. Kleiner Vorteil für Springe.

Die Motivation

Die Eldagsener pflegen ihr Image als mittelloser Dorfverein, dessen sportlicher Erfolg allein auf der guten Kameradschaft beruht. Neidisch auf den FC Springe ist dort offiziell niemand, aber Seitenhiebe auf das – glaubt man den Eldagsener Theorien – immer offene Scheckbuch der Springer kann sich kaum ein Spieler verkneifen. Mehr Motivation ist für die Gelbschwarzen nicht nötig – und wohl auch nicht nötig. Die „arroganten Springer“, so der Titel einer inoffiziellen Vereinshomepage, nehmen die Seitenhiebe aus der Senfstadt lächelnd hin im Wissen, in den vergangenen Jahren immer die erfolgreichste Fußballmannschaft der Deisterstadt gestellt zu haben – und sie glauben zu wissen, dass auch in Eldagsen nicht nur für eine Kiste Bier nach dem Spiel und ein warmes Essen ab und zu gespielt wird. So denkt sich jeder seinen Teil über den anderen. Fakt ist allerdings, dass in Eldagsen ein großer Teil der Mannschaft schon seit der Jugend schwarz-gelb trägt, während in Springe kaum noch Eigengewächse dabei sind. Vorteil Eldagsen.

Fazit

Die Vorzeichen sprechen für Eldagsen. Das hat in dieser verrückten Saison allerdings nicht viel zu bedeuten. Das ist gut so, denn unter anderem diese Unberechenbarkeit gibt dem Derby doch erst die Würze.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare