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Eimbeckhäuser Radprofi kann sich in seinem dritten Profijahr erstmals ganz auf Sport konzentrieren

Mike Willam weiß: Eine Steigerung muss her

Radsport (jab). Sein Rennrad hat Mike Willam, U23-Profi aus Eimbeckhausen in Diensten des Thüringer Energie-Teams seit vier Wochen nicht angefasst. „Nicht mal angeguckt“, wie er zugibt. Die Saison ist beendet, den ganzen Oktober über war Trainingspause. Am Montag geht es aber wieder los, dann kommt das Team in Erfurt wieder zusammen und steigt ins Wintertraining ein, um die Grundlagen zu legen für eine Saison, „die hoffentlich so erfolgreich wird, wie die letzte“.

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Alle drei Deutschen U23-Meistertitel auf der Straße gingen 2010 an die Thüringer. „Das bestätigt auch meine Arbeit“, sagt Willam, der selbst in den Ergebnislisten zumeist unter ferner liefen auftaucht, sich in den Dienst der Mannschaft stellt: „Solche Titel kann kein Fahrer alleine gewinnen“, sagt er. Willam verhalf etwa John Degenkolb, der zu Columbia wechseln wird, zum Einzeltitel, indem er mit drei anderen die Führungsarbeit übernahm, um das Feld an zwei Ausreißer heranzufahren, die zwischenzeitlich schon zehn Minuten Vorsprung hatten.

Ganz zufrieden war er mit der Saison aber nicht. Erst konnte er wegen seiner Abiturprüfungen nicht voll trainieren, im Sommer zwang ihn ein Sturz bei einem Vorbereitungsrennen in Braunschweig zu einer dreiwöchigen Pause. Er kämpfte sich aber wieder heran. Bei der zehntägigen Bulgarienrundfahrt in sengender Hitze im September beendete er eine Etappe als Siebter. „Das hat mir gezeigt, dass ich noch Rad fahren kann“, sagt Willam, der am vorigen Sonntag seinen 20. Geburtstag feierte. Beim 270-Kilometer-Rennen Prag-Karlsbad-Prag wurde er bei strömendem Regen 25. und war zufrieden, „weil von 150 Startern nur 50 ins Ziel kamen“.

„Wenn ich da im nächsten Jahr weitermache, habe ich gute Chancen, gute Ergebnisse einzufahren“, sagt er. Es wird Zeit, das weiß er selbst. „Wenn im nächsten Jahr keine Steigerung kommt, muss ich mich fragen, inwieweit es noch Sinn macht, auf diesem Level zu fahren.“

In seinen ersten beiden Profi-Jahren war er jeweils schon in der Vorbereitung wegen Krankheit oder der Schule zurückgeworfen worden. Das soll jetzt anders werden: „In der nächsten Saison kann ich mich ganz auf den Sport konzentrieren“, sagt er. Am Montag beginnt nicht nur das Training, sondern auch sein Zivildienst am Olympiastützpunkt in Erfurt, der ihn für Trainingslager und Rennen freistellt.

Willam macht sich aber darüber hinaus Gedanken um seine Zukunft. In der Trainingspause hat er ein Praktikum in einem Hotel in Hannover absolviert. Denn irgendwann wird er zu alt sein, um professionell Rad zu fahren. Und: „Mal sehen, wie sich der Radsport entwickelt. In Deutschland ist er ja schon fast am Boden. Viele Skandale hält er nicht mehr aus.“

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