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36. Jahrestreffen der Ehrenamtlichen und Trainer im Turngau Springe / Skepsis zu DTB-Bestrebungen

„Leistungsturnen wird an den Rand gedrückt“

Turnen. Es hat schon Tradition und fand jetzt zum 36. Mal seit der Gebiets- und Verwaltungsreform 1973 in Bad Münder statt und ist jährlicher Treffpunkt einstiger Turngrößen, Übungsleiter und Funktionäre – das Jahrestreffen der Altkreis-Turner. Organisator Horst Iwanofski hatte eingeladen und von Messenkamp nach Bad Münder und über Springe bis nach Eldagsen war der Kreis der Ehemaligen nach Bad Münder gekommen.

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Autor:

Dieter Gömann

Da wurde einmal mehr die Vergangenheit zu Zeiten des eigenen Turngaus im Kreissportbund Springe in Erinnerung gerufen, die Gegenwart mit den Problemen um das deutsche Turnwesen und die angeblich modernen Entwicklungen und Bestrebungen des Deutschen Turnerbundes (DTB) mit Skepsis betrachtet.

Horst Iwanofski (Springe), einst Lehr- und Kampfrichterwart und Leiter der Kreisturnschule Männer, rückte die aktuelle Lage des deutschen Kunstturnens nach der WM in Tokio in den Mittelpunkt.

Schnell aber war der Blick an die Basis gerichtet, wo Inge Lohmann (MTV Messenkamp) darauf verwies, dass das Turnen im Verein sich nur noch auf eine Teilnahme mit Spaß an der Bewegung reduziert habe. „Turnen als Leistungssport wie einst mit unserer Ute Maiwald findet einfach nicht mehr statt.“ Marga Copey (TuSpo Bad Münder), die mit 80 Jahren die goldene „55“ des Sportabzeichens erworben hat, pflichtete ihr bei: „Das heutige Kinderturnen ist nur noch eine Beschäftigung an den Geräten. Turnen ist nicht mehr so attraktiv wie früher. Das Erlernen eines Felgumschwungs, -aufschwungs oder einer Laufkippe dauert seine Zeit, und dafür zeigen die Kinder keine Ausdauer. Eine gewisse Leistung zu erbringen, ist hintenan gestellt.“

Und noch einmal Iwanofski, der mit seiner Feststellung für die Teilnehmer den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. „Links und rechts vom eigentlichen Turnen wird zu viel anderes angeboten. Das echte Leistungsturnen wird an den Rand gedrückt und kommt in unseren Vereinen einfach zu kurz.“

So habe sich vor wenigen Wochen ein Hauptberuflicher des Niedersächsischen Turnerbundes (NTB) damit gerühmt, dass jetzt die 100. Randsportart unter dem Deckmantel Turnen angeboten werde.

Joachim Kühn (MTV Friesen Bakede) warf in die Runde: „Wer Leistungsturnen betreiben will, muss sich quälen können. Und dazu gehört auch die Unterstützung des Elternhauses.“

„Schon im Schulsport der Grundschule findet Turnen nicht statt, und dieses Versäumnis können die Vereine nicht kompensieren. Es gehören immer beide Seiten dazu“, stellte Eva Reichelt (Kneipp-Verein Springe) fest.

Die abenteuerliche Fahrt und der Aufenthalt beim Deutschen Turnfest 1958 in München kam genauso zur Sprache, wie Siegfried Mießler (SC Bison Calenberg), der die Situation des Vereins um die abgebrannte Bison-Sporthalle in Springe darstellte.

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