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Ein Mann kämpft gegen das Fett

SPRINGE. Von der Couch-Potatoe zum Iron-Man. Diesen Weg sind schon einige gegangen. Das Besondere beim Springer Daniel Wittlake: Er hat den Langdistanz-Triathlon ohne Umwege über kleinere Wettbewerbe in Angriff genommen – mit 160 Kilogramm Gewicht.

Daniel Wittlake auf der Radstrecke beim Iron-Man in Frankfurt. Nach 60 Kilometern muss er aufgeben – gescheitert ist er aber nicht.
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Jan-Erik Bertram Redakteur zur Autorenseite

Am vorigen Wochenende startete er in Frankfurt. Auf der Radstrecke musste er wegen Kniebeschwerden aufgeben – als gescheitert sieht er sich aber nicht an.

„Ich war schon immer übergewichtig“, erzählt Wittlake, „als ich als 16-Jähriger mit Computerspielen angefangen habe, bin ich richtig auseinandergegangen.“ Gesundheitliche Beschwerden hatte der heute 28-Jährige allerdings nie – bis 2015. „Da fing es an mit Knie- und Gelenkschmerzen“, erinnert er sich.

Viele Diäten waren bis dahin gescheitert, „deshalb wollte ich ein zusätzliches Ziel“, sagt Wittlake. Gemeinsam mit seinem – normalgewichtigen – besten Freund Simon Kolle beschloss er, sich für den Iron Man in Frankfurt anzumelden. „Auf Triathlon sind wir gekommen, weil Schwimmen und Radfahren für die Gelenke unbedenklich sind“, sagt Wittlake. Warum aber die Langdistanz, immerhin 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und ein Marathon-Lauf? „Weil man das ohne Training nicht schaffen kann“, erklärt er.

Der Weg war gewissermaßen das Ziel. Und der letzte Auslöser ihn zu gehen, war ein viermonatiger Krankenhaus-Aufenthalt im vorigen Jahr – Entzündungen in Sprunggelenken und Knien.

Danach ändert Wittlake sein Leben radikal. Von seinem Arbeitgeber, der DRK-Rettungswache in Hameln, lässt sich der Rettungssanitäter beurlauben, im Januar zieht er mit seinem Kumpel Kolle in eine WG in Hannover. 206,5 Kilogramm wiegt er zu der Zeit. Statt Job bestimmt nun der Sport seine Tagesstruktur. Fünf Stunden täglich trainiert er – Schwimmen und Radfahren. „Joggen könnte ich nicht bei meinem Gewicht. Den Marathon wäre ich gewalkt“, erzählt er. Bevor er sein Training startete, hatte er sich von Ärzten durchchecken lassen. Zusätzlich beginnt er eine Stoffwechseldiät, verzichtet auf Kohlehydrate, Zucker und Fett.

Auf seiner Website www. manfightsfat.com teilt Wittlake seine Erfahrungen, erhält viel Zuspruch etwa von Trainern und Physiotherapeuten. „Ohne diesen Unterstützungsapparat wäre es nicht gegangen.“ Auch Freunde und Familie helfen ihm aus so manchem Tief. Wittlake gibt zu: „Unbedingt Lust habe ich nicht, ich muss mich immer überwinden.“

Dennoch schafft er es, 45 Kilogramm abzunehmen – und gemeinsam mit Kolle in Frankfurt zu starten. „Das Event war der Hammer“, sagt er. Freunde und Familie waren zum Anfeuern da, Sportler, die ihn überholten, zollten ihren Respekt. Doch das Knie hatte schon zwei Wochen vor dem Wettkampf begonnen, Probleme zu bereiten – nach 60 Kilometern auf dem Rad war Schluss. So konnte er seinen Freund Simon Kolle beim Zieleinlauf anfeuern. „Da will ich nächstes Jahr auch hin“, sagt er. Angemeldet für den Iron Man 2018 hat er sich schon.

Bald fängt Wittlake wieder an in seinem Job. Sein Training wird er reduzieren müssen, „aber Zeit habe ich noch genug – die hatte ich früher fürs Computerspielen ja auch“, sagt er. Und auch, dass bei seinem Ironman-Projekt seine Ersparnisse draufgegangen sind, macht ihm nichts: „Hätte ich so weiter gemacht wie vorher, hätte ich in spätestens zehn Jahren im Rollstuhl gesessen“, sagt er. „Wenn ich durch den Sport nur ein Jahr Lebenszeit gewinne, kann ich das Geld locker wieder verdienen.“

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