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Die Baustellen des Springer Sports

Ja ja, das liebe Geld. Die wenigsten der knapp 10 000 in Vereinen organisierten Springer Aktiven verdienen mit ihrem Sport etwas. Und doch spielt Geld für alle – vom Spitzen- bis zum Breitensportler – irgendwie eine Rolle. Vor allem, weil es fehlt.

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Jan-Erik Bertram Redakteur zur Autorenseite

Da sind zum Beispiel die Handballer der HF Springe, die am Deister mit ihrer Herrenmannschaft – in der vorigen Saison noch in der 2. Liga – das Segment „Spitzensport“ besetzen. Gehälter, Reisekosten, Verbandsabgaben – das belastet die Kasse. „Über die Zuschauereinnahmen kriegen wir das Geld nicht zusammen“, sagt HF-Vorstand Matthias Herbst, „wir hatten in der 2. Liga die kleinste Halle von allen und auch deswegen die günstigsten Eintrittspreise.“

Was brauchen die Handballer also? Sponsoren. Aber potente Geldgeber sind auch nicht gerade üppig gesät in Springe. „Wir versuchen, die Jugend besser aufzustellen. Das wären günstigere Spieler“, sagt Herbst. Aber auch die Jugendarbeit koste Geld, für qualifizierte Trainer etwa.

Und der Breitensport? „Wir brauchen vor allem mehr Hallenkapazitäten“, sagt Detlef Richter, der Vorsitzende des TGV Springe. Seit die Bisonhalle vor fünf Jahren niederbrannte, fehle es an Platz. „Durch den Umbau zur IGS haben wir am Schulzentrum Nord auch nur noch einen Gymnastikraum“, sagt Richter.

Nicht nur für die Sportler werde es eng – auch für die Geräte. „Wir können nichts anschaffen, weil kein Platz da ist“, sagt Richter und nennt ein Beispiel: „Wir würden gerne große Gymnastikbälle kaufen. Aber da braucht man 20 Stück für eine Gruppe – wo soll ich die unterbringen?“

Der Verlust der Bisonhalle hängt vor allem der Rollhockeysparte des SC Bison nach. „Da kommen mir immer noch die Tränen“, sagt Bison-Chef Klaus Johansson, der nach wie vor auf den Wiederaufbau hofft: „Wenn sich die Chance bietet, vielleicht mit EU-Mitteln, sollte man sie ergreifen.“

Und dann ist da ja noch das Geld, das alle Vereine in Springe zahlen müssen – und das für die größten Diskussionen sorgt: die Sportstätten-Miete. „Wir werden gut unterstützt von der Stadt und arbeiten gut zusammen“, sagt Hans-Joachim Meier vom FC Springe, „aber auf die Gebühr sollte sie verzichten.“

Danach sieht es aber nicht aus: „Die Sportstätten müssen unterhalten werden, das kostet Geld. Deshalb ist die Gebühr notwendig. Das Geld wird ja auch in die Hallen investiert“, sagt etwa Uwe Mügge, der Vorsitzende des Schul-, Sport und Kulturausschusses. Tatsächlich ist die Stadt gerade dabei, die Beleuchtung in den Sporthallen auf kostensparende LED-Technik umzustellen. Im Schulzentrum Süd sind die Arbeiten so gut wie abgeschlossen, als letzte Halle wird in den Herbstferien die des Schulzentrums Nord umgerüstet. „Insgesamt kostet das knapp eine halbe Million Euro“, sagt Gabriele Tegtmeyer, Leiterin des städtischen Fachdienstes Schule und Sport, „ohne die Gebühr hätten wir das nicht machen können.“

Kurios: Während Rat und Fachdienst das Entgelt für alternativlos halten, ist Bürgermeister Christian Springfeld ein Gegner der Gebühr . „Die Stadt setzt sie nur um, unser Wunsch an die Politik ist es, die Sinnhaftigkeit der Sportstättennutzungsgebühr zu überdenken“, sagt Klaus Nagel, der Vorsitzende des Sportrings – der Dachverband der Springer Sportvereine hatte allerdings vor Kurzem am runden Tisch Sport die Gebühr noch mit abgesegnet.

Dass die Kapazitäten knapp seien, gibt Tegtmeyer zu, „aber es reicht so gerade eben“. Der Zustand der Hallen sei „nicht modern, aber zweckmäßig“. Konkrete Wünsche, etwa nach einer neuen Halle, würden an die Stadt nicht herangetragen. Auch nicht an den Sportausschuss, sagt Mügge.

Es dürfte daran liegen, dass den Vereinen die prekäre finanzielle Lage der Stadt durchaus bekannt ist. „Eine größere Halle wäre schön – aber das ist wahrscheinlich utopisch“, sagt etwa HF-Vorstand Matthias Herbst.

Eine Utopie, so Hans-Joachim Meier vom FCS, wäre etwa auch ein Kunstrasenplatz, wie sie in umliegenen Kommungen wie Gehrden und Hemmingen gerade gebaut wurden. „Aber ein Wunsch wäre es schon, den könnten die anderen Vereine der Stadt ja auch nutzen.“ Ein scheinbar utopischer Wunsch sei andererseits seinerzeit auch die neue überdachte Tribüne beim FCS gewesen – seit 2009 steht sie an der Westseite des Platzes an der Harmsmühlenstraße , „sie ist sogar schon abbezahlt“, so Meier.

Ähnlich lief es beim TSV Gestorf, der sich in Eigenregie eine neue Sportanlage baute. Das ist das Engagement, das sich Klaus Nagel mehr wünscht. „Man kann nicht immer nur Forderungen an die Gemeinschaft stellen“, sagt er. „Die vielen Ehrenamtlichen zeigen, dass man auch durch Eigeninitiative viel erreichen kann.“ Dieses ehrenamtliche Engagement verdiene aber auch Wertschätzung, sagt Nagel – und schlägt die Brücke zum Sportstättennutzungsentgelt: „Es wäre doch die einfachste Wertschätzung, wenn darauf verzichtet würde.“

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