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DHB-Pokal: Das Los mit dem Los

SPRINGE. Die Meinungen gingen auseinander. 533 Karten hatten die Handballfreunde Springe für den Halbfinaltag des DHB-Pokal-Turniers verkauft, an dem zuerst Nordhorn gegen Rostock und danach Springe gegen die Füchse Berlin spielten. „Für ein Pokalspiel gegen diesen Gegner finde ich das zu wenig“, sagte Matthias Herbst.

Die ganz große Kulisse war es nicht in Springe – 533 Zuschauer sorgten am Sonnabend dennoch für volle Ränge und eine gute Atmosphäre. Foto: Bertram
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Jan-Erik Bertram Redakteur zur Autorenseite

Sein HF-Vorstandskollege Dennis Melching war dagegen mit der Kulisse zufrieden: „Man darf ja nicht vergessen, dass jede Karte 25 Euro gekostet hat.“

Springe lag mit der Zuschauerzahl – zum Finale Berlin gegen Nordhorn am Sonntag kamen noch einmal 300 Handball-Fans – im Mittelfeld. Andere Ausrichter hätten sich über eine solche Kulisse gefreut. Der Modus, die erste Runde im Final-4-Modus auszurichten, steht auch deshalb in der Kritik. Denn er bedeutet für die Ausrichter hohen Aufwand – und oft wenig Ertrag.

Seit der Saison 15/16 treffen die 18 Erst- und 20 Zweitligisten sowie 24 Drittliga-Teams und die beiden Finalisten des DHB-Amateurpokals in insgesamt 16 Erstrunden-Turnieren aufeinander, in denen jeweils ein Achtelfinalist ermittelt wird. Das Recht, das Turnier auszurichten, liegt beim jeweils klassenniedrigsten Verein. Der muss allerdings den drei weiteren Teilnehmern die Anreise mit einem Euro pro Fahrtkilometer finanzieren sowie die Hallen- und Schiedsrichterkosten übernehmen. Den Erlös der Ticketverkäufe muss er nach Abzug der Kosten mit den anderen Teilnehmern teilen.

Da muss schon ein attraktiver Gegner kommen. Wie die Füchse Berlin. Die Springer hatten nicht lange überlegt, als das Los bekannt war. Sie überzeugten als Ausrichter zwar nicht mit einer proppevollen Halle, aber mit guter Stimmung – auch am Sonntag, als das Springer Team nicht mehr im Einsatz war – und rühriger Organisation. Das wussten auch auswärtige Fans zu schätzen. Im Online-Forum „handballecke.de“ etwa lobte ein Füchse-Anhänger die „aufopferungsvoll engagierte Handballabteilung eines Drittligavereins, die das ganze als Highlight organisiert hat. Selbst gebackener Kuchen und Bratwurst und gute Stimmung im Schulzentrum Springe-Süd. Kompliment an die Organisation, das war ein schöner Handballnachmittag. Und alle sind zu Recht stolz auf ihre Jungs.“

Im Norden nutzten mit Oberligist TuS Spenge und Drittligist TSV Altenholz nur zwei weitere unterklassige Klubs ihr Ausrichtungsrecht. Sie hatten die Traumlose THW Kiel und SG Flensburg-Handewitt gezogen – und freuten sich über volle Hallen.

Andere Erstligisten sind offenbar weniger attraktiv. GWD Minden etwa musste sein Turnier selbst ausrichten, weil die unterklassigen Teams TuS Ferndorf, Oranienburger HC und TV Emsdetten abwinkten. Insgesamt kamen keine 500 Zuschauer zu den drei Spielen in die Kampa-Halle – Minden dürfte draufgezahlt haben.

Die Ferndorfer hätten das Turnier wohl ausgerichtet, wenn sie geahnt hätten, dass sie für die größte Sensation der ersten Runde sorgen würden: Der Zweitliga-Absteiger siegte erst gegen Minden und dann auch noch gegen Zweitligist Emsdetten und steht als einziger Drittligist im Achtelfinale.

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