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Nach über 60 Jahren beim TSV Gestorf erhält Wilhelm Pelzer den DFB-Ehrenamtspreis

Der Uwe Seeler des TSV Gestorf

Bennigsen/Gestorf. „Ne! Er ist ja wirklich lieb und nett, aber noch einmal würde ich ihn nicht heiraten. So ein Mann kostet Nerven“, gibt Erika Pelzer mit Blick auf ihren gegenübersitzenden Ehemann Wilhelm unumwunden zu, wenn auch mit einem Augenzwinkern. Mit ihrem Willi hat es die Rentnerin durchaus nicht einfach, muss sie ihn doch schon seit Ewigkeiten mit dem TSV Gestorf teilen.


Auf Vorschlag des Turn- und Sportvereins erhält das treue Vereinsmitglied am heutigen Sonnabend den Ehrenamtspreis 2015 des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Für Pelzer eine Überraschung: „Ich hätte nie damit gerechnet. Ich verstehe gar nicht, wie die auf mich gekommen sind“. Der TSV Gestorf allerdings schon und der weiß, was er an dem 78-Jährigen hat.

1953 – nur drei Jahre nachdem er sein Heimatland Polen verlassen hatte, trat der Neu-Gestorfer der Fußballmannschaft des Vereins bei und spielte 39 Jahre für sie. „Bennigsen und Springe haben damals versucht, mich zu holen. Ich habe mich aber keine Minute damit beschäftigt, zu gehen. Ich war dort einfach immer zufrieden“, erinnert sich der ehemalige Mitarbeiter einer Gießerei.

Erst eine schwere Knieverletzung zwang Pelzer 1992 zum Ende seiner Fußballkarriere. Doch aktiv blieb er weiterhin und leitete Spiele fortan als Schiedsrichter. Der so eingeschlagene Weg führte ihn 1974 bis zum Amt des Schiedsrichterobmanns, das er 2014 aufgrund eines fehlenden Computers wieder abgab.

„Man musste dann anfangen, Spiele und Spielverläufe in den PC einzutippen. Da hatte ich aber keine Lust drauf“, gibt Pelzer zu und blieb auch zwei Jahre später seinen Prinzipien treu. „Ich habe noch immer keinen Computer. Wenn ich heute ein Spiel pfeife, ist immer jemand aus der Mannschaft da, der das für mich macht. Zur Not fahre ich zu meiner Tochter nach Wettbergen“, lacht der Alt-Altherrenfußballer mit neuem Kniegelenk. Die Schiedsrichterei und das Seniorenturnen halten den ehrenamtlichen Helfer auch nach über 60 Jahren Vereinstreue fit. Logisch, dass Pelzer angesichts dieser langen Zeit etwas länger überlegt, wenn er auf Träume und Ziele mit dem TSV angesprochen wird. Die Deutsche Meisterschaft würde er zumindest nicht ablehnen. „Obwohl ich nicht weiß, ob ich dann noch da bin“, scherzt er – der Uwe Seeler des TSV Gestorf.

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