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Alles außer Leistungssport

Springe. In keiner Ballsportart haben deutsche Mannschaften so viele bedeutende Erfolge gefeiert wie im Hockey. Nur Beachtung findet der Sport in der breiten Öffentlichkeit kaum. Wer etwa in Springe Hockey spielen will, muss schon nach Hannover oder Hameln fahren, um den nächsten Verein zu finden. Und doch lebt einer der aktivsten deutschen Hockey-Funktionäre seit fast 40 Jahren in Springe. Für sein Engagement wurde Joachim Giesecke jetzt mit der Niedersächsischen Sportmedaille ausgezeichnet.

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Im Gespräch ist Hockey meist nur, wenn es bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen um die Titel geht. „Das ist aber nicht meine Baustelle“, sagt der 65-Jährige, der bis zu seiner Pensionierung im vorigen Jahr als Handelslehrer mit dem Fach Sport an den Berufsbildenden Schulen in Springe unterrichtete, „ich kümmere mich um alles, was nichts mit Leistungshockey zu tun hat.“

Seit 1984 ist „Akki“, wie er in Hockeykreisen genannt wird, im Vorstand des niedersächsischen Verbandes für Breitensport und Vereinsentwicklung zuständig. Bis zum vorigen Jahr saß er 20 Jahre lang auch im entsprechenden Ausschuss des Bundesverbandes – anfangs zusammen mit Bernhard Peters, der später die deutschen Herren als Bundestrainer zu zwei WM-Titeln führte und mittlerweile als Sportdirektor bei Fußball-Bundesligist Hamburger SV angestellt ist. „Der hat immer gute Ideen“, sagt Giesecke, der selbst zu den Kreativen gehört, vor allem wenn es um die Gewinnung von Mitarbeitern in den Vereinen geht. So hat er etwa die „HockeyScout“-Lehrgänge entwickelt, wobei es darum geht, „Leute zu gewinnen, die in der Schule oder bei anderen Veranstaltungen für Hockey werben“. Er gibt aber in Vereinen auch Seminare für Eltern, deren Kinder gerade mit dem Hockeyspielen begonnen haben. „Die lernen dann, was die Kinder erwartet – und kriegen selbst einen Schläger in die Hand.“ Sein wichtigster Tipp, wenn es darum geht, ehrenamtliche Mitarbeiter zu werben: „Kleine Päckchen packen und die Leute nicht mit zu vielen Aufgaben überfordern.“

Dass Hockey nicht so flächendeckend verbreitet ist, wie etwa Fußball fand Giesecke immer reizvoll. Als Kind in Goslar, wo er aufwuchs, „konnte ich montags in der Schule erzählen, dass ich am Wochenende in Bremen oder Hamburg gespielt hatte – und nicht im Dorf nebenan“. Er schaffte es mit Goslar bis in die Regionalliga, seinerzeit die höchste deutsche Spielklasse. Als Referendar in Stade war es vorbei mit Hockey. Dort konnte er nicht spielen. „Ich hatte gedanklich damit abgeschlossen.“ Als 1978 dann in Hannover die EM ausgetragen wurde und er alte Weggefährten wiedertraf, war er wieder vom Hockeyvirus infiziert. Beim DSV Hannover 78 engagiert er sich seitdem. Dort hat er so ziemlich jede Mannschaft trainiert, war Jugendwart, spielt noch im Seniorenteam, wenn die Zeit es zulässt.

Er freut sich über die Auszeichnung, hängt sie aber nicht an die große Glocke. Natürlich freut er sich über die „hohe Wertschätzung, aber es gibt viele andere, die sie auch verdient hätten“.jab

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