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John Acheampong aus Eldagsen ist aber skeptisch, dass sein Heimatland Ghana es heute Abend schafft

„Achtelfinale würde für Afrika viel bedeuten“

Von Jan-Erik Bertram

Fußball. „Wenn ich sehe, wie unsere Jungs spielen, ist nicht viel drin“, sagt John Acheampong. Seit 30 Jahren lebt der 56-Jährige in Deutschland. Mit „unsere Jungs“ meint er aber immer noch die Nationalmannschaft seines Heimatlandes: Ghana. Heute Abend treffen die Teams seiner alten und seiner neuen Heimat in Johannesburg aufeinander – nur der Sieger erreicht voraussichtlich das Achtelfinale. Zu wem er halten soll, weiß Acheampong nicht so recht: „Ich hänge in der Luft“, sagt er lachend und versucht es mit Diplomatie: „Die bessere Mannschaft soll gewinnen.“

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Von Jan-Erik Bertram

Fußball. „Wenn ich sehe, wie unsere Jungs spielen, ist nicht viel drin“, sagt John Acheampong. Seit 30 Jahren lebt der 56-Jährige in Deutschland. Mit „unsere Jungs“ meint er aber immer noch die Nationalmannschaft seines Heimatlandes: Ghana. Heute Abend treffen die Teams seiner alten und seiner neuen Heimat in Johannesburg aufeinander – nur der Sieger erreicht voraussichtlich das Achtelfinale. Zu wem er halten soll, weiß Acheampong nicht so recht: „Ich hänge in der Luft“, sagt er lachend und versucht es mit Diplomatie: „Die bessere Mannschaft soll gewinnen.“

Er glaubt allerdings, dass die bessere Mannschaft Deutschland ist. „Die Deutschen haben zu zehnt gegen Serbien noch gut gespielt, aber eben den Elfmeter verschossen“, sagt der Eldagsener. Von den „Black Stars“, so wird das ghanaische Team genannt, war er dagegen bislang nicht angetan – obwohl es in der Gruppe D als einziges noch ungeschlagen ist. „Gegen Australien hätten wir mindestens 3:1 gewinnen müssen“, sagt Acheampong. Das Spiel endete aber nur 1:1 – und Acheampong entfernte vor lauter Ärger gleich die rot-gelb-grüne Fahne von seinem Auto.

Auf Ghana ruhen mittlerweile die Hoffnungen des ganzen Kontinents. Als einzige afrikanische Mannschaft haben sie bei dieser WM überhaupt ein Spiel gewonnen, die Teams aus Südafrika, Nigeria, Algerien, Kamerun und von der Elfenbeinküste sind bereits ausgeschieden oder stehen kurz davor. „Wenn Ghana ins Achtelfinale käme, würde das für ganz Afrika viel bedeuten“, sagt Acheampong.

Der 56-Jährige ist selbst ehemaliger Fußballer. In Ghana spielte er bis zur dritten Liga, als er 1992 nach Eldagsen kam, kickte er beim FCE in der zweiten Mannschaft. „Früher war ich ein Fußball-Fanatiker“, sagt er, „aber man wird ja nicht jünger.“ Jede Menge Talente gebe es in Afrika, „die meisten kommen aber nicht weiter, weil es keine richtige Förderung gibt“. Was es in vielen afrikanischen Teams auch nicht gebe: mannschaftliche Geschlossenheit und taktische Disziplin.

Dennoch, warnt Acheampong, solle die DFB-Elf die Partie nicht zu leicht nehmen: „Fußball ist der leichteste Sport, jeder kann es, in Afrika spielen sie überall, viele barfuß“, berichtet er. Und: Deutschland habe eine wacklige Abwehr, „dafür läuft es bei Ghana im Angriff nicht“.

Beim Thema Kevin-Prince Boateng hält er es mit Oliver Bierhoff: „Das sollte beim Spiel kein Thema sein.“ Dass der gebürtige Berliner, der für Ghana spielt, Michael Ballack absichtlich verletzt habe, glaubt Acheampong nicht. „So was passiert im Sport. Und so ein Riesenverlust ist Ballack auch nicht.“ In einer Woche fliegt Acheampong nach Ghana, wo sein erwachsener Sohn noch lebt. Sollten die „Black Stars“ dann noch im Turnier sein, dürften für den Eldagsener einige Fußball-Partys garantiert sein.

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