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Der VfB Eimbeckhausen hat die Trendsportart „Parkour“ in sein Programm aufgenommen

Über Bänke und Kästen statt Zäune und Autos

Parkour (jab). Angelo Roupas-Stache steht in vier Metern Höhe auf der Galerie der Eimbeckhäuser Grundschulturnhalle. Er steigt über das Geländer – und springt. Das ist nicht lebensmüde, das ist Parkour. So heißt die Trendsportart, die der VfB Eimbeckhausen jetzt in sein Programm aufgenommen hat.

Ein Sprung aus vier Metern Höhe – für erfahrene Traceure w

Der 16-jährige Angelo ist der Trainer. Er landet weich auf einer dicken Matte und rollt sich elegant ab. Beim „echten“ Parkours gibt es keine Matten. Dabei geht es darum, auf kürzestem Weg von A nach B zu kommen – und dabei sämtliche Hindernisse zu überwinden. Erfunden wurde es in einem Pariser Vorort. Die Hindernisse dort: Mauern, Zäune, Autos, Dächer...

Das ist für Anfänger freilich zu gefährlich, also geht Angelo mit seinem Angebot in die Halle – und baut die Hindernisse einfach nach. Der einzige Teilnehmer beim ersten Training ist Nico Schwekendiek. Der Zwölfjährige ist Fußballer in der E-Jugend beim VfB. „Dafür brauche ich Kondition.“ Im Internet hat er Videos von „Traceuren“ – so nennen sich Parkour-Sportler – gesehen und wollte es nachmachen.

Das Abrollen ist ganz wichtig: Nico Schwekendiek übt es nach dem
  • Das Abrollen ist ganz wichtig: Nico Schwekendiek übt es nach dem Sprung vom Kasten auf der Weichbodenmatte, Trainer Angelo Roupas-Stache schaut zu.

Jetzt balanciert auf allen Vieren über eine umgedrehte Bank auf einen Kasten, hüpft von dort zum nächsten Kasten, springt – aus nur einem Meter Höhe – auf eine Weichbodenmatte und rollt sich ab. Das Abrollen ist wichtig, um sich nicht zu verletzen, denn „wenn du es später machst, hast du richtig Tempo drauf“, erklärt Max Babinsky (15), der seinen Kumpel Angelo beim Training unterstützt. Noch hat Nico kein Tempo drauf. Vor jedem Sprung bleibt er kurz stehen. Ein Fehler, den es noch abzustellen gilt: „Du brauchst den Schwung“, erklärt ihm Angelo, der gerade seinen Übungsleiter-Grundschein gemacht hat. Eine Ausbildung zum Parkour-Trainer? „So was gibt es noch nicht“, sagt der 16-Jährige.

Die nächste Übung: Nico soll vom Boden auf einen Kasten springen, und dabei erst die Hände aufsetzen, dann die Füße. Es erinnert an Bockspringen. Max erklärt Nico, dass er das Knie anziehen soll, um so den Schwung mitzunehmen – das kennt man auch vom Weitsprung.

Mit altbekannten Sportarten wie Leichtathletik, Turnen oder Fußball „kriegst du die Jugendlichen nicht mehr“, sagt der VfB-Vorsitzende Ulrich Marten, der sich einen Eindruck vom neuen Angebot in seinem Verein macht. „Wir kriegen viel Lob dafür, dass wir uns für neue Sportarten öffnen.“

Jetzt fehlen noch die Teilnehmer. Nico will noch ein paar Freunde ansprechen. Er kennt Angelo und Max aus der Schule, auch die beiden wollen noch mehr Werbung für ihr Angebot machen. Besonders gefährlich sei Parkour nicht, sagt Angelo. Er laufe nicht blindlings drauflos, „ich gucke mit die Strecken vorher an“, sagt er. In der Halle sorgen zudem Matten für Sicherheit – und Sprünge aus vier Metern Höhe macht vorerst nur der Übungsleiter.

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