Kommentar

Wichtige Arbeit
Von Dirk Schmaler

Die Festnahme des fünften mutmaßlichen Terrorhelfers zeigt es: Die Zwickauer Neonazi-Zelle konnte sich auf viele Kameraden verlassen. Die alten Freunde besorgten Waffen und Papiere und mieteten Fahrzeuge und Wohnungen, um die Abgetauchten zu schützen. Erst jetzt, da die Bundesanwaltschaft in stoischer Kleinarbeit die Verbindungen der Terrorgruppe rekonstruiert, holt die Mitwisser und Helfer von einst ihr verhängnisvolles Schweigen ein.

Wie der Sozialarbeiter Carsten S. beteuern viele, längst ein neues Leben zu führen. Helfen wird ihnen das kaum. Ihr Schweigen hat die Mordserie verlängert. Es gibt mindestens ein halbes Dutzend weiterer Männer, die darauf warten, dass die Ermittler bei ihnen mit einem Haftbefehl vor der Tür stehen. Die Fleißarbeit der Ermittler dient nicht nur der Verbrechensaufklärung. Für den Staat geht es auch darum, Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Bei den Migranten im Land. Aber auch bei allen, die es unerträglich finden, dass ein Netzwerk von Neonazis Angst und Schrecken verbreiten konnte. Die Ermittler aus Karlsruhe und der eingesetzte Untersuchungsausschuss werden auch die politischen Folgen nicht ausblenden können. Wie stark waren die Verbindungen der Terrorgruppe zur NPD? Und welche Rolle spielten Verfassungsschutz und Polizei? Erst wenn diese Fragen geklärt sind, werden die Angehörigen der Mord Ruhe finden.

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Artikel vom 01.02.2012 - 20.23 Uhr
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